Heute fällt für Bayern München der Startschuss zur

Für die Bayern zählt in Tel Aviv allein ein Sieg

15. September 2004, 09:32 Uhr

Heute fällt für Bayern München der Startschuss zur "Königsklasse": Beim vermeintlich leichtesten Gegner Maccabi Tel Aviv zählt für den Rekordmeister um Michael Ballack im ersten Gruppenspiel allein ein Sieg.

Sportlich hat der Rekordmeister seine Richtung noch nicht gefunden - zudem ist der Gegner ein unbeschriebenes Blatt und die Begleitumstände der Partie ungewöhnlich: Für Bayern München wird die erste Gruppenpartie in der Champions League beim israelischen Rekordmeister Maccabi Tel Aviv zu einer Reise ins Ungewisse. Ungeachtet aller Terrorwarnungen bei Reisen nach Israel will sich Trainer Felix Magath vor dem Spiel am heutigen Mittwoch (20.45 Uhr/live bei Premiere) aber am wenigsten über die Sicherheit Gedanken machen: "Ich bin überzeugt, dass die alles im Griff haben und nichts passieren kann."

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen schon beim Abflug vom Sonderterminal F des Münchner Flughafens, Polizei-Eskorte nach der Landung in Tel Aviv, Bewachung rund um die Uhr - alles "kein Thema bei uns in der Mannschaft", versicherte auch Michael Ballack, "wir konzentrieren uns auf Fußball". Am Montag hatte sich zudem noch die politisch brisante Situation für Vahid Hashemian geklärt: Offiziell wegen einer Rückenverletzung blieb der Iraner zu Hause und vermied damit den Gewissenskonflikt, nach Israel reisen zu müssen, was die iranische Regierung auch ihren Sportlern verbietet.

Sieg ist Pflicht

Nach drei mäßigen Jahren in der Champions League und einem holprigen Saisonstart in der Bundesliga zählt für die Bayern in Tel Aviv in der Tat nur das Sportliche. "Tel Aviv ist der Schlüssel. Wir müssen gewinnen. Das ist ein Muss", sagte Präsident "Kaiser" Franz Beckenbauer vor dem Spiel gegen den vermeintlich schwächsten Gegner. Juventus Turin oder Ajax Amsterdam müssten die Bayern in der Gruppe C hinter sich lassen, um das Minimalziel Achtelfinale zu erreichen. Daher fordert auch Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge: "Wir müssen in Israel versuchen, einen Sieg vorzulegen."

Michael Ballack gibt sich da schon viel selbstbewusster: "Ich will ins Finale kommen, das muss der Anspruch des FC Bayern sein." Allerdings haben sich die Bayern seit ihrem Titelgewinn 2001 in der "Königsklasse" nicht mehr mit Ruhm bekleckert: Viertelfinale, Aus in der Vorrunde, Achtelfinale (2004). Noch ernüchternder: Seit dem 1:0 beim FC Nantes am 5. Dezember 2001 sind die Münchner in ihren zehn Auswärtsspielen ohne Sieg geblieben (6 Unentschieden); nur zwei der vergangenen 14 Partien haben sie gewonnen, beide in der Vorsaison.

Gegner in der Öffentlichkeit unterschätzt

Trainer Felix Magath kümmert die schwarze Serie naturgemäß nicht: "Meine Bilanz ist eine ganz andere. Es ist doch keine Frage, dass wir dort gewinnen wollen." Was nicht heißt, dass der israelische Rekordmeister (18 Titel) und -Pokalsieger (21) auf die leichte Schulter genommen wird. Maccabi Tel Aviv werde "in der Öffentlichkeit maßlos unterschätzt", warnt Manager Uli Hoeneß.

"Das wird ein sehr unangenehmes Spiel", weiß auch Magath, "Maccabi hat eine sehr homogene Truppe, die laufen und kämpfen und spielen gefährlich nach vorne." Tel Avivs Trainer Nir Klinger, 38 Jahre alt und in Israel auch "Der Deutsche" genannt, kündigte an, seine junge Mannschaft wolle nicht der Punktlieferant der Gruppe C sein: "In der Champions League zu spielen, reicht uns nicht. Wir können es mit den Großen in unserer Gruppe aufnehmen."

Magath mit Problemen im Sturm

Ex-Nationalspieler Klinger (83 Länderspiele) muss womöglich ohne seinen ghanaischen Angreifer Ishmael Addo Knöchelverletzung) auskommen, Kollege Magath trifft es noch härter: Nach dem Ausfall von Roque Santa Cruz (Meniskus-Operation) und Hashemian reiste neben Roy Makaay nur der gerade wieder genesene Claudio Pizarro mit. "Dann spielen wir halt nur mit Makaay vorne", so Magath, "unser Mittelfeld ist ja auch torgefährlich."

Israels Oberster Gerichtshof machte unterdessen endgültig den Weg frei für die Austragung der Partie am Mittwoch. Zwei religiöse Gruppen hatten eine Petition eingereicht, da am selben Tag das jüdische Neujahrsfest (Rosch Haschana) beginnt. Die drei Richter erklärten in ihrer Begründung, es sei Maccabi Tel Aviv nicht zuzumuten, das Spiel nicht zu bestreiten. Eine Absage, so das Gericht, würde dem gesamten israelischen Sport schaden.

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