Fußball ist keine Wissenschaft - auch wenn das mittlerweile einige abstreiten. Allerdings ist die Mathematik eindeutig ein wissenschaftliches Gebiet! Das weiß Patrick Deuß ganz genau. Der Keeper der SSVg Velbert studierte in Wuppertal (Bergische Universität) Wirtschaftsmathematik, befindet sich aktuell in der Promotions-Spur, der Doktortitel steht an.

SSVG Velbert: Aufstieg auch für "Dr. Deuß" unberechenbar

Gleichung mit vier Unbekannten

Oliver Gerulat
17. Juli 2007, 08:42 Uhr

Fußball ist keine Wissenschaft - auch wenn das mittlerweile einige abstreiten. Allerdings ist die Mathematik eindeutig ein wissenschaftliches Gebiet! Das weiß Patrick Deuß ganz genau. Der Keeper der SSVg Velbert studierte in Wuppertal (Bergische Universität) Wirtschaftsmathematik, befindet sich aktuell in der Promotions-Spur, der Doktortitel steht an.

So viele Beispiel gibt es in dieser Hinsicht nicht. "Das stimmt schon", schmunzelt der gebürtige Remscheider, "als ich bei Fortuna Düsseldorf in den Profibereich rutschte, lief das immer nebenher." Die Professionalität des Hobbys war "eine schöne Erfahrung", erklärt Deuß völlig entspannt, "aber was ich eigentlich immer machen wollte, war, mein Studium als Priorität zu verfolgen."

Als Dr. der Wirtschaftsmathematik wird das Jobziel dann wohl "eine Bank sein", wie der 27-Jährige prognostiziert. Alles auch durch die Themen der Promotion tendenziell bestimmt: Stichwort Optionen. Deuß: "Banktechnische Dinge, das interessiert mich sehr. Sonst würde ich das auch nicht machen."

Letztendlich ist das mittlerweile eine Forschertätigkeit. "Es wird eine Arbeit fabriziert, die neue Erkenntnisse vorstellt." Vorarbeit ist umfangsreiches Einlesen, Vorträge gehören auch dazu. Viel Theorie, so dass die körperliche Beanspruchung während einer Vorbereitungsphase auf eine Saison wohl gar nicht so schlecht ist. Alles dauert zwei bis drei Jahre, bis die Doktorarbeit veröffentlicht wird. Deuß gibt zu: "Es gibt halt viele, die haben dazu nicht unbedingt einen großen Draht."

In der Tat, geschweige denn einen glühenden - ganz anders der 69-fache Regionalligaspieler: "Mir macht das riesigen Spaß." Davon halten ihn auch nicht erstaunte Blicke ab, die er vielleicht manchmal erntet, weil er nicht der Vorurteilsvorstellung eines Mathematikers entspricht: Staubtrockener Typ mit wirrem Haarschopf und erstaunlicher Kleidungszusammenstellung, der mit Mühe geradeaus gehen kann.

Deuß: "Klar, es gibt sicher den einen oder anderen, der ein bisschen voreingenommen ist. Ich habe einen Mittelweg gefunden. Ich komme mit beiden Parteien gut zurecht." Mit den Kollegen der Zahlen-Zunft und den Mitspielern, die auch schon einmal gerne Fünfe gerade sein lassen. Sein energisches Fazit: "Aber es ist ja nicht so, dass alle Mathematiker komplett neben dem Leben stehen würden. Auch wenn es vielleicht Beispiele geben mag, bei denen man sich fragt, wie die sicher durch das Leben kommen." Allerdings tauchen diese Fälle auch in anderen Berufsfeldern auf. Es gibt da ein paar Trainer...

Der Aufstieg in die Regionalliga soll beim Verein keine Gleichung mit vier oder mehr Unbekannten sein, auch wenn Deuß so was in der Art bestimmt lösen kann. "Das Ziel Aufstieg wurde ausgegeben, wir wollen unter die ersten vier Teams." Seine Einschätzung: "Vielleicht haben wir nicht ganz so aufgerüstet wie Bonn oder Kleve, die teilweise unter Profibedingungen arbeiten. Wir wollen den Teamgeist dagegen halten." Und mit Qualität, Deuß oder Florian Thorwart sind SSVg-Namen, die in der Oberliga beeindrucken.

Der 1,85 Meter-Mann überlegt: "Wenn es so läuft wie in den letzten Jahren, in denen Velbert immer unter die ersten vier Clubs kam, sollte das klappen." Was zu beweisen wäre - lautet ein Stehsatz aus der Mathematik. Deuß: "Es wird eine harte Saison."

Vor allen Dingen wird es für einige Anwärter wirtschaftlich ein Marathon. "Ich habe es einmal beim FC Remscheid erlebt, der in der Regionalliga sehr hohe Gehälter zahlte, allerdings nur drei Monate lange, dann pleite ging." Es gilt abzuwarten, ob es wieder so einen Pappenheimer gibt. "Die Club müssen entscheiden, wieviel Geld sie für den Anreiz Regionalliga ausgeben wollen."

Coach Dietmar Grabotin ist bekannt dafür, physisch viel zu fordern, auch von den Keepern. Deuß: "Natürlich, ganz normal. Auch wir benötigen eine Grundfitness für 90 Minuten. Das geht nicht unbedingt um die sportartspezifische Sache, sondern es ist wichtig, um sich über die komplette Spieldauer voll zu konzentrieren." Die große Unbekannte - wie die zwei Parallelen, die sich im Unendlichen schneiden - ist die Amateurfraktion: "Der Vorteil ist, diese Clubs haben keinen Finanzdruck, dafür haben sie die ungeheure sportliche Spannung, wieder hoch zu müssen. Das sind alles Youngster, ich weiß nicht, ob die alle dem schon standhalten." Das ist auch mehr Psychologie, eher unberechenbar.

Autor: Oliver Gerulat

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