Abschied vom aktiven Radsport, aber jede Menge offene Fragen zum anhaltenden Doping-Verdacht: In einem 43-minütigen Monolog hat sich Jan Ullrich erstmals seit seiner Suspendierung vor dem Tourstart 2006 öffentlich geäußert und am Montag um 11.24 Uhr das Ende seiner Profikarriere verkündet. Mit einer kargen Unschuldsbeteuerung, der Ankündigung einer künftigen Berater-Tätigkeit für das zweitklassige österreichische Volksbank-Team und einer bitteren Abrechnung mit seinen Kritikern zog der einzige deutsche Toursieger einen Schlussstrich unter seine zwölfjährige Profilaufbahn.

Jan Ullrich tritt zurück

Er bestritt weiter jeden Sportbetrug

26. Februar 2007, 12:53 Uhr

Abschied vom aktiven Radsport, aber jede Menge offene Fragen zum anhaltenden Doping-Verdacht: In einem 43-minütigen Monolog hat sich Jan Ullrich erstmals seit seiner Suspendierung vor dem Tourstart 2006 öffentlich geäußert und am Montag um 11.24 Uhr das Ende seiner Profikarriere verkündet. Mit einer kargen Unschuldsbeteuerung, der Ankündigung einer künftigen Berater-Tätigkeit für das zweitklassige österreichische Volksbank-Team und einer bitteren Abrechnung mit seinen Kritikern zog der einzige deutsche Toursieger einen Schlussstrich unter seine zwölfjährige Profilaufbahn.

Ohne jedoch konkret zu den seit Mai schwelenden Doping-Vorwürfen Stellung zu nehmen. `Ich könnte sofort eine Fahrer-Lizenz bekommen, habe insgesamt sieben Angebote von Teams, darunter auch ProTour-Mannschaften, und habe mich in den letzten Monaten absolut fit gehalten. Aber ich habe mich nach langer Überlegung entschlossen, meine aktive Karriere zu beenden´, erklärte der 33-Jährige, ohne anschließend Fragen zuzulassen.

Ullrich habe erneut die Gelegenheit verpasst, zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach und nannte dies `bedauerlich, fast tragisch´. Die frühere BDR-Chefin Sylvia Schenk erklärte: `Ich glaube Ullrich nicht. Anstatt die Scherben zusammenzukehren, hat er völlig zugemacht.´ Vor laufenden Kameras (Live-Übertragung N24) und rund hundert Medienvertretern hatte der Wahl-Schweizer das seit einer Woche angekündigte `Geheimnis´ seiner zukünftigen Tätigkeit gelüftet: `Ich bleibe dem Radsport erhalten und werde als Berater, Werbeträger und Repräsentant für das Volksbank-Team aktiv werden. Dieser Rennstall hätte mich im Übrigen auch als Fahrer genommen.´

Im modischen Anzug, schlanker als so manches Jahr zuvor zur gleichen Zeit und demonstrativ gelassen erschien der frühere T-Mobile-Star um 10.57 Uhr in einem Konferenzsaal des Hamburger Hotels (Interconti). Während hinter ihm sechs Siegertrikots als Symbole seiner größten Erfolge prangten, verwies der gebürtige Rostocker auf seine Verdienste für den deutschen Radsport und prangerte zugleich die `schwarzen Schafe´ der Szene in Medien, Verbänden und zum Teil auch Ex-Kollegenschaft an. `Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe nie jemanden betrogen oder geschädigt´, sagte der Olympiasieger von Sydney 2000 unter den Augen seiner Familie, langjähriger Wegbegleiter und zukünftiger Partner.

Ullrich schilderte seine Gefühlslage am 30. Juni vergangenen Jahres, als er von seinem T-Mobile Team aus dem Tourkader gestrichen wurde. `Als ich die Nachricht erhielt, dachte ich, das sei ein böser Traum. In diesem Moment brach meine Sportler-Welt zusammen´, so das einstige `Wunderkind´ des deutschen Radsports: `Das war für mich ein Riesenschock, den ich nach wie vor nicht ganz verkraftet habe.´ Er wisse bis heute nicht, `wie es zu der Suspendierung kommen konnte´, sagte Ullrich, vermied aber jedes Statement zu seiner angeblichen Verbindung zum spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes. In einem Rundumschlag bezichtigte Ullrich (`Ich bin keineswegs verbittert´) seine `Intim-Feinde´ - allen voran BDR-Präsident Rudolf Scharping, den Heidelberger Doping-Experte Werner Franke und die Bielefelder Rechtswissenschaftlerin Britta Bannenberg - kollektiv der Lüge und des Radsport-schädigenden Verhaltens:

`Sie alle haben sich auf meine Kosten profiliert und Lügengeschichten über mich verbreitet.´ Er sei durchaus zur Kooperation bereit, sagte Ullrich und verwies auf die kürzlich abgegebene Speichelprobe für einen möglichen DNA-Abgleich mit den ihm zugeschriebenen Blutkonserven aus dem Fuentes-Labor. Allerdings habe er kein Vertrauen zu den spanischen Behörden: `Da geht es drunter und drüber. Der Bericht, auf den sich alle beziehen, ist illegal weitergegeben worden und zudem mehrmals gefälscht.´ Für seine zukünftige Arbeit kündigte Ullrich 100-prozentiges Engagement an: `So wie ich es auch als Radprofi immer gehalten habe.

` Sein neues Team sei eine aufstrebende junge Mannschaft, bei der es `nicht vorrangig um Geld´ gehe. Neben dieser Aufgabe wolle er sich bei einem Hersteller für Sportfunktionswäsche, einer Firma für Reifendichtungsmittel und der Weiterentwicklung seiner eigenen Rennrad-Kollektion einbringen: `Ich bin aus schwierigen Situationen immer erstarkt herausgegangen, und so wird es auch diesmal sein. Meine Fans müssen sich um mich keine Sorgen machen.´

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