Der Flug steckt Frank Rost noch in den Knochen, nach der Landung hat er gerade mal zwei Stunden geschlafen. Einen gestressten Eindruck macht er trotzdem nicht, dabei hat sich sein Leben innerhalb von 48 Stunden schlagartig geändert.

Rost ist in Dubai angekommen: "Bin Schalke-Sympathisant"

06. Januar 2007, 14:38 Uhr

Der Flug steckt Frank Rost noch in den Knochen, nach der Landung hat er gerade mal zwei Stunden geschlafen. Einen gestressten Eindruck macht er trotzdem nicht, dabei hat sich sein Leben innerhalb von 48 Stunden schlagartig geändert.

Der Flug steckt Frank Rost noch in den Knochen, nach der Landung hat er gerade mal zwei Stunden geschlafen. Einen gestressten Eindruck macht er trotzdem nicht, dabei hat sich sein Leben innerhalb von 48 Stunden schlagartig geändert. Hamburger SV statt Schalke 04, Trainingslager in Dubai statt in Gelsenkirchen, Kampf gegen den Abstieg statt um die Meisterschaft. "Es ist schon alles ein bisschen über Nacht gekommen", gesteht Rost, "aber jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt, und ich freue mich darauf".

So ganz freiwillig fängt er im Alter von 33 Jahren allerdings nicht neu an. "Meine Planung war, dass ich meine Profi-Karriere auf Schalke beende", betont Rost nach dem ersten Training mit den neuen Kollegen in Dubai. Doch nach dem 29. Oktober 2006 und dem 0:3 beim VfB Stuttgart stand auf einmal nicht mehr er im Tor der "Knappen", sondern Manuel Neuer. "Es war keine sportliche Entscheidung", sagt er über seine Versetzung auf die Bank ein wenig trotzig, "aber ich grüble jetzt nicht mehr darüber nach, was passiert ist".

Der Abschied von Schalke nach 130 Bundesligaspielen und 34 Europapokaleinsätzen war trotzdem schmerzhaft. "Ich bin sicher ein Schalke-Sympathisant", gesteht er mit einem breiten Grinsen ein und fügt ein weniger ernster hinzu: "Es war eine schöne Zeit, es ist mir schwer gefallen zu gehen." Nun aber sei die Sache für ihn abgehakt. Nicht aber für die ganze Familie. Die Tochter ist Schalkerin, weil auf Schalke geboren und Mitglied im Verein, den er jetzt verlassen hat. "Sie ist die Einzige, der ich das erklären musste."

Nach der Ankunft in Dubai hat Rost gleich den Kontakt zu den Kollegen gesucht. Vor allem zu den Torhütern Sascha Kirschstein und Stefan Wächter. "Es ist ja schon eine komische Situation für beide, aber menschlich gibt es keine Probleme", versichert der Routinier, der die Rückennummer 35 tragen und selbstverständlich die Nummer 1 sein wird. "Ich denke", sagt Rost, "es ist wichtig, dass ein Verein eine klare Nummer eins hat. Du brauchst Vertrauen als Torwart, du musst wissen, dass du auch mal einen Fehler machen darfst."

Bei der letzten Begegnung mit dem HSV hat Rost noch alles richtig gemacht für Schalke 04. Am 14. Oktober 2006 gewannen die Königsblauen, oder "wir", wie der jetzige HSV-ler noch sagt, in der Hansestadt 2:1. Rost hielt einen Elfmeter und trug so dazu bei, dass sein jetziger Verein in der Bundesliga gar nicht mehr auf die Füße kam und nun vier Punkte vom Nichtabstieg entfernt überwintert. "Ich bin hier sofort darauf angesprochen worden, ich wurde gefragt, ob ich es nicht bedauere", berichtet Rost. Hat er? Nein. Bei aller Liebe - Schalke war vorgestern, jetzt ist Hamburg. "Wir kommen da unten raus", versichert Rost.

Was soll er auch anderes sagen? Aber dennoch klingt es überzeugt, nicht nur nach der üblichen Durchhalteparole. "Es wird sicher Rückschläge heben, aber da muss man dann halt die Nerven behalten", sagt er. Rost hat damit durchaus Erfahrung. Einst, bei Werder Bremen, kämpfte er schon mal gegen den Abstieg, am Ende ging es gut. Den neuen Kollegen rät er: "Erst mal die Ärmel hochkrempeln, der Rest kommt von selbst."

Im Abstiegskampf ist Rost für die Hanseaten so eine Art letztes Ass im Ärmel. "Er ist einer der besten Keeper in Deutschland. Wir wissen, dass er die Klasse hat", sagt Trainer Thomas Doll, viel wichtiger aber ist seine Einschätzung: "Er hat Führungsqualitäten." Das ist gut für die Hamburger, denn Rost hat bereits festgestellt: "Beim HSV sind ja vor der Saison Spieler gegangen, die, wenn man das auf eine Hierarchie bezieht, sicher fehlen." Die Mannschaft sei noch jung, "vielleicht kann ich da Stabilität reinbringen".

Ansprüche erhebt Rost vorerst nicht. Erst einmal will er sich "den Respekt der Leute erarbeiten". Sein Vertrag bis 2009 gilt für die erste und die zweite Liga, und wenn es irgendwie geht, würde er jetzt gerne in Hamburg seine Profi-Karriere beenden, "obwohl man ja nie weiß, was kommt". Sicher kann Rost immerhin eines sagen: "Am 3. März, ja", kommt prompt die Antwort auf die Frage, ob er wisse, wann er auf Schalke spiele. "Ich hoffe, wir können das dann umdrehen", ergänzt er noch. Und mit "wir" meint Rost nun den HSV.

Autor:

Kommentieren