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Korfmacher im Interview
"Die NRW-Liga war ein Kompromiss"

WFLV: Hermann Korfmacher im Interview

Die neue Aufstiegsregelungen der NRW- sowie in den Verbandsligen sorgt für heiße Diskussionen. Viele Kritiker haben kein Verständnis dafür und sind erzürnt.

Denn die Meister in den beiden Westfalenligen sowie am Nieder- und Mittelrhein bekommen die Chance, in die Regionalliga aufzusteigen. Dafür müssen sie allerdings die beiden Relegationsspiele gegen die Vierten bis Siebten der fünften Klasse gewinnen.

Die Befürworter der aufgestellten Regeln sehen es aber anders: Warum sollten sich die Vereine in den Verbandsligen überhaupt anstrengen, wenn sie keinen Anreiz haben? Schließlich wird die NRW-Liga nach der Saison abgeschafft und ein Großteil der aktuellen Verbandsligisten kann dann ohnehin in die neue Oberliga Westfalen, Oberliga Niederrhein oder Mittelrheinliga „aufsteigen“.

RS hat mit DFB-Vize-Chef sowie dem „Boss“ des Fußball- und Leichtathletik Verbandes Westfalen, Hermann Korfmacher, darüber gesprochen und nachgefragt, warum ein Doppelaufstieg im Sinne des Verbandes ist.

Herr Korfmacher, die neu aufgestellte Aufstiegsregelung stößt nicht überall auf Zustimmung. Die Hauptkritik lautet: Warum können die Verbandsliga-Meister in die Regionalliga aufsteigen, während die NRW-Ligisten ab Platz acht keine Chance dazu haben?

Diese Kritik würde zutreffen, wenn man die NRW-Liga weiter im Blick hat. Wir müssen aber schauen, wie die neue Struktur aussieht. Demnach haben wir eine Regionalliga West und darunter die Oberliga Westfalen, Oberliga Niederrhein sowie die Mittelrheinliga. Die NRW-Klasse wird ja am Saisonende ersatzlos gestrichen. Damit ist die nächst höhere Spielklasse die Regionalliga, weil in die Oberliga ja ohnehin ein Großteil der Vereine kommt. Somit dürfen sie dann auch in die Regionalliga aufsteigen. Die Rechnerei, es wäre ein Doppelaufstieg, führt deswegen nicht zum Ergebnis.

Dennoch ist der Verdruss groß.

Wir müssen aber doch erreichen, dass die Creme de la Creme im Amateursport auch etwas erreichen kann. Wenn wir den Abstieg wegen der Regionalliga-Reform schon nicht vernünftig aufbauen können, muss man wenigstens dem Meister einen Anreiz bieten. Ansonsten ist es doch ein witzloses Jahr und das dürfen wir unter keinen Umständen zulassen.

Dennoch ist der finanzielle Spagat extrem. Die Regionalliga herrschen Profibedingungen, die sich kaum ein NRW-Ligist erlauben kann. Kann sich ein Sechstligist den Sprung in die vierte Klasse dann überhaupt leisten?

Jeder soll in der Klasse spielen, die er sich auch erlauben kann. Die Meister haben das Recht, aber nicht den Zwang, aufzusteigen. Das ist der wichtigste Aspekt, denn die Verantwortung liegt bei den Klubs.

Und wenn am Ende keiner hoch will?

Wir werden als Verband alle Entscheidungen der Vereine respektieren und akzeptieren. Ich bin mir sicher, dass wir am Ende auch für alles eine Lösung finden werden.

In Westfalen wird das schwieriger, denn nach wie vor hat der Fußball- und Leichtathletik Verband Westfalen zwei Verbandsligen.

Das ist der Tatsache der großen Zahl unserer Vereine geschuldet. Wir wollten die Strukturreform sicherlich nicht zu einem Massenabstieg nutzen. Das wäre einfach zu heftig für unsere Vertreter gewesen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, auch in Zukunft zwei Westfalenligen unter der Oberliga Westfalen zu haben.

Sie haben es bereits angesprochen: Die Oberliga Westfalen kommt nach vier Jahren zurück. Ist das in Ihren Augen der richtige Schritt, zum altbewährte System zurück zu kehren?

Ich war immer ein Befürworter einer eingleisigen obersten Spielklasse in Westfalen. Die Einführung der NRW-Liga war ja nur ein Kompromiss. Wir mussten zusehen, dass es unsere Vereine bei einem Aufstieg in die Regionalliga schaffen, es mit den Vertretern aus dem Süd-Westen aufnehmen zu können. Deshalb war es damals richtig, eine NRW-Liga als Unterbau zu haben. Schließlich war vor vier Jahren nicht abzusehen, dass die Regionalliga-Reform kurz danach greifen würde. Doch jetzt können wir getrost die Oberliga Westfalen zurückholen. Das ist positiv und sinnvoll.

Mit den ständigen Reformen verärgert der Verband die Basis. Ist die aktuelle Umstellung nun die letzte Reform einer Reform gewesen?

Ich denke schon. Aber wir haben es gut hinbekommen, die aktuelle Umstrukturierung für unsere Vereine vernünftig umzusetzen. Die Klubs müssen in ihrem Streben ein realistisches Ziel vorgesetzt bekommen. Und das haben wir geschafft. Deswegen hoffe ich, dass nicht die Kritiker siegen werden, sondern wir uns gemeinsam nach vorne bewegen.

Der Verband hat sich in den letzten Jahren ja schon auf die Basis zubewegt. Haben es die Verantwortlichen verstanden, dass man nicht gegeneinander arbeiten darf?

Das haben wir nie getan. Die Klubs benötigen eine Bestandschance. Und diese Verantwortung tragen wir als Verband und werden sie sicherlich nicht aufs Spiel setzen. Ein deutliches Zeichen ist auch die gezeigte Flexibilität des Fußball-Verbandsausschusses unter der Leitung von Reinhold Spohn, der die ersten beiden Spieltage aus der Verpflichtung genommen hat. Die Vereine können nun selbst entscheiden, ob sie in den Ferien spielen wollen oder nicht. Daran kann man sehen, dass es der Verein ist, für den wir als Verband arbeiten.

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