Der FC Schalke 04 muss das Parkstadion auf eigene Kosten abreißen, bereitet sich auf die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vor und will, wie die Verpflichtungen des Bremer „Doppelpacks“ Mladen Krstajic und Ailton beweist, wieder vermehrt in die Mannschaft investieren.

SCHALKE 04 - Rudi Assauer über Fragen des Anstands

js
10. Oktober 2003, 12:27 Uhr

Der FC Schalke 04 muss das Parkstadion auf eigene Kosten abreißen, bereitet sich auf die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vor und will, wie die Verpflichtungen des Bremer „Doppelpacks“ Mladen Krstajic und Ailton beweist, wieder vermehrt in die Mannschaft investieren.

Der FC Schalke 04 muss das Parkstadion auf eigene Kosten abreißen, bereitet sich auf die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vor und will, wie die Verpflichtungen des Bremer „Doppelpacks“ Mladen Krstajic und Ailton beweist, wieder vermehrt in die Mannschaft investieren. RevierSport-Mitarbeiter Jörg Strohschein sprach mit S04-Manager Rudi Assauer über die anstehenden wirtschaftlichen und sportlichen Aufgaben, den schlechten Saisonstart, das große Verletzungspech und auch über Fragen des Anstands.

Rudi Assauer, nach langer Durststrecke endlich wieder ein Sieg. Vor allem aber eine ansprechende Leistung der Mannschaft in Hannover. Ist die Talsohle durchschritten?
Hannover hat nicht schlecht gespielt und in der Liga und überraschende Ergebnisse erzielt. Unsere Mannschaft hat sehr guten Fußball gespielt und den Gegner beherrscht. Aber wir haben zu viele Drei gegen Eins-Situationen zu leicht verspielt. Da rennt zum Beispiel der Alcides in einer Szene ins Abseits, geht auch noch mit dem falschen Fuß hin und haut den Ball über die Latte. Da bin ich fast verrückt geworden (lacht). Aber das ist die Jugend, das wird sich noch ändern.

Das Team hat zuletzt ziemlich viel Kritik einstecken müssen. Sind die Ansprüche an die Mannschaft vielleicht zu hoch gesteckt nach den Abgängen von Andreas Möller oder Marc Wilmots?
Nein, denn Andy oder auch Marc haben am Ende gar nicht mehr gespielt, das kann man nicht anführen. Die vielen Verletzten haben es verhindert, dass wir unser Potenzial ausnutzen.

Jupp Heynckes hat in der letzten Woche öffentlich beklagt, man habe ihm bei Amtsantritt in der Stürmerfrage nicht richtig informiert. Verstehen Sie das?
Natürlich hatten wir vor Saisonbeginn mit den vier Stürmern keine Probleme. Da haben wir gesagt, wir brauchen nichts. Emile Mpenza, Ebbe Sand, Victor Agali und auch Mike Hanke waren alle fit. Dann bricht dir einer nach dem anderen weg. Mpenza schmeißt du raus, weil es nicht anders ging, die anderen haben sich verletzt. Jupp Heynckes kannte ja den Kader. Was blöd ist, dass jetzt keine Alternative mehr da ist. Ich bin aber auch kein Hellseher.

Zu Saisonbeginn sprachen sie von einem Platz im internationalen Geschäft. Zuletzt war von einem Umbruch die Rede, trotzdem haben Sie das Saisonziel nicht geändert. Ist das kein Widerspruch?
Das ist überhaupt kein Widerspruch. Wenn der Kader wieder vollständig da ist und die Mannschaft regelmäßig in der gleichen Formation spielt, dann kann ich sagen, ob wir es dieses Jahr noch schaffen werden. Jetzt weiß man aber noch nicht, wie weit man dann hinten dran hängt. Leute wie Nils Oude Kamphuis oder Jörg Böhme kann man nicht Eins zu Eins ersetzen. Jörg hat immer überraschende Dinger drin, das hast du im Moment einfach nicht.

In der letzten Saison hörte man von atmosphärischen Störungen innerhalb des Teams gehört. Stimmt die Harmonie wieder?
Die Truppe will immer. Es sind alles gute Charaktere. Du bräuchtest vielleicht mal den einen oder anderen Schweinehund mehr in der Mannschaft. Es sind vielleicht zu sehr Schwiegersöhne. Denen kannst du aber keinen Vorwurf machen, weil sie alles tun.

Sind Sie mit der bisherigen Arbeit von Jupp Heynckes zufrieden?
Er ist ein hervorragender Trainer. Was er macht und wie er mit den Spielern umgeht, ist in Ordnung. Besser kann sich ein Trainer nicht gegenüber einer Mannschaft verhalten. Die Ergebnisse stimmen im Moment nicht. Aber wir beide haben immer gesagt, man muss Geduld haben. Wir haben nie mit einer Stamm-Formation gespielt.

Auch Sie haben einen Fehler der Vergangenheit eingestanden, indem Sie gesagt haben, zu wenig Geld in Beine und zuviel in Steine investiert zu haben. Hat sich Schalke mit der Arena übernommen?
Die Arena ist ein Selbstgänger. Aber, wer reißt das Parkstadion ab? Die Stadt kann es nicht. Also muss es Schalke 04 machen. Wenn wir alles fertig haben, müssen wir mit Sicherheit noch mal 20 bis 25 Millionen Euro in die Hand nehmen. Dafür kannst du dir sechs Kracher holen. Oder wir lassen es verfallen. 2006 haben wir die WM hier und dann sieht es aus wie auf einer Schutthalde.

Könnte das Beispiel Stuttgart, eine junge, hungrige Mannschaft entstehen zu lassen, auch AufSchalke so funktionieren?
Michael Delura, Christian Pander oder Mike Hanke haben das Zeug dazu, gute Stammspieler in der Bundesliga zu werden. Die brauchen ihre Zeit. Solche Leute hattest du vorher nicht. Das hängt mit den Jahrgängen zusammen. Das liegt nicht an der Förderung. Es gibt Jahrgänge, da ist einfach kein Überragender dabei. Christian Pander zum Beispiel ist einer, der auf Sicht auf der linken Außenbahn in der Viererkette spielen wird.

Was trauen Sie Michael Delura zu?
So einen Riesen hatten wir lange nicht. Man muss nur behutsam mit ihm umgehen und hoffen, dass nicht irgendwoher falsche Berater kommen und ihn verrückt machen.

Sie hatten bereits mehrfach angekündigt, sich von undisziplinierten Spielern trennen zu wollen. Bis auf Emile Mpenza sind aber noch alle da. Haben Sie ein zu gutes Herz?
Das ist keine Frage des Herzens sondern des Vertrages. Das kostet Geld. Das Trainingsgelände hat auch Geld gekostet. Da muss man dann mal auf die Zähne beißen. Wir sind noch nicht soweit, dass wir alles aus der Portokasse zahlen können. Aber es wird einen nicht unerheblichen Schnitt geben.

Die Fans haben auch Sie zuletzt in die Kritik genommen. In Hannover haben Sie am Zaun mit pöbelnden Anhängern diskutiert. Wie sehr berührt Sie so etwas persönlich?
Das geht mir nicht nahe, das ist eine Frage des Anstands, wenn mich ein kleiner Junge beleidigt. Mit dem wollte ich reden. Das kann nicht sein, weil ich ihm nichts getan habe. Wenn Leute Autogramme haben wollen und sagen nicht „Bitte“, dann bekommen sie keins. Das gehört sich einfach nicht.

Werden Sie im Winter noch einmal auf dem Transfermarkt tätig?
Ja, könnte sein. Wir werden schauen, dass wir zum Winter noch das ein oder andere machen können. Der Markt hat sich wieder nach unten auf ein normales Maß entwickelt, damit kann man leben. Auch wenn der eine oder andere Spieler und Verein vielleicht spinnt. Jetzt müssen wir eine Mischung finden aus gestandenen und jungen Spielern. Wir werden mit Sicherheit was machen.

Autor: js

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