An den Titel zur Halbzeit glaubt kaum noch jemand, doch die erste Meisterschaft seit 49 Jahren hat Schalke 04 immer klarer im Blick.

Schalke siegt ohne Rost, Bordon, Lincoln/Panders grandioses Comeback

11. Dezember 2006, 12:54 Uhr

An den Titel zur Halbzeit glaubt kaum noch jemand, doch die erste Meisterschaft seit 49 Jahren hat Schalke 04 immer klarer im Blick.

An den Titel zur Halbzeit glaubt kaum noch jemand, doch die erste Meisterschaft seit 49 Jahren hat Schalke 04 immer klarer im Blick. `Die Bremer haben weiter alles in der Hand. Ich glaube nicht, dass wir noch Herbstmeister werden können´, sagte Trainer Mirko Slomka nach dem 3:1 (2:0)-Sieg im 128. Revierderby gegen Borussia Dortmund, fügte aber selbstbewusst an: `Wir haben immer davon gesprochen, dass wir bis zum Ende um den Titel mitspielen wollen. Heute haben wir eindrucksvoll gezeigt, dass wir dazu in der Lage sind.´ Dem punktgleichen Tabellenführer Werder Bremen würde der Schalker Coach gerne Platz eins in der Winterpause überlassen, um die Hanseaten dann in der Rückrunde zu überholen. `Bremen ist im Moment sicherlich in bestechender Form´, gab Slomka zu, erinnerte aber an das grandiose 2:0 zu Saisonbeginn gegen Miroslav Klose und Co.:

`Man vergisst jetzt, dass wir Werder schon erhebliche Schwierigkeiten bereitet haben.´ Während die Bremer zum Vorrundenabschluss daheim gegen den VfL Wolfsburg antreten, muss Schalke zur überraschend starken Arminia Bielefeld. `Wir wollen mit 36 Punkten in die Pause gehen und zumindest mit dem Herbstmeister punktgleich sein´, sagte Slomka. Sollte das gelingen, hätten die Königsblauen ihre beste Bundesliga-Hinrunde seit 35 Jahren hingelegt. Im Dezember 1971 waren sie mit umgerechnet 41 Zählern erstmals Herbstmeister geworden. Dass die erste Saisonhälfte nach herben Rückschlägen, internen Problemen und viel Krach im Umfeld doch noch eine Erfolgsgeschichte wurde, hat Schalke nicht den vermeintlich unersetzlichen Leistungsträgern Frank Rost, Marcelo Bordon und Lincoln zu verdanken. Kurioserweise verbuchten die Königsblauen gerade ohne diese zentrale Achse in den vergangenen Wochen einen Sieg nach dem anderen. Seit Slomka Ex-Kapitän Rost für den 20-jährigen Manuel Neuer auf die Ersatzbank verbannte, holte Schalke 17 von 21 möglichen Punkten. Inklusive seiner zwei Einsätze zu Saisonbeginn, als Rost verletzt war, feierte der U20-Nationaltorwart sieben Siege in neun Spielen und ist in seiner kurzen Bundesliga-Karriere noch ohne Niederlage.

Gegen Dortmund bedankte sich Neuer mit einer Klasseleistung sowohl auf der Linie als auch bei der Strafraumbeherrschung erneut für das Vertrauen des Trainers. `Er stabilisiert sich immer mehr´, lobte Slomka. Kapitän Bordon, der vielleicht beste Innenverteidiger der Liga, wurde wiederum nicht vermisst: Zum sechsten Mal fehlte der Brasilianer in dieser Saison, zum sechsten Mal siegte sein Team ohne ihn. Und Spielmacher Lincoln, bei der jüngsten Erfolgsserie nur Zuschauer oder Kurzzeitarbeiter, durfte gegen den BVB lediglich rund zehn Minuten ran. `Es ist unfair, da einen Zusammenhang herzustellen´, meinte Manager Andreas Müller, der die drei Stars weiter als wichtige Bestandteile der Mannschaft sieht. Für den aktuellen Erfolg stehen aber andere: neben Torwart Neuer vor allem Rückkehrer Christian Pander. Der 23-Jährige verkörpert seit seinem Comeback nach 19-monatiger Verletzungspause genau die Leidenschaft, die die Fans zuvor schmerzlich vermissten. Mit seinem Freistoßtor aus 38 Metern (14.) krönte der Linksverteidiger das bislang beste Spiel seiner Karriere, in dem er durch seine scharfen Flanken und gefährlichen Standards den BVB immer wieder in Bedrängnis brachte.

`Ich habe wieder Spaß am Fußball nach der langen Zeit´, begründete Pander sein grandioses Comeback. Weit weniger Freude hatte auf der anderen Seite Christoph Metzelder bei seiner Rückkehr. Vier Monate nach seiner Meniskus-Operation durfte der WM-Held in der letzten halben Stunde wieder mitwirken, musste aber feststellen: `Der Ärger überwiegt. Wir sind insgesamt noch zu brüchig.´ Noch größer war der Ärger bei Trainer Bert van Marwijk, den vor allem das zweite Gegentor durch den völlig unbedrängten Kevin Kuranyi (25.) auf die Palme brachte: `Das war sehr naiv.´ Auch beim 0:3 durch Peter Lövenkrands (47.) attestierte er seiner jungen Abwehr, der Routinier Christian Wörns an allen Ecken und Enden fehlte, zu große Sorglosigkeit. Das 1:3 durch Alexander Frei (82.) besserte van Marwijks Laune nicht mehr.

Durch die Niederlage auf Schalke sind die Chancen des Niederländers auf ein weiteres Revierderby gesunken. `Ich habe eine Absprache mit dem Verein, und ich halte mich an Absprachen´, sagte van Marwijk zwar, der sich erst - wie offiziell vereinbart - zum Saisonende verabschieden will. Doch einen Trainerwechsel in der Winterpause wollte Sportdirektor Michael Zorc nicht ausschließen: `Nach der Hinrunde ziehen wir Bilanz, dann sehen wir weiter.´ Den Wunschkandidaten Thomas von Heesen habe man ja schließlich `noch nicht verpflichtet´. Noch nicht.

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