Nach dreijähriger Abwesenheit mischt Standard Lüttich wieder mit in einem europäischen Wettbewerb. Sportlich befindet sich Bochums Gegner im UEFA-Cup dennoch auf der Suche nach seiner glorreichen Vergangenheit.

Bochum-Gegner Lüttich ist zurück in Europa

14. September 2004, 13:08 Uhr

Nach dreijähriger Abwesenheit mischt Standard Lüttich wieder mit in einem europäischen Wettbewerb. Sportlich befindet sich Bochums Gegner im UEFA-Cup dennoch auf der Suche nach seiner glorreichen Vergangenheit.

Standard Lüttich ist nach dreijähriger Abwesenheit wieder in einem europäischen Wettbewerb vertreten. "Europa ist zurück in Sclessin", steht an den Wänden der Geschäftsstelle geschrieben. Die Mannschaft des VfL Bochum wird sich nicht allzu fremd fühlen am Donnerstag (20.30 Uhr) vor dem Hinspiel der ersten Runde des UEFA-Pokals - nicht nur wegen der räumlichen Nähe zu Lüttich.

Das Stadion von Sclessin ist in einer alten Industrieregion gelegen. Auch Lüttich hat eine Lunge aus Stahl. Mit dem Namen Standard weiß man im Ruhrgebiet nicht mehr allzu viel anzufangen, es sei denn, man ist Fan von Schalke 04 und erinnert sich daran, dass vor einigen Jahren Spieler wie Marc Wilmots und Emile Mpenza von Standard nach Gelsenkirchen gewechselt sind.

Glorreiche Vergangenheit

Einst war Standard ein Spitzenklub in Europa. Claessen, Kostedde, Van Moer, Piot, Haan, Gerets, Hrubesch, Preud homme: Sie alle haben in ihrer aktiven Zeit für die "Rouches" gespielt, wie die Rot-Weißen genannt werden. Auch Trainer-Legenden wie Ernst Happel und Raymond Goethals waren in Lüttich tätig.

1962 erreichte man im Europapokal der Landesmeister das Halbfinale, in dem man sich Real Madrid geschlagen geben musste. Auch im Europacup der Cupsieger machte der populärste Fußballverein Walloniens auf sich aufmerksam. 1967 bekamen es die Lütticher im Halbfinale mit Bayern München zu tun. Beckenbauer, Müller und Co. setzten sich durch und legten in Sclessin den Grundstein für ihren ersten Europapokalsieg.

Den größten Erfolg erzielte Standard 1982 mit dem Erreichen des Endspiels gegen den FC Barcelona, wo damals Udo Lattek Trainer war. Die Spanier hatten das große Glück, das Finale im heimischen Camp Nou austragen zu dürfen und gewannen 2:1. Im darauf folgenden Jahr feierten die Belgier ihren letzten Landesmeistertitel.

Im Februar 1984 wurde Standard von einer Bestechungsaffäre erschüttert. Von da an ging es mit dem Klub bergab. Die letzten nennenswerten Erfolge waren der Gewinn des Landespokals 1993 und die Teilnahme am Endspiel des UI-Cups 1996, das man gegen den Karlsruher SC verlor.

Spielerverkäufe an der Tagesordnung

Ansonsten gab es international für die treuen Lütticher Fans fast nur noch Enttäuschungen. Ein Grund für die chronische Erfolglosigkeit: Seit Jahren geht es im Stadion von Sclessin zu wie auf einem Basar. Spieler werden heute gekauft und morgen wieder verkauft. Dem von Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus mehrheitlich kontrollierten Klub fehlt es an Stabilität, um für den RSC Anderlecht und den FC Brügge ein ernsthafter Konkurrent im Kampf um die Meisterschaft zu sein.

Von der Mannschaft, die im Mai die Saison 2003/04 beendete, haben acht Spieler die Koffer gepackt. Dieses ständige Kommen und Gehen von Spielern ist laut Generaldirektor Pierre Francois ein notwendiges Übel: "Weil wir nicht über die Finanzmittel von Anderlecht und Brügge verfügen, müssen wir dieses Handicap über Transfergeschäfte kompensieren."

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