In jedem Bundesliga-Stadion sind bei einem Spiel mindestens acht Kameras im Einsatz, um für den Zuschauer auch jedes Tor und jede Szene optimal einzufangen. Auch A-Kreisligist Anadolu Spor Wesel wird in Zukunft die Partien seiner 1. Mannschaft von zwei Videokameras „überwachen“ lassen. Der Grund: In der Partie beim SV Spellen flogen gleich fünf Weseler Amateure (dreimal Rot und zweimal Gelb-Rot) vom Platz. Dem Schiedsrichter blieb keine andere Wahl als das Spiel abzubrechen. Der Klub fühlt sich unfair behandelt, die Verantwortlichen sind aufgebracht wie selten zuvor und wollen

Wesel: Anadoluspor sammelt Beweise per Videoüberwachung

„Big Brother“ in der Kreisliga

Thomas Ziehn
08. Oktober 2006, 14:07 Uhr

In jedem Bundesliga-Stadion sind bei einem Spiel mindestens acht Kameras im Einsatz, um für den Zuschauer auch jedes Tor und jede Szene optimal einzufangen. Auch A-Kreisligist Anadolu Spor Wesel wird in Zukunft die Partien seiner 1. Mannschaft von zwei Videokameras „überwachen“ lassen. Der Grund: In der Partie beim SV Spellen flogen gleich fünf Weseler Amateure (dreimal Rot und zweimal Gelb-Rot) vom Platz. Dem Schiedsrichter blieb keine andere Wahl als das Spiel abzubrechen. Der Klub fühlt sich unfair behandelt, die Verantwortlichen sind aufgebracht wie selten zuvor und wollen "etwas in der Hand" haben, sollte es noch einmal zu solchen Vorfällen kommen. Wie das Duell gewertet wird, muss nun die Kreisspruchkammer entscheiden. Revierkick.de fragte bei Manfred Ridderskamp, dem ersten Vorsitzenden des SV Spellen und Özcan Demir, Trainer von Anadolu Spor Wesel, nach: [i]Was war da los?[/i]

Özcan Demir (Trainer Anadolu Spor): „Es war nicht das erste Mal, dass wir unfair behandelt wurden. Das vermeintliche 1:0 war definitiv kein Tor. Der Schiedsrichter stand 30 Meter vom Ball weg und konnte die Situation gar nicht genau beurteilen. Meine Spieler waren sauer und es sind einige härtere Worte gefallen, die zu den Platzverweisen geführte haben. Gegen die Platzverweise sage ich auch nichts. Aber das alles hat einen Grund: Dieser Schiedsrichter hat uns in drei von vier Auswärtsspielen gepfiffen. Wir haben alle drei Spiele verloren und sieben Rote Karten bekommen. Das kann langsam kein Zufall mehr sein.

Wir kommen mit diesem Mann einfach nicht zurecht. Das habe ich dem Fußballkreis auch schon gesagt und trotzdem pfeift er uns immer wieder. Deshalb stelle ich ab sofort bei jedem Spiel zwei Kameras an den Spielfeldrand. Diese sollen konsequent alles filmen, was sich ereignet. Als Beweismittel vor der Kreisspruchkammer werden die Aufnahmen wohl eher nicht durchgehen. Aber ich möchte etwas in der Hand haben, falls wir noch einmal, egal von welchem Unparteiischen, so benachteiligt werden. Dann werde ich mich an die Presse wenden, und den Fall bundesweit publik machen. Ich finde es nicht mehr normal und unfair, wie wir teilweise verpfiffen werden. Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft und kann das beurteilen. Eigentlich kritisiere ich Schiedsrichter nicht. Aber irgendwann ist bei mir eine Grenze erreicht. Sogar an Rücktritt habe ich schon gedacht. Man opfert unter der Woche soviel Zeit und innerhalb von einer Minute macht ein Mann durch eine Fehlentscheidung und drei Roter Karten die Arbeit einer ganzen Woche zunichte. Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich die Mannschaft aber nicht im Stich lassen.“

Manfred Ridderslamp (1. Vorsitzender des SV Spellen): „Der Schiedsrichter hat nichts falsch gemacht. Auslöser der ganzen Sache war das 1:0 für den SVS. Ich konnte von meiner Position sehen, dass der Ball klar hinter der Torlinie war. Allerdings hatte er so viel Effet, dass er das Netz nicht berührte. Die Spieler von Anadolu wollten den Treffer nicht wahr haben und bedrängten den Schiedsrichter. Dieser berichtete mir nach der Partie sogar von Tritten der Spieler von Anadolu. Innerhalb von einer Minute flogen dann drei Weseler Spieler mit „Rot“ vom Platz. Bis dahin war es ein stinknormales Kreisliga-Spiel, aber das hatte mit fairem Sport nichts mehr zu tun. Später gab es dann einen Freistoß für uns. Der Schiedsrichter ermahnte einen Spieler von Anadolu, der sich nur einen Meter vor dem Ball aufbaute, sich weiter vom Ball weg zu bewegen. Auch nach mehrmaliger Ermahnung tat er das nicht. Die Folge: Gelb-Rot. Ein anderer Spieler machte daraufhin genau dasselbe. Auch er stellte sich dicht vor den Ball. Und auch er bekam Gelb-Rot. Da Anadolu nur noch zu sechst war, wurde das Spiel abgebrochen. Dem Schiedsrichter ist kein Vorwurf zu machen. Er hat sich absolut korrekt verhalten. Auch zwei Kameras am Spielfeldrand hätten keinen anderen Schluss zugelassen.“

Autor: Thomas Ziehn

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