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Mit "DJ Krämer"
Bielefeld rockt wieder

Während des Studiums jobbte er als DJ in Studenten-Kneipen, als Oberliga-Trainer arbeitete er bei einer Versicherung und als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Nun, mit 46, steht Stefan Krämer als Coach vor dem Sprung in die 2. Fußball-Bundesliga. Auf dem Weg dorthin hat er Großes vollbracht: Er bewahrte den Traditionsverein Arminia Bielefeld vor dem Exitus.

Dass die Ostwestfalen wie der Karlsruher SC mit einem Sieg am Samstag gegen den VfL Osnabrück auf der proppevollen Alm die Rückkehr in die 2. Liga perfekt machen können, ist ein kleines Fußball-Wunder. "Das ist Wahnsinn", sagt Krämer im SID-Gespräch. Wenn er das zum Amtsantritt im September 2011 behauptet hätte, "hätten sie mich mit dem Krankenwagen abgeholt. Mit Blaulicht!"

"Wenn wir abgestiegen wären, würde es diesen Verein heute nicht mehr geben"

Als der gebürtige Mainzer seinen damaligen Chef Markus von Ahlen ablöste, war die finanziell angeschlagene Arminia, die bis 2009 in der Bundesliga gespielt hatte, nach zehn Spieltagen sieglos. "Und viele Leute in diesem Verein sagen mir: Wenn wir abgestiegen wären, würde es diesen Verein heute nicht mehr geben", erklärt Krämer. Also appellierte er an die Ehre der Spieler. "Wir sind abgeschlagen Letzter der 3. Liga. Wir sind die schlechteste Profi-Mannschaft in ganz Deutschland", hatte er damals den Spielern gesagt: "Wir können uns damit abfinden und uns weiter auslachen und beleidigen lassen. Oder wir zeigen, dass wir es auch anders können."

Die damalige Stimmung rund um das Team beschreibt Krämer als Wagenburgmentalität: "Bis auf ein paar Unentwegte standen uns die Fans sehr kritisch gegenüber. Wir mussten uns selbst aus der Scheiße ziehen." Das gelang mit ihm, der zuvor neun Jahre die SV Roßbach/Verscheid in der Rheinlandliga und der Oberliga Südwest trainiert hatte und sich als von Ahlens Assistent "nicht hätte beschweren können, wenn sie mich mit entlassen hätten".

"Lass den Bekloppten mal zwei Wochen machen, um Zeit zu gewinnen"

Dass er "eine Menge Glück" hatte, die Chance überhaupt bekommen zu haben, ist Krämer sehr wohl bewusst. "Am Anfang haben alle gedacht: Lass den Bekloppten mal zwei Wochen machen, um Zeit zu gewinnen", erzählt er heute schmunzelnd: "Wenn Arminia damals nicht so große finanzielle Probleme gehabt hätte, wäre sicher gleich am nächsten Tag ein neuer Trainer da gewesen."

Dass er bleiben durfte, war nicht nur Krämers Glück, sondern auch das der Arminia. Als 13. hielt der Traditionsklub die Klasse und rettete seine Existenz. Dieser nicht mehr erwartete Erfolg schweißte die im Sommer nicht groß veränderte Mannschaft zusammen. "Und durch den guten Saisonstart hat sich eine Eigendynamik entwickelt", berichtet Krämer: "Wir haben irgendwann angefangen, zu gewinnen. Und haben einfach nicht mehr damit aufgehört."

"Inzwischen sind ein paar Eventfans dazugekommen"

Von Wagenburgmentalität ist bei den Ostwestfalen nichts mehr zu spüren. "Inzwischen sind ein paar Eventfans dazugekommen", sagt der Trainer schmunzelnd: "Und vor allem haben wir viele zurückgewonnen, die sich vorher verarscht gefühlt und schon mit der Arminia abgeschlossen hatten."

Doch auch diese Fans, die durch neun Erstliga-Jahre seit 1996 verwöhnt wurden, sind inzwischen "ein bisschen demütig" geworden. "Zurecht", sagt Krämer: "Denn mit Großmannssucht ist man hier über eine große Zeitspanne hinweg schlecht gefahren. Heute honorieren die Leute, dass nicht gequatscht, sondern gearbeitet wird."

Er selbst hat sich durch den Erfolg nicht verändert. "Viele haben gesagt: Wenn du mal oben angekommen bist im Haifisch-Becken, musst du deine Art ändern. Dann musst du auch ein Arschloch sein", sagt er: "Heute kann ich sagen: Nein, musst du nicht! Im Gegenteil. Du musst so sein, wie du bist, dann kommt auch etwas zurück."

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fc schalke 04, 1. Bundesliga, Amine Harit, Saison 2017/18, fc schalke 04, 1. Bundesliga, Amine Harit, Saison 2017/18
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