Juhu, in fünf Jahren spielen wir wieder in der 2. Bundesliga. Sagt zumindest Strunz. Der neue RWE-Sportdirektor verbreitet in seinen ersten Tagen Optimismus für eine bessere rot-weisse Zukunft. Also Aufbruchstimmung trotz Untergangsstimmung wegen des Abstiegs?

Seit wir zwei uns gefunden: Der RWE-Fanblog

Aufbruch statt Untergang?

24. April 2008, 10:34 Uhr

Juhu, in fünf Jahren spielen wir wieder in der 2. Bundesliga. Sagt zumindest Strunz. Der neue RWE-Sportdirektor verbreitet in seinen ersten Tagen Optimismus für eine bessere rot-weisse Zukunft. Also Aufbruchstimmung trotz Untergangsstimmung wegen des Abstiegs?

Der Abstieg in die vierte Liga ist zwar rechnerisch noch zu verhindern, wahrscheinlich ist ein erfolgreicher Saisonabschluss jedoch nicht. Nach der letzten viertklassigen Spielzeit 1998 ist nun eine Dekade vergangen, der Kreis schließt sich. Das (ehemals) große Rot-Weiss Essen in Liga vier, umso trauriger, wenn man bedenkt, dass man vor zwölf Monaten noch Zweitliga-Fußball an der Hafenstraße sehen konnte, sehen durfte. Doppelabsteiger 2008, ein Titel, den man sich wohl kaum neben den stolz verkündeten Triumphen in den 50er Jahren auf den Vereinsbriefkopf drucken wird.
[infobox-left]Erst fern von seiner Essener Heimat entdeckt Hendrik Gerstung die Leidenschaft für den Klub aus seiner Geburtsstadt. Denn wer wissen will, was „Fan sein“ wirklich bedeutet, der landet irgendwann an der Hafenstraße: Nirgends sonst erlebt man die Gefühlsverbindung Verehrung und Verzweiflung so intensiv – „Oh RWE“. Im RWE-Fanblog gibt Hendrik den rot-weissen Anhängern nun eine Stimme.[/infobox]
Bei den Fans herrscht noch Trauer vor, die sich mit Blick auf die Gegner in der kommenden Saison nicht gerade lindert. Vom Selbstverständnis der Anhängerschaft gehört dieser Klub da einfach nicht hin. „Wir sind nicht Kleinkackenfenne“, betonte Hempelmann vor ein paar Jahren. Bald aber spielen wir mit denen in einer Liga. Die Pessimisten von früher dürfen sich heute als Realisten bezeichnen lassen.

Und plötzlich kommt Herr Strunz. Nur Minuten nach Schlusspfiff eines wieder mal unglücklichen Spiels wird er auf der Vereinshomepage vorgestellt und sagt dann Sätze wie „RWE hat eine Zukunft, auch wenn die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga nicht geschafft wird.“ Will man so was hören, wenn man gerade erst dabei ist, diesen Abstieg zu realisieren, zu verarbeiten? Ja, man will. Nach anfänglicher Skepsis hat er nun viele überzeugt, die daran glauben, dass dieser Abstieg auch eine Chance sein kann. Eine Chance auf einen Neuanfang, um dann mit neuen Verantwortlichen und neuen Strukturen einen neuen Mythos entstehen zu lassen, den alten, verstaubten zu begraben. Eine neue Liga ist wie ein neues Leben. Was häufig bei Aufstiegen gesungen wird, gilt bei RWE wohl vor allem nach diesem Abstieg.

Über das Spiel gegen Bremens Zweite wird derzeit kaum gesprochen, zu spannend sind die Vorbereitungen, die den Verein in eine hoffentlich bessere Zukunft führen. Dabei sah man nach dem zwischenzeitlichen 2:1-Treffer in Wuppertal an den Reaktionen in den verschiedenen Foren wie schnell die Mannschaft die Anhänger wieder auf ihre Seite kriegen kann. Das Team, vor allem aber auch die leidenschaftlichen und leidensfähigen Fans, haben nach nur einem Rückrundensieg endlich mal wieder einen Dreier, einen Grund zum Jubeln verdient. Im Hinspiel wurde die Werder-Reserve mit 4:0 abgefertigt, gleiches sollte man nun nicht erwarten. Aber mit der guten, engagierten und auch spielerisch verbesserten Leistung aus dem Wuppertal-Match kann mit Unterstützung von den Rängen mal wieder ein Sieg erreicht werden. Auch, um so die Aufbruchstimmung ein wenig stärker zu machen.

Nachdem wir im Sommer abgestiegen waren, bemühte ich mich, das Positive zu sehen: „Lache nicht über RWE, weil sie einen Schritt zurück machen. Wir nehmen nur Anlauf.“ Dass ich diesen Ausspruch ein weiteres Jahr stehen lassen muss, hätte ich nicht erwartet. Allerdings: Bei einem solch langen Anlauf wird der Sprung nach vorne hoffentlich groß.

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