Nach seiner Kritik an Jürgen Klinsmann gibt es für Christian Wörns keinen Weg zurück in den WM-Kader mehr. Der Bundestrainer will den Verteidiger von Borussia Dortmund künftig nicht mehr nominieren.

Jürgen Klinsmann mustert Christian Wörns aus

jana
24. Februar 2006, 18:56 Uhr

Nach seiner Kritik an Jürgen Klinsmann gibt es für Christian Wörns keinen Weg zurück in den WM-Kader mehr. Der Bundestrainer will den Verteidiger von Borussia Dortmund künftig nicht mehr nominieren.

Für Christian Wörns ist der WM-Zug endgültig abgefahren. Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird den Abwehrspieler zukünftig nicht mehr in die deutsche Nationalmannschaft berufen und damit auch bei der WM auf den 66-maligen Nationalspieler verzichten. Als Grund hierfür wurden in einer offiziellen Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die jüngsten kritischen Äußerungen des Verteidigers von Bundesligist Borussia Dortmund in der Öffentlichkeit nach seiner Nichtberücksichtigung für das Länderspiel Deutschlands gegen Italien am kommenden Mittwoch in Florenz (21.00 live in der ARD) genannt. Mit dem Vorwurf, Klinsmann sei "link und unehrlich", hat sich Wörns somit um seinen großen Traum, der Teilnahme an der WM im eigenen Land, gebracht.

"Können sein Vorgehen nicht akzeptieren"

"Seine kritischen Kommentare sind bei uns auf absolutes Unverständnis gestoßen, und wir können sein Vorgehen nicht akzeptieren. Wir haben Christian immer offen und direkt darüber informiert, dass wir einen Generationswechsel einleiten und bis zur WM jüngeren Spielern eine Chance geben wollen", sagte Klinsmann am Freitagnachmittag zu seinem ehemaligen Teamkameraden in der Nationalmannschaft und ergänzte: "Nachdem er bereits im Oktober 2005 bei einer Aussprache in Hamburg vor dem Länderspiel gegen China von uns mit Nachdruck darauf hingewiesen worden ist, dass er sich nicht negativ zu den personellen Entscheidungen des Trainerstabs und über die Leistungen von Mitspielern äußern soll, hat er sich nun mit seinen Reaktionen die Basis für eine weitere Zusammenarbeit selbst entzogen."

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Wörns: "Ich bin nicht überrascht"

Nachdem Klinsmann den 33 Jahre alten Verteidiger nicht für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien berücksichtigt hatte, übte Wörns in der Bild-Zeitung erneut harsche Kritik am Bundestrainer. Der 66-malige Nationalspieler zeigte sich von dem Rauswurf wenig überrascht und bekräftigte seine Aussagen nochmal. "Ich bin nicht überrascht. Mir war klar, dass Klinsmann die Gelegenheit nutzen würde. Wenn er vor eineinhalb Jahren bei seinem Amtsantritt gleich ehrlich gewesen wäre, hätten wir uns diese Auseinandersetzung erspart. Ich stehe dazu: Die Art und Weise, wie ich von Klinsmann behandelt wurde, ist link und unehrlich", sagte Wörns, der sich am Freitagnachmittag mit dem BVB auf dem Weg nach Bielefeld befand, dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Diesen Vorwurf lässt Klinsmann nicht gelten, er erklärte auch den Umstand, warum er Wörns über die Mailbox von der Nichtberücksichtigung informiert habe: "Dass ich Christian nicht erreichen konnte, ist nicht unser Fehler. Ich konnte ihm nur auf die Mailbox sprechen und hatte ihm angeboten, dass er zurückruft, wenn er noch weitere Informationen von uns erwünscht oder offene Fragen hat. Wir haben uns ihm gegenüber immer korrekt und ehrlich verhalten.

Der Frust von Wörns entlud sich, nachdem sein Vereinskollege Christoph Metzelder und Robert Huth vom FC Chelsea, die in diesem Jahr in ihren Klubs bisher kaum zum Einsatz kamen, von Klinsmann dennoch für das Spiel in Italien berücksichtigt worden waren. "Ich mag Christoph. Fakt ist aber: Ich habe fünf starke Spiele gemacht. Metze saß viereinhalb Spiele auf der Bank", erklärte Wörns.

Für Klinsmann gehörte Wörns "zum engeren Kreis von sechs Innenverteidigern, die um vier WM-Plätze kämpfen. Wir haben uns aber zunächst mal für Christoph Metzelder entschieden, der als Spielerpersönlichkeit eine Abwehr führen kann. Wir wollten nicht mit fünf Innenverteidigern zu einem Länderspiel fahren", hatte Klinsmann bei der Bekanntgabe seines 20-köpfigen Aufgebotes in Frankfurt/Main den Verzicht auf den Routinier erklärt.

Bierhoff bekräftigt Entscheidung

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff bekräftigte die nun getroffene Entscheidung: "Diese Entscheidung war notwendig. Bei allem Verständnis für die Interessen eines Vereins, seines Trainers und eines Spielers, haben wir kein Verständnis dafür, dass unsere Entscheidung von BVB-Seite so negativ kommentiert wurde. Wir beschweren uns auch nicht darüber, wenn bei einem Klub deutsche Spieler nicht eingesetzt werden."

Wörns hat seit dem Amtsantritt von Klinsmann im Juli 2004 sieben Länderspiele bestritten. Zuletzt trug er beim 0:2 in der Slowakei am 3. September 2005 das DFB-Trikot. Schon beim Konföderationen-Pokal im vergangenen Sommer hatte der Bundestrainer, der mit Wörns beim Viertelfinal-Aus der deutschen Mannschaft bei der WM 1998 in Frankreich gegen Kroatien noch gemeinsam auf dem Platz stand, auf den erfahrenen Abwehrspieler verzichtet.

Autor: jana

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