Willi Lemke soll in seiner Zeit als Manager bei Bundesligist Werder Bremen jahrelang eine schwarze Kasse unterhalten haben. Unter anderem beim Transfer des Brasilianers Ailton soll Schwarzgeld im Spiel gewesen sein.

Ailton soll mit Schwarzgeld finanziert worden sein

15. Mai 2004, 16:54 Uhr

Willi Lemke soll in seiner Zeit als Manager bei Bundesligist Werder Bremen jahrelang eine schwarze Kasse unterhalten haben. Unter anderem beim Transfer des Brasilianers Ailton soll Schwarzgeld im Spiel gewesen sein.

Der ehemalige Manager des frischgebackenen deutschen Meisters Werder Bremen, Willi Lemke, soll jahrelang mit einer schwarzen Kasse gearbeitet haben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf einen internen Bericht der Steuerfahndung, in dem angeblich mehrere Schreiben von Werder-Anwalt Burkard Plenge zusammengefasst sind. Demnach sollen unter anderem die Transfers des Brasilianers Ailton und des Russen Wladimir Bestschastnich wenigstens zum Teil mit Schwarzgeld bezahlt worden sein. Nach Angaben des "Spiegel" hat Lemke zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen wollen und erklärt, er sei "nicht befugt" sich für den Verein zu äußern.

Polster versteht die Aufregung nicht

"Das ist eine alte Kamelle, es gibt keinerlei neue Aspekte. Es gab ein steuerliches Ermittlungsverfahren. Eine Steuernachzahlung ist erfolgt. Es wurde aber keinerlei Bußgeld erhoben. Die ganze Sache ist 2002 bereits abgeschlossen worden, niemand ist verurteilt worden", erklärte auf sid-Anfrage dagegen Werder-Pressechef Tino Polster, der einen Zusammenhang mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft durch die Norddeutschen und die Veröffentlichung des Artikels vermutet.

Das Nachrichtenmagzin berichtet unter Bezug auf Plenge weiter, dass zwischen 1980 und 1998 zunächst 600.000 Mark "für schlechte Zeiten" eingenommen und in einem Depot der BfG Bank Luxembourg eingezahlt worden seien. Dieses Depot, das beim Finanzamt nicht gemeldet worden sei, soll auch nicht in den Büchern den Klubs aufgetaucht sein und wurde stattdessen angeblich auf den Namen des damaligen Geschäftsführers Wolfgang Barkhausen geführt. Lemke, immer noch Werder-Aufsichtsrat und zudem Bremer Bildungssenator, soll diesen Deal eingefädelt haben.

"Kalte Füße" beim Werder-Vorstand

Als die Staatsanwaltschaft Bremen 2001 Ermittlungen gegen die BfG-Nachfolgebank SEB wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung einleitete, bekam der Werder-Vorstand nach Spiegel-Angaben kalte Füße. Am 14. September 2001 soll Selbstanzeige erstattet worden sein.

120.000 Mark des Schwarzgeldes sind dem Magazin-Bericht zufolge bei der Verpflichtung von Ailton 1998 vom mexikanischen Verein Universidad de Nuevo Leon geflossen. Sogar 700.000 Mark aus der "stillen Reserve" sollen beim Transfer von Bestschastnich von Spartak Moskau 1994 ausgegeben worden sein.

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