Bayern stehen in Anderlecht in der Pflicht

ac
30. September 2003, 20:30 Uhr

Uli Hoeneß, Manager des deutschen Rekordmeisters Bayern München, hat vor dem heutigen Champions-League-Spiel in Anderlecht eine deutliche Leistungssteigerung und einen Sieg gefordert. Doch die Verletztenliste ist lang.

Uli Hoeneß ist die Ausreden leid. "Das ist alles großer Mist", tobte der Manager nach dem Auswärtssieg von Bayern München bei Hansa Rostock (2:1). Vor dem zweiten Gruppenspiel in der Champions League heute beim belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht (20.45 Uhr) stehen die Bayern in der Pflicht: "Jetzt kommt der heiße Herbst. So eine Leistung ist nicht zu akzeptieren, so geht es nicht."

Vor allem "diese Selbstzufriedenheit, diese Laissez-faire-Einstellung" war Hoeneß ein Dorn im Auge: "Unsere Mannschaft glaubt, sie sei so überlegen, dass sie alles mit links machen kann. Das aber ist falsch. Es fehlt am Einsatz im Zweikampf, an der Laufbereitschaft. Das haben einige nicht begriffen. Wenn wir so weiterspielen, kriegen wir große Probleme."

Hitzfeld gibt Hoeneß Recht

Kaum hatte sich der deutsche Rekordmeister am Montag auf dem Münchner Airport zum Abflug nach Belgien versammelt, griff Ottmar Hitzfeld die Vorlage aus der "Abteilung Attacke" dankbar auf. "Wenn Uli sagt, wir haben Mist gespielt, dann hat er recht", gestand der Meistercoach und gelobte für den ersten Auswärtsauftritt in Europa Besserung: "Wir müssen besser spielen, gerade in der Champions League. Wenn man ins Achtelfinale will, muss man auch auswärts gewinnen."

Die Gelegenheit zur Rehabilitation scheint günstig, der 26-malige belgische Titelträger gilt als vermeintlich leichtester Gegner in der Gruppe A. Am ersten Spieltag verlor der "königliche" Klub mit 0:1 bei Olympique Lyon. Die Bayern dagegen starten mühsam, aber erfolgreich gegen Celtic Glasgow (2:1).

Lange Verletztenliste

Allerdings bremste Hitzfeld den Optimismus vor dem Spiel: "Wir haben so viele Verletzte, da kann man nicht erwarten, dass wir wie aus einem Guss spielen." Die Personalsituation freilich hat sich gegen Belgiens Vize-Meister kaum entspannt. Nur der in der Bundesliga gesperrte Ze Roberto kehrt am Dienstag sicher zurück - Deisler, Jeremies, Rau, Sagnol, Scholl und Zickler fallen weiter aus. Dafür hoffte Hitzfeld, "dass wir Owen Hargreaves fit bekommen."

"Eine spielerisch starke Mannschaft, die auch in der Defensive gut steht", erwartet Hitzfeld. Angesichts der baumlangen und demnach im Kopfball starken Innenverteidiger "brauchen wir denen mit Flanken nicht zu kommen", erklärt der Trainer. Ein besonderes Augenmerk gilt auch Regisseur Walter Baseggio.

Illusionen geben sich die Belgier allerdings nicht hin. "Die Bayern sind der klare Favorit", sagt Trainer Hugo Broos, bekräftigt aber auch: "Wir können befreit und ohne Druck aufspielen und schon ein bisschen mehr Risiko eingehen." Aber auch ihn plagen personelle Sorgen: Auf der rechten Seite fehlt der verletzte Schwede Christian Wilhelmsson, im Sturm Torjäger Nenad Jestrovic.

Autor: ac

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