Es gibt zahlreiche Traditionsvereine, die eine große Geschichte haben, derzeit jedoch weit entfernt von früheren Erfolgen sind. RevierSport schaut nach, wo diese Klubs heute spielen. Heute bei Borussia Freialdenhoven.

Amateure

Vergessene Vereine: das kleinste Oberligadorf Deutschlands

Stefan Loyda
24. April 2020, 06:00 Uhr
Auch der junge Mike Hanke gab sich die Ehre gegen Freialdenhoven zu spielen. Foto: firo

Auch der junge Mike Hanke gab sich die Ehre gegen Freialdenhoven zu spielen. Foto: firo

Es gibt zahlreiche Traditionsvereine, die eine große Geschichte haben, derzeit jedoch weit entfernt von früheren Erfolgen sind. RevierSport schaut nach, wo diese Klubs heute spielen. Heute bei Borussia Freialdenhoven.

Aus den Asterix-Comics in den deutschen Sprachgebrauch: die gallischen Dörfer. So ziemlich jeder kleine Verein, der aus keiner großen Stadt kommt und nur wenige 1000 Einwohner zählt, bezeichnet sich fortan gern als gallisches Dorf der Liga. In Nordrhein-Westfalen gibt es jedoch einen Verein, der in der Tat als gallisches Dorf auf sich aufmerksam machen konnte: Borussia Freialdenhoven.


Heute vor 20 Jahren in einem Ort im Kreis Düren, knapp sieben Quadratkilometer groß. Ein Großteil der nicht einmal 1.000 Einwohner dürfte sich in der Dorfmitte zu einem groß Fest verabredet haben. Die erste große Schlacht wurde gewonnen: Punktgleich mit dem VfL Rheinbach steht Borussia Freialdenhoven auf dem ersten Platz. 51 Punkte, aber die bessere Hinkelstein-Abwehr - sprich die bessere Tordifferenz - sicherte den Aufstieg in die Oberliga Nordrhein. Der bis heute größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Organisatorischer Aufwand zu groß

Der Macher des Ganzen: Trainer Wilfried Hannes. Ob es ein von ihm gerührter Zaubertrank war oder sein Hund den richtigen Riecher besessen hat, ist nicht überliefert. Eine große Leistung war es allemal. Von nun an wurde Freialdenhoven allerdings der kleinste Oberliga-Ort in ganz Deutschland. Fortan ging es gegen die Römer in Form von den großen Traditionsvereinen wie Schwarz-Weiß Essen, Fortuna Düsseldorf, aber auch dem Wuppertaler SV, zu dem die Fans seit damals eine Fanfreundschaft pflegen.

Fünf Jahre sollte sich der Verein durchaus ordentlich platziert in der Liga halten. Danach entschieden die Dorfältesten - sprich: der Vereinsvorstand - sich freiwillig aus der Oberliga Nordrhein zurückzuziehen. Zu groß war der organisatorische Aufwand und mit den wenigen Helfern im Klub nicht mehr zu stemmen.

Seitdem spielt der Klub durchgängig in der Mittelrheinliga. Die großen Rivalen sind nun eher Viktoria Arnoldsweiler, der 1. FC Düren oder der FC Wegberg-Beeck. Vor der Corona-Zwangspause belegte Freialdenhoven in der Mittelrheinliga einen gesicherten sechsten Platz. Der große Miraculix ist weiterhin Wilfried Hannes. Mit Ausnahme der Saison 2003/04, als ihm die gültige Trainerlizenz fehlte, ist der achtmalige Deutsche Nationalspieler, der in seiner aktiven Karriere für Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 spielte, seit mittlerweile 21 Jahren für den Klub tätig. Er dürfte schon bald dafür sorgen, dass es in der Dorfmitte wieder etwas zu feiern gibt.

Liga, Erfolge, bekannte Spieler/Trainer

Aktuelle Liga: Mittelrheinliga

Größte Erfolge: Oberliga-Nordrhein-Aufstieg 2000, Mittelrhein-Pokalfinale 2001 und 2008.
Bekannte Spieler/Trainer: Bekim Kastrati, Winfried Stradt, Jupp Zschau, Stephan Lämmermann, Frank van Eijs, Rachid El Hammouchi, Dirk Lehmann, Wilfried Hannes.

Hier gibt es weitere Texte über vergessene Vereine

Mehr zum Thema

Kommentieren

24.04.2020 - 08:24 - joodenaach

Bin immer gerne nach Freialdenhoven gefahren.
Familiäre Atmosphäre und Trainer Winni Hannes der sich auch gerne mit Gästefans unterhalten hat.
Zu holen gab es für meinen Verein aber selten etwas.