Für unfassbar hält Tacettin Kocao die Dinge, die er am Sonntag im Anschluss an die Partie in Beeckerwerth vollbracht haben soll. Kopfschüttelnd sagt er:

Duisburg: Kocao spricht über Huckingen II

"Wir sind keine Schlägertruppe"

Heiko Gaeb
13. November 2008, 12:49 Uhr

Für unfassbar hält Tacettin Kocao die Dinge, die er am Sonntag im Anschluss an die Partie in Beeckerwerth vollbracht haben soll. Kopfschüttelnd sagt er: "Ich soll mit Hass in den Augen über das Spielfeld gerannt sein und auf alles eingeschlagen haben. Dass ich nicht lache." In den Augen des 28-Jährigen, der vorher schon beim DSV 1900 und Hamborn 07 spielte und nun das erste mal einer türkischen Mannschaft angehört, begann die Partie ganz entspannt.

"Lediglich der Spielführer des Gegners fiel dadurch auf, dass er ständig zum Schiedsrichter rannte, ihn auf irgendwelche Dinge hinwies und andauernd Karten nach Aktionen mit kleineren Fouls für uns forderte", beschreibt Kocao und ergänzt: "Mir ist schon klar, dass wir Türken manchmal etwas temperamentvoll sind und die Leute uns deshalb gerne provozieren, um Karten zu für uns kriegen. Das ist halt so. Deshalb bleibe ich auch lieber ruhig."

In dem Fall sah sich der Spielmacher aber dann doch dazu veranlasst, das beim Schiedsrichter anzusprechen. "Auf meine Beschwerde beim Referee antwortete er nur: 'Hör auf zu bellen.' Das fand ich natürlich alles andere als gut, aber nachdem er in der Halbzeit persönlich bei mir war und sich dafür entschuldigte und mir erklärte, dass es nicht so gemeint war, war die Sache sowieso vergessen."

Kommentare wie "buddelt die Türken ein"

In der zweiten Halbzeit verschärfte sich dann aus Sicht Kocaos die Lage: "Wir führten ja auch irgendwann mit 4:1 und vom Spielfeldrand, an dem sich diverse Zuschauer mit Reichsadler-T-Shirts befanden, kamen Sprüche wie: 'Buddelt die Türken ein', wenn jemand von uns nach einem Foul am Boden lag. Das habe ich so noch nie erlebt."

In der 75. Minute flog Kocao nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz und das ohne Proteste von Huckinger Seite wie der Akteur betont. "Aus meiner Sicht hat der Schiedsrichter eindeutig gegen uns gepfiffen. Ein berechtigter Strafstoß für uns wurde nicht gegeben. Aber Fehlentscheidungen sind ja normal. Da kann man noch mit leben. Aber nicht mit der überlangen Nachspielzeit", beschreibt Kocao das Geschehen und schildert: "Fünf Minuten waren angezeigt, am Ende waren es fast 15 nachdem Beeckerwerth endlich den Ausgleich erzielt hat. Das kommt doch sonst nie so lange vor."
Provokationen und Polizeieinsatz

An der Länge der Nachspielzeit scheiden sich schon die Geister. An dem, was nach dem sehr späten Schlusspfiff geschah, auch. Kocao: "Natürlich bin ich zum Schiedsrichter gegangen und habe ihn gefragt was das soll. Es ist ja wohl ganz normal, dass man nach so einem Spielverlauf nicht mit guter Laune dahin läuft. Aber bis auf gestikulieren war da nichts. Ich habe keinen geschlagen und hatte es auch absolut nicht vor. Mir wurde dann von der Seite ein Schirm auf den Kopf gehauen, nicht stark, aber spürbar. Daraufhin gab es leichte Tumulte. Diese bestanden aber hauptsächlich darin, dass ich von meinen Mitspielern zur Seite gezogen wurde. Schließlich wurde ich vor sechs Wochen erst an der Nasenscheidewand operiert und bin noch gar nicht richtig fit. Das weiß auch jeder aus meiner Mannschaft. Der Referee ist danach in die Umkleidekabine gegangen. Bis auf ein paar kleinere verbale Provokationen passierte danach nicht mehr viel. Das zeigt ja auch die Tatsache, dass bei der Polizei keine Anzeige erstattet wurde. Diese traf übrigens erst recht spät ein, schließlich war zeitgleich beim MSV auch einiges los, und da waren die Gemüter schon längst beruhigt."

Jetzt muss die Kreisspruchammer entscheiden

Auch die Aussage, dass ein Zuschauer im Krankenhaus behandelt werden musst, mag der Spielmacher nicht so recht glauben: "Wovon frage ich mich. Es mussten zwei Spieler ins Krannkenhaus, das stimmt. Einer davon ist mein Bruder, der andere war vom Gegner, passiert ist das durch unglückliche Zweikämpfe."

Was nun geschieht, muss die Kreisspruchkammer entscheiden. Staffelleiter Hans-Jürgen Kasper kündigt an: "In den nächsten 14 Tagen wird es wohl kein Urteil geben, danach erst."

"Wir sind keine Schlägertruppe. Das werden die anderen auch sehen oder haben es schon. Ich hoffe doch sehr, dass sich durch diese negativen Schlagzeilen über unsere zweite Mannschaft noch Gegner für Freundschaftsspiele in der Winterpause finden werden", sagt Kocao abschließend.

Autor: Heiko Gaeb

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