Thorsten Fink ist ein Junge aus dem Revier. Gebürtig stammt er aus Dortmund, das Fußball-ABC erlernte er beim BVB, den Durchbruch im Profi-Geschäft schaffte er 30 Kilometer weiter. Die erfolgreichste Zeit der SG Wattenscheid 09 gestaltete

Revier-Junge Thorsten Fink auf neuen Spuren: Zum ersten Mal Chef-Trainer in Deutschland

"Heute wäre ich Nationalspieler"

Thomas Tartemann
12. Januar 2008, 09:44 Uhr

Thorsten Fink ist ein Junge aus dem Revier. Gebürtig stammt er aus Dortmund, das Fußball-ABC erlernte er beim BVB, den Durchbruch im Profi-Geschäft schaffte er 30 Kilometer weiter. Die erfolgreichste Zeit der SG Wattenscheid 09 gestaltete "Finki" aktiv mit, er wird wahrscheinlich auf ewig und alle Zeiten der Bundesliga-Rekord-Spieler an der Lohrheide bleiben: Über 100 Mal lief der Blondschopf für die 09er auf. Über den KSC ging es schließlich weiter zu Deutschlands Top-Adresse Bayern.

"Dort", blickt er zurück, "hatte ich eine rundum gelungene Zeit." Jetzt beginn ein neues Kapitel. Der Fußball-Lehrer gibt seine Erfahrungen erstmals als Chef-Coach in Deutschland weiter. Nach dem Intermezzo bei Red Bull Salzburg, wo er die zweite Mannschaft zum Aufstieg führte und Welt-Trainer Giovanni Trapattoni bei der "Ersten" assistierte, hat Fink bis Sommer 2009 in Ingolstadt unterschrieben. Der Regionalliga-Sechste soll nach oben geführt werden. Möglichst schnell. Wie der vierfache Deutsche Meister das Unternehmen angeht, von welchem Coach er Elemente verinnerlicht hat und warum er heute als aktiver Profi Nationalspieler wäre, das verrät der ehemalige Bayern-Star im Gespräch mit RevierSport.
Hallo Thorsten Fink, kennen Sie RevierSport noch?
Ja, natürlich. Ihr habt doch früher über Wattenscheid 09 in der Bundesliga berichtet.

Von Wattenscheid schafften Sie den Sprung auf die große Bühne. Wie war das damals?
Reinhold Klee, damals Sportlicher Leiter an der Lohrheide, holte mich aus Dortmund. Ich sollte erst Leistungsträger in der Zweiten Mannschaft des BVB werden, aber nach oben war der Sprung schwer. Es gab ein Angebot aus Wattenscheid und eines aus Essen. Die 09er waren mir sofort sympathisch, das Ganze lief sehr familiär ab, die sportliche Perspektive war gut. Ich habe zugesagt. Wir sind dann aus der Zweiten Liga aufgestiegen, haben uns vier Jahre da oben gehalten. Anschließend ging ich nach Karlsruhe, das war dann schon eine Stufe höher als Wattenscheid, wir haben um den Uefa-Cup mitgespielt. Ich bin zum Stammspieler gereift, bis das Angebot der Bayern kam.

In Dortmund ärgerte man sich damals, schließlich ging ein Riesen-Talent aus den eigenen Reihen flöten.
Ottmar Hitzfeld wollte mich von der SG 09 zum BVB zurückholen, aber der damalige Manager Michael Meier lehnte das ab. Er meinte: Wir holen keinen Spieler, der schon Mal bei uns war und dann Geld kostet.

Mit Bayern haben Sie offenbar alles richtig gemacht, die Liste der Erfolge ist lang und vollständig. Mehr Titel gingen nicht, oder?
Für mich ist durch den Transfer nach München ein Traum in Erfüllung gegangen. Mein Vater war schon immer Bayern-Fan, ich habe sowohl dem FCB als auch Dortmund, wo ich mir immer die Bundesliga-Spiele angesehen habe, die Daumen gedrückt. Es war natürlich toll, dann plötzlich selbst für die Bayern aufzulaufen und so viel Erfolg zu haben.
Fehlt in Ihrer Karriere irgendetwas?
Ja, die Einsätze in der A-National-Mannschaft hätte ich auch gerne gehabt. Dem trauere ich ein bisschen nach. Ich war zwar ein paar Mal einberufen, wurde aber nie im Länderspiel berücksichtigt. Heute wäre das anders. Wenn ich noch aktiv mitmischen würde, dann wäre ich garantiert Nationalspieler.
Warum?
Heute reicht doch schon eine gute Saison, dann bist du dabei. Früher musstest du mehrere gute Spielzeiten abliefern, das war weitaus schwerer, in den Kreis der Nationalspieler zu kommen.

Wegen einer Knieverletzung mussten Sie vor ein paar Jahren aufhören. Fiel der Abschied schwer?
Ja, es war nicht einfach, plötzlich nicht mehr Fußball zu spielen. Den ganzen Tag Sport zu machen, ist eigentlich das Schönste, was man tun kann. Aber ich habe mich jetzt mit der Trainer-Rolle abgefunden und lebe danach.
Worin unterscheidet sich der Trainer Fink vom Spieler Fink?
Du musst die Mannschaft führen, musst dir ständig Gedanken machen, darfst nicht nur Quatsch machen. Als Trainer habe ich eine große Verantwortung gegenüber dem Verein und den Spielern. Früher habe ich trainiert und bin nach Hause gefahren. Heute überlegst du: Wie kannst du welchen Spieler aufbauen und anpacken, damit er die bestmögliche Leistung abruft? Dazu kommen Trainings-Vorbereitungen, das Studieren der Gegner. Du kannst eigentlich nie abschalten, das ist ein Fulltime-Job, es gibt keine Auszeit am Telefon. Höchstens dann, wenn ich mit meiner Familie beim Essen sitze.

Sie haben das komplette "Who is Who" unter den Linien-Chefs dabei gehabt. Von wem nimmt man die meisten Erfahrungen mit?

Eigentlich ist von jedem Coach ein bisschen was dabei. Ich habe mir überall etwas abgeguckt, werde aber meinen eigenen Stil entwickeln. Giovanni Trapattoni ist sehr emotional, bringt sehr viel Leidenschaft mit ein. Er hat halt das italienische Temperament. Mit ihm habe ich in Salzburg wirklich super zusammengearbeitet. Es hat allerdings gedauert, bis er mir Verantwortung übertragen und gemerkt hat, dass ich auch Ahnung vom Fußball habe. Für mich ist Trapattoni eine große Respektsperson, die sehr viel erreicht hat.
Wie lief es mit Ottmar Hitzfeld bei den Bayern?
Er ist ein absoluter Profi, überlässt nichts dem Zufall. Seine Mannschafts-Führung ist wirklich top, er kann ausgezeichnet mit den Medien umgehen.
Sein Kapitel bei den Bayern endet in Kürze. Verstehen Sie seine Entscheidung?
Absolut. Ottmar hatte nach den Vorkommnissen keine andere Chance, als einen Schluss-Strich zu ziehen.
Zurück zu Ihnen: Der "wilde Winnie" war ebenfalls Ihr Coach!
Taktisch brachte Winfried Schäfer beim KSC nicht so viel ein, aber dafür war er so, wie der Spitzname sagt: Der große Motivator. Was Taktik angeht, habe ich von Trapattoni sehr viel gerlernt.
Und von Hannes Bongartz?
Mit Hannes bin ich in Wattenscheid super zurecht gekommen. Wir haben da in den 80er Jahren zum ersten Mal mit der Viererkette gespielt, das kannten damals viele noch gar nicht. Damit sind wir als Zweitligist auch aufgestiegen.
Worin besteht der Unterschied zwischen "Co" und Chef?
Als Assistenz-Trainer bist du ausführendes Element, jetzt muss ich eben eigene Entscheidungen treffen, meine eigene Art entwickeln, wie ich mit der Mannschaft umgehe und versuchen, Erfolg zu haben.
Wie lautet das Ziel in Ingolstadt?
Natürlich wollen wir die Qualifikation für die neue dritte Bundesliga schaffen, aber jetzt auch schon nach oben attackieren. Die Mannschaft hat das Potenzial, um jetzt schon in die Zweite Liga aufzusteigen. Ich bin sogar überzeugt davon, dass wir es packen.
Kam für Sie eigentlich nie ein Manager-Posten, wie ihn zum Beispiel Michael Zorc in Dortmund ausführt, in Frage?
Nein, das war ehrlich gesagt nie meine große Stärke. Ich hatte immer das Ziel, nach dem Karriere-Ende als Trainer anzufangen.
Wohin geht Ihr Weg?

Selbstverständlich möchte ich mich irgendwann im Profi-Bereich etablieren, aber jetzt konzentriere ich mich erst Mal auf die Herausforderung in Ingolstadt.

Schluss-Frage: Wer wird Deutscher Meister?
Bayern München. Es sei denn, es gibt internes Theater und sie bringen sich selbst um den Lohn ihrer Arbeit. Von der Kader-Stärke führt eigentlich kein Weg an ihnen vorbei. Auch, wenn sie vorne leer ausgegangen sind, standen sie immer gut und haben wenig Tore zugelassen. Das war bei der Konkurrenz nicht so.

Autor: Thomas Tartemann

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