Vor dem Champions-League-Spiel der Bayern gegen Eindhoven gibt es die erste Unruhe beim Rekordmeister. Dabei ist nichts passiert - eigentlich. Ein Kommentar.

Kommentar

Arme reiche Bayern

Ulrich Homann
19. Oktober 2016, 12:33 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Vor dem Champions-League-Spiel der Bayern gegen Eindhoven gibt es die erste Unruhe beim Rekordmeister. Dabei ist nichts passiert - eigentlich. Ein Kommentar.

Beim Schreiben dieser Zeilen steht noch nicht fest, ob Bayern München zum vierten Mal hintereinander nicht gewonnen hat. Vermutlich wird das nicht so sein und stattdessen ist an anderer Stelle davon zu lesen, wie mühelos sich der große Klub aus seiner ersten kleinen Krise seit Jahren befreit hat.

Immerhin haben zwei Remis in der Liga und eine 0:1-Niederlage beim Champions-League-Finalisten Atletico Madrid auch schon gereicht, um Einblicke in das Selbstverständnis des Vereins und seiner Fans zu liefern, die einen frösteln lassen. Und die Medien sind in dieser Aufstellung nur weggelassen, weil sie ja eigentlich zu den Fans zu zählen sind.

Den Höhepunkt der öffentlichen Abstrafung wegen der Ungeheuerlichkeit, mal nicht wie selbstverständlich jedes Spiel zu gewinnen, dürfte Raimund Hinko geliefert haben, der seit Jahrzehnten die Münchner begleitet und seine BILD-Kolumne folglich gleich „Meine Bayern“ nennt. Dort zieht er seinen Lieblingen nach dem 2:2 in Frankfurt mal richtig die Lederhosen aus. Mit pseudo-fachlichen Argumenten („Alaba kann jetzt nicht mal mehr einen Einwurf“) wird nur unzureichend die Wut darüber verborgen, dass sich ein Gegner erdreistet hat, mal nicht die bloße Opferrolle einzunehmen. Auch die Art und Weise, in der Kalle Rummenigge nach einer ersten kleinen Minus-Serie gleich auf seine Profis losging, lässt erahnen, welcher Erfolgsdruck an der Säbener Straße herrscht. Dem müssen die Spieler auch erst einmal standhalten, und so gesehen sind die Ergebnisse auf dem Platz in den letzten Jahren noch höher zu bewerten.

Der Klub aber ist, gemessen an seiner Unfähigkeit, mit Misserfolgen umzugehen, nur noch niedriger zu betrachten. Sie glauben fest daran, alles kaufen zu können. Sie lassen sich von durchgedrehten DAX-Vorständen, bei denen die Aktionäre deswegen auf die Barrikaden gehen müssten, einen Kader finanzieren, gegen den die nationale Konkurrenz seit Jahren auf die Saison gesehen komplett chancenlos ist. Und die von den Bayern nur als lästiges Pflichtprogramm angesehen wird. Und dann klappt es zwei Mal nicht mit den schon eingeplanten Siegen und im Bajuwarenlager drehen gleich alle durch als drohte der Abstiegskampf. Arme reiche Bayern!

Autor: Ulrich Homann

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren