Eines vorweg: Wir befinden uns in der Kreisliga C. Essen Nord-West Gruppe 1, um genau zu sein. Normalerweise nicht das Pflaster und die sportliche Perspektive, mit der Ober- und Verbandsliga-Kicker oder sogar ehemalige Nationaspieler zu ködern sind. Doch bei Al-Arz Libanon 2008 ist alles ein wenig anders.

Essen: Al-Arz Libanon 2008 trumpft in der C-Liga groß auf

Fünf "Fakhros", acht "Allouches" und ein Kroate

Aaron Knopp
21. Juli 2008, 16:56 Uhr

Eines vorweg: Wir befinden uns in der Kreisliga C. Essen Nord-West Gruppe 1, um genau zu sein. Normalerweise nicht das Pflaster und die sportliche Perspektive, mit der Ober- und Verbandsliga-Kicker oder sogar ehemalige Nationaspieler zu ködern sind. Doch bei Al-Arz Libanon 2008 ist alles ein wenig anders.

Gerade mal gute drei Monate ist es her, dass dem blutjungen Club die Platzanlage an der Bäuminghausstraße als neue Heimstatt zugewiesen wurde – und schon muss der Verein als klarer Aufstiegsfavorit gehandelt werden.

Immerhin kann man sich bei Al-Arz den Luxus erlauben, einen Keeper wie Marwan Allouche, der in der letzten Saison noch im Kader des Landesligisten FC Kray stand, im Sturm aufzubieten. Zwischen den Pfosten soll ja auch niemand geringeres als Nouri Fakhro stehen, der erst vor Jahresfrist zum Oberligisten VfB Homberg wechselte (im Internet wird sogar über die Kleinigkeit von 50.000 Euro Ablöse spekuliert). Für das Mittelfeld war sogar der ehemalige Nationalspieler Issa Allouche (FC Kray) im Gespräch, der aber zunächst wohl noch eine Saison in der Landesliga dranhängen wird.

Der finanzielle Anreiz ist es aber wohl kaum, der den Schlussmann dazu verleitete, künftig Woche für Woche gegen Teams wie Adler Frintrop IV oder Ballfreunde Bergeborbeck III aufzulaufen, vielmehr leistete wohl der Verein selbst die entscheidende Motivationshilfe. „Wir sind der erste und einzige libanesische Club Deutschlands“, berichtet Präsident Nemr Fakhro stolz. Ist Vaterlandsliebe bereits ein gutes Argument, ist Familie ein noch viel besseres: Im vorläufigen Kader stehen alleine fünf „Fakhros“ und acht „Allouches“. „Die sind auch alle miteinander verwandt“, nickt der Vorsitzende. Jamal Fakhro, zuletzt in der Kreisliga B in der Nähe der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn aktiv – und dort auch immer noch wohnhaft – reißt für den "Abstieg" in die Kreisliga C, die gemeinsamen Trainingseinheiten und Spiele sogar regelmäßig gut 100 Kilometer runter, pro Strecke. Das nennt man in der Fußballersprache wohl einen verschworenen Haufen. „Dennoch bemühen wir uns, den Verein für alle offen zu halten und auch andere Leute zu integrieren.“

Wenngleich die Idee der Gründung eines eigenen Vereins natürlich aus der gegenseitigen Bekanntschaft erwuchs: „Wir haben uns oft sonntags getroffen und miteinander gekickt“, erinnert sich Fakhro. „Dann kam schließlich der Gedanke, einen eigenen Club zu gründen.“ Zumindest eine externe Kraft konnte Al-Arz aber bereits integrieren, und das auf einer beileibe nicht unwichtigen Position. Josip Cosic ist Trainer der Mannschaft – und Kroate. „Es war mir von Anfang an wichtig, einen Trainer zu holen, der kein Libanese ist und Disziplin reinbringt“, erläutert der Präsident. Auch, um mögliche Eskalationen von vorneherein zu verhindern? „Ich weiß um das Image, das unsere Landsleute zum Teil haben, aber wir bemühen uns wirklich, nur vernünftige Leute zu holen. Sicher, man kann nie hundertprozentig ausschließen, dass etwas passiert, aber ich denke, die Jungs sind alle in Ordnung.“

Von übertriebenem Ehrgeiz hält Fakhro ohnehin nicht allzu viel: „Für uns geht es vor allem darum, Spaß am Fußball zu haben. Alles was mit Aufstieg oder so zu tun hat, werden wir dann sehen. Aber es ist nicht unser erklärtes Ziel. Auch wenn die Leute zum Teil höherklassig gespielt haben, ist ja auch der ein oder andere dabei, der ein, zwei Jahre Fußballpause eingelegt hat.“ Dennoch darf sich der Rest der Liga getrost schon mal warm anziehen.

Autor: Aaron Knopp

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