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Fortuna Bredeney
Kunstrasenplatz als Vereins-Meilenstein

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A-Ligist Fortuna Bredeney bekommt nach vielen Jahren Wartezeit einen Kunstrasenplatz inklusive neuem Kabinentrakt. Ein Meilenstein für den Verein aus dem Essener Nobelviertel.

"Da wohnen die Reichen. Die müssen eine Platzanlage mit goldenen Pflastersteinen haben." Jeder Essener Amateurfußballer kennt die Sprüche, wenn es um den im Süden beheimateten Fußballklub Fortuna Bredeney geht. Die Erwartungen an die Anlage und den Platz sind im Vorfeld immer enorm hoch, bis die Mannschaften in der Kampfbahn an der Meisenburg eintreffen und sich verdutzt die Augen reiben. Ein riesiger Ascheplatz inklusive Rundlaufbahn, der bei schlechteren Wetterbedingungen prompt unbespielbar ist.

Mannschaftskabinen im Retro-Style der sechziger Jahre und spartanische Sanitäranlagen auf denen man nicht gerne lange auf der Toilette verweilen möchte. Das ist nicht das, was man sich vorstellt, wenn man an Bredeney denkt. Aldi, Deichmann, Berthold Beitz und Otto Rehagel. Die Liste der prominenten Anwohner ist lang, doch niemand der besagten Personen hat sich finanziell in der Vergangenheit dazu bereit erklärt, für den Verein in die Bresche zu springen.

Hätte sich einer der genannten Personen am Sport in Essen beteiligt, würde Rot-Weiss Essen seit 20 Jahren in der Bundesliga spielen!

Bernd Sabransky (Vorstand Fortuna Bredeney)

"Die besagten Persönlichkeiten haben sich leider nirgendwo im Essener Sport beteiligt", verrät Bernd Sabransky, Vorsitzender und Mitgründer der Initiative Sport in Bredeney. "Hätte sich einer der genannten Personen am Sport in Essen beteiligt, würde Rot-Weiss Essen seit 20 Jahren in der Bundesliga spielen", ist er sich sicher. Die Stadt Essen hat für die Erneuerung der meisten Sportanlagen zu wenig Geld zur Verfügung, weshalb sich mehrere Personen mit Sabransky zusammengeschlossen haben, um einen Förderverein zu gründen, der selber Geld gesammelt hat. "Wir haben eine Summe im sechsstelligen Bereich eingenommen und an enorm vielen Quellen gezapft, um eine Anzahlung zu leisten, die den Bau einer neuen Anlage an der Meisenburg in der kommenden Sommerpause möglich macht", berichtet der Spieler der Altherrenmannschaft der Fortuna stolz. "Eine neue Sportanlage mit Kunstrasenplatz kostet rund 650.000 Euro. In Arbeiterstadtteilen scheint leider mehr möglich zu sein als in Bredeney, wo die Leute zwar viel Geld haben, aber es vermutlich auch gerne behalten."

Die neue Anlage soll nicht nur einen Kunstrasenplatz der neuen Generation beinhalten, sondern auch fünf 100-Meterbahnen, Kugelstoß- und Speerwurfanlage und einen völlig neuen Kabinentrakt, der parallel zum Kunstrasenplatz gebaut werden soll. "So ein neuer Kabinentrakt kostet auch mal eben mehrere hunderttausend Euro", berichtet Sabransky schmunzelnd. Während der Umbauphase sollen die Spiele und Trainingseinheiten der Fortuna auf den Anlagen von ETB Schwarz-Weiß und RSC Essen stattfinden. "Wir sind dem ETB und RSC sehr dankbar für das tolle Angebot, aber so einfach wird das nicht. Gleich mehrere Teams beider Vereine müssen ihre gewohnten Trainingszeiten umstellen und an anderen Tagen trainieren, damit alles passt. Aber wir reden von zwei Monaten nach der Sommerpause - also auch keine dramatische Problematik."

Mit einer neuen Anlage im Rücken erhofft sich der Verein aus dem Essener Süden natürlich Anmeldungen neuer Talente. "Die Hoffnung im Jugendbereich Talente zu bekommen, ist natürlich groß", erklärt Sabransky. "Wir haben in den vergangenen Jahren teilweise ganze Mannschaften an den Heisinger SV verloren, der nun mal schon früh einen Kunstrasenplatz hatte. Machen Sie mal ein Probetraining auf Asche und danach eines auf Kunstrasen. Ich weiß genau, wofür Sie sich entscheiden werden," lacht der ehemalige Schüler des Helmholtz-Sportgymnasiums in Essen. Früher lief in Bredeney alles über einen Sponsor, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Damals spielte die Mannschaft unter dem bekannten Essener Trainer Karl Weiß noch in der Landesliga und strebte von Jahr zu Jahr nach mehr, bis es nach dem Verlust des Sponsors bis in die Kreisliga A ging. "Damals hätte man auf den ein oder anderen guten Spieler lieber verzichten und in die Infrastruktur investieren sollen", meint Sabransky. "Aber vor 20 oder 30 Jahren waren Rasenplätze bei Amateurvereinen überhaupt kein Thema."

Der Junge hat nicht vergessen, dass er von der Meisenburg kommt.

Bernd Sabransky über BVB II-Keeper Hendrik Bonmann

Eine spannende Personalie der Vergangenheit macht ihn dann aber doch noch stolz. "Wir haben mit Hendrik Bonmann einen jungen Torwart aus der Jugend hervorgebracht, der nun bei der U23 von Borussia Dortmund kickt und neulich sogar für ein paar Wochen auf der Bank in der Bundesliga gesessen hat". Bonmann begann 2001 im Alter von sieben Jahren bei der Fortuna mit dem Fußballspielen und verließ den Verein nach drei Jahren 2004 in Richtung Jugendabteilung von Bundesligist Schalke 04. Über Rot-Weiss Essen fand er letztlich den Weg zu Borussia Dortmund. "Hendrik besucht uns vor den Weihnachtsfeiern unserer Jugendmannschaften regelmäßig und schenkt den Kindern Bälle, Trikots und diverse Fanartikel", berichtet der Stürmer der Altherrenmannschaft. "Der hat nicht vergessen, dass er von der Meisenburg kommt. Solche Jungs sind ganz wertvoll für unserer Verein und die wollen wir in Zukunft hier wieder hervorbringen."

Man könne vielleicht noch nicht mit sportlichen Aspekten glänzen, aber den Jugendlichen immerhin eine stabile Infrastruktur zum Wohlfühlen bieten. Vielleicht werden dann eines Tages auch Aldi, Deichmann und anderer große Namen des Stadtteils aufmerksam auf den kleinen, familiären Verein von der Essener Meisenburgstraße.

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