Manchmal muss sich Moses Lamidi kneifen, um sich zu vergewissern, dass das auch wirklich alles wahr ist, was da in den letzten Tagen auf ihn eingebrochen ist. Gegen Eintracht Frankfurt feierte der Mönchengladbacher sein Bundesliga-Debüt, direkt danach ging es auf Schalke weiter – jeweils in der Startelf, vor über 50.000 Zuschauern. Nicht schlecht für einen, der bis vor einem Monat noch jeden Sonntag vor 50 Rentnern in der U19 der Borussia gekickt hat.

GLADBACH: Lamidi genießt den Bundesliga-Augenblick

Einer von denen

11. April 2007, 21:45 Uhr

Manchmal muss sich Moses Lamidi kneifen, um sich zu vergewissern, dass das auch wirklich alles wahr ist, was da in den letzten Tagen auf ihn eingebrochen ist. Gegen Eintracht Frankfurt feierte der Mönchengladbacher sein Bundesliga-Debüt, direkt danach ging es auf Schalke weiter – jeweils in der Startelf, vor über 50.000 Zuschauern. Nicht schlecht für einen, der bis vor einem Monat noch jeden Sonntag vor 50 Rentnern in der U19 der Borussia gekickt hat.

"Es ist ein tolles Gefühl, auch wenn ich das noch gar nicht so richtig realisieren kann", berichtet der Angreifer.

Vor vier Wochen beorderte ihn Chef-Trainer Jos Luhukay ins Training der Bundesliga-Mannschaft, als Ersatz für den verletzten Oliver Neuville. "Ich war froh, überhaupt dabei zu sein. Dass ich so schnell auch im Spiel eine Chance bekommen würde, damit hätte ich nicht gerechnet", gibt der 19-Jährige zu. Und fügt an: "Das ist schon ein Unterschied, das Spieltempo ist viel höher als in der Jugend."

Davon berichtet er auch seinen alten Kumpels aus der U19 gerne, schaut regelmäßig abends nach dem Training in der Kabine vorbei. "Wenn Moses den Jungs von seinen Erlebnissen erzählt, hat er immer ein Lächeln im Gesicht. Für die anderen ist das eine unheimliche Motivation", erklärt U19-Coach Uli Sude.
Die Rückkehr in die Nachwuchs-Truppe ist faktisch zwar undenkbar, rein räumlich aber leicht machbar. Der Youngster, der im nigerianischen Lagos geboren wurde und mit einem Jahr nach Deutschland gezogen ist, wohnt seit acht Monaten wieder im Jugend-Internat, direkt am Trainingsgelände der Borussen-Teams. Zwischenzeitlich trieb ihn das Heimweh zurück zu den Eltern Stella und Debo nach Aachen, mittlerweile ist er aber froh über die Nähe zum Arbeitsplatz. "Von meinem Zimmer aus kann ich die Einheiten der Profis beobachten", bemerkt der Stürmer, um dann grinsend anzufügen: "Im Augenblick bin ich ja selbst einer von denen."

Die Bodenhaftung hat er trotzdem nicht verloren, betont: "In meinem Leben hat sich nichts geändert, seit ich oben dabei bin. Und wenn die U19 mich brauchen sollte, spiele ich auch dort gerne." Vorerst steht aber die "Mission Klassenerhalt" an, schon am morgigen Freitag (20.30 Uhr) geht es im Borussia-Park gegen den Hamburger SV weiter. Auch dort hat Lamidi mit seiner Unbefangenheit eine Einsatz-Chance.

Wenn er die weiter nutzt, dürfte er auch bald ein Thema für die Jugend-Nationalmannschaft werden. Die Frage ist nur, welche? Schließlich könnte Lamidi sowohl für Deutschland als auch für Nigeria auflaufen. "Ich würde für beide gerne spielen, aber bislang hat sich noch niemand gemeldet", zuckt das Talent mit den Schultern. Dabei müsste doch der "kurze Dienstweg" möglich sein, schließlich ist mit Berti Vogts ein Gladbacher Urgestein als Trainer der "Super Eagles" tätig. Darüber macht sich Lamidi freilich keine Gedanken. Er genießt lieber den Moment, der Rest ist Zukunfts-Musik. Ebenso wie ein Duell mit seinem kleinen Bruder Kevin, der bei Alemannia Aachen kickt: "Er ist zehn Jahre alt, spielt im Mittelfeld. Vielleicht treffen wir uns irgendwann mal in der Bundesliga."

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