Stimmungswechsel an der Castroper Straße. Gut eine Woche ist es her, da maulten die Rentner durch den Zaun und es regnete in Strömen. Ganz anders das Bild in den letzten Tagen. Aufmunternde Zurufe für die Spieler bei strahlendem Sonnenschein begleiteten die Übungseinheiten der VfL-Profis. Doch Marcel Koller ließ sich von der

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Koller: "Messer am Hals"

15. März 2007, 22:36 Uhr

Stimmungswechsel an der Castroper Straße. Gut eine Woche ist es her, da maulten die Rentner durch den Zaun und es regnete in Strömen. Ganz anders das Bild in den letzten Tagen. Aufmunternde Zurufe für die Spieler bei strahlendem Sonnenschein begleiteten die Übungseinheiten der VfL-Profis. Doch Marcel Koller ließ sich von der "Friede, Freude, Eierkuchen"-Stimmung nicht einlullen. "Ein Blick auf die Tabelle verrät: Wir haben das Messer immer noch am Hals." Und deshalb führt er aus: "Ich will keine Nachlässigkeiten, keine Selbstzufriedenheit. Das wäre in unserer Situation fatal."

Seine Spieler scheinen ihn zu verstehen. Denn die Intensität der Übungsstunden unterscheidet sich nicht von der in der vergangenen Woche. Koller: "Ich habe 26 Profis, und jeder einzelne trägt zum Gesamterfolg bei." Als Beispiel hatte der Coach Dennis Grote parat, der zwischenzeitlich von der Tribüne zu den Amateuren und zurück pendelte und der dann in der letzten Woche im Training konsequent seine Chance nutzte.

Koller: "Auch in dieser Woche schaue ich genau hin." Schließlich steht der Trainer vor der Auswärtshürde Wolfsburg vor einer schweren Entscheidung. Lässt er die Mannschaft ebenso offensiv ausgerichtet auflaufen wie im Derby? Oder wird in der VW-Arena wieder etwas defensiver operiert? Ein Geheimnis, das der Schweizer derzeit noch hütet. Koller: "Bei meinem Entschluss muss ich mehrere Faktoren berücksichtigen. Erstens ist es nicht unwichtig, wie Wolfsburg aufläuft. Zweitens, was mir die Jungs im Training zeigen. Und dann entwickelt man als Trainer auch noch ein Gefühl für das Machbare."

Fakt ist, will Koller in Wolfsburg mit fünf Offensiven auflaufen, bedarf es eines weitaus höheren läuferischen Aufwandes der "Abteilung Attacke" als bei einem anderen System. Koller: "Das geht nur, wenn die Mischung aus Defensive und Offensive stimmt." Und dabei kommt der Übungsleiter fast zwangsläufig auf "Zwetschge" Misimovic: "Er spielt dabei eine wichtige Rolle, wenn er bereit ist, so zu arbeiten wie gegen Dortmund. Dann können wir das auch in Wolfsburg so spielen. Aber er muss wirklich ebenso konsequent weiter machen wie am letzten Samstag."

Das Gute derzeit: Koller hat im Spielerkader weder mit Verletzungen noch Erkrankungen zu kämpfen. Lediglich Tommy Bechmann hatte zu Wochenbeginn Probleme mit den Adduktoren, will aber heute wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Natürlich hat sich Marcel Koller auch mit der Aufstellung der Gastgeber auseinander gesetzt, bei denen Santana in Stuttgart nach langer Verletzungspause bester Akteur war, sich aber gleich wieder verletzte. Unklar ist auch, ob Mike Hanke wieder stürmen kann. Und der unberechenbare Marcelinho spielt in den Planspielen des VfL-Coaches eine große Rolle:

"Am besten wäre, wir würden ihn mit Handschellen an die Trainerbank ketten. Aber weil das nicht geht, müssen sich meine Spieler die Aufgabe teilen." Koller setzte in diesem erneuten "Nervenspiel" auf die Entschlossenheit seiner Mannschaft: "Wir müssen den Gegner mit unseren eigenen Fähigkeiten zermürben. Dann ist auch in Wolfsburg ein Sieg möglich."

Gelingt es dem VfL zum ersten Mal in dieser Spielzeit, zwei Spiele in Folge zu gewinnen, würde sich die Chance auf den Klassenerhalt sprunghaft erhöhen. Koller: "Was ich in den letzten beiden Trainingstagen gesehen habe, ist eine sehr konzentrierte Mannschaft, der bewusst ist, dass sie dies auch mit ins Spiel nach Wolfsburg nehmen muss. Das macht mir Mut.

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