BVB: Haben BVB-Funktionäre sich verhoben?

rk
02. Januar 2004, 10:57 Uhr

Einen guten Eindruck haben Boss Dr. Gerd Niebaum und Manager Michael Meier auf der von ihnen eiligst einberufenen Pressekonferenz am letzten Montag nicht hinterlassen. Die Enthüllungen der bezüglich einer möglichen Anleihe von 100 Millionen waren den beiden Funktionären sichtlich auf den Magen geschlagen.

Einen guten Eindruck haben Boss Dr. Gerd Niebaum und Manager Michael Meier auf der von ihnen eiligst einberufenen Pressekonferenz am letzten Montag nicht hinterlassen. Die Enthüllungen der Gazetten "Süddeutsche Zeitung" und "Kicker" bezüglich einer möglichen Anleihe von 100 Millionen Euro bei der Investmentbank "Schechter & Co. Ltd." waren den beiden Funktionären sichtlich auf den Magen geschlagen. Zwischenfragen waren, wie bereits wenige Tage zuvor mit Marcio Amoroso, lediglich begrenzt erwünscht und wurden nur teilweise beantwortet. Ruckzuck wurde die Veranstaltung beendet, obwohl noch viele Aspekte offen blieben.
Meier wies darauf hin, dass die Initiative nicht vom Verein, sondern von der Investmentbank ausging: "Wir werden das Angebot prüfen." Einen Liquiditätsengpass gibt es nicht, das eventuell frische Geld soll für weitere Investitionen genutzt werden, so das geschäftsführende Vorstandsmitglied. Für welche? Das Stadion ist fertig, in neue Stars dürfte der BVB angesichts der angespannten Situation wohl keinen Cent stecken, wenn nicht auf der Gegenseite Spieler abgegeben werden können.

Denn trotz anderer Bekundungen ist Geld bei der Borussia offenbar reichlich knapp, sonst hätten die Dortmunder die bilanzmäßig zwar rechtmäßig, ansonsten eher zur Aufblähung des Eigenkapitals dienende Forderung von Nike in Höhe von 38 Millionen Euro nicht schon in die Bilanz 2002/2003 einfließen lassen. Schließlich tritt der Vertrag erst im kommenden Sommer in Kraft. Auch die Tricks mit Evanilson mögen zwar rechtlich zulässig sein, doch kann diese Tatsache nicht darüber hinweg täuschen, dass die Führungsetage jahrelang (!) entsprechende Nachfragen nicht beantwortet hat. Die Transferrechte des Brasilianers wurden beim Kauf vom Marcio Amoroso für 14 Millionen Euro an den AC Parma abgetreten. So weit, so gut, doch im Sommer musste (!) er für den gleichen Betrag zurück erworben werden. "Für den Transfer von Amoroso sind insgesamt 21 Millionen Euro abgeflossen", räumte dann Meier selbst ein.

Auch der Verkauf des Stadions kann offenbar ganz unterschiedlich gedeutet werden. So verkündete Dr. Gerd Niebaum: "In 14 Jahren können wir das Westfalenstadion, das dann frei von allen Belastungen ist, zurückerwerben." Na klasse, bis dahin haben die Schwarz-Gelben jedoch jährlich rund 17 Millionen Euro an Leasing-Gebühren zu überweisen, bei einer Gesamtlaufzeit von 15 Jahren steht unter dem Strich die stolze Summe von 255 Millionen Euro, ohne den Rückzahlungsbetrag, der wohl mindestens der Verkaufsumme von ca. 75 Millionen Euro entsprechen wird.
Sollte das Anleihegeschäft zustande kommen, haben die Dortmunder so ziemlich alles vertickt, was ihnen, zumindest kurzfristig, gehörte, und dann zu wahrlich horrenden Belastungen zurückgeleast. Angefangen beim Stadion (geschätzte jährliche Belastung 17 Millionen), die Zuschauereinnahmen (geschätzte jährliche Belastung (10 Millionen), den eigenen Ausrüster goool.de (geschätzte jährliche Belastung 2 Millionen) und das neue Verwaltungsgebäude an der A40 (geschätzte Jährliche Belastung 1,5 Millionen).

Insgesamt beläuft sich die Summe auf rund 30 Millionen Euro, die in den kommenden Jahren im "normalen" Etat fehlen. Die Absicht, Borussia Dortmund in Deutschland und Europa hoffähig zu machen, ehrt die Verantwortlichen, doch so langsam stellt sich die Frage, ob sie sich bei diesem Unterfangen nicht verhoben haben. Sollte die Champions League im kommenden Sommer erneut verfehlt werden, so dass wiederum auf eine Einnahme von ca. 30 Millionen Euro verzichtet werden muss, dürften sich die Gesichter der Führungsetage sehr verfinstern, wenn sie einen Blick auf ihre Bilanz werfen.

Autor: rk

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