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Was war da los?
Rassismus-Skandal in Bottrop

Nur 87 Minuten dauerte das Bezirksliga-Duell zwischen Dostlukspor Bottrop und dem SC Hertha Hamborn. Nach mehreren unschönen Vorfällen erfolgte der Abbruch.

Der Schiedsrichter traf beim Stand von 1:0 für die Gastgeber die Entscheidung, die Partie vorzeitig abzupfeifen. Zuvor ereignete sich eine Rudelbildung zwischen Spielern der Hamborner und Zuschauern von Dostlukspor, weil Hertha-Torhüter Ikenna Onukogu vom Anhang der Hausherren rassistisch beleidigt worden sein soll.

RS fragte bei den Beteiligten nach: Was war da los?

Sebastian Stempel (Trainer Dostlukspor Bottrop):

Ich bin einfach nur schockiert über die Dinge, die sich während dieser Begegnung abgespielt haben. Es war ein von großer Hektik geprägtes Spiel, in dem wir ab der 20. Minute in Unterzahl agieren mussten. Meine Mannschaft hat anschließend eine herausragende Leistung geboten und lag kurz vor dem Ende verdient mit 1:0 in Führung. Zum Abbruch ist es gekommen, weil der Torhüter eine Plastik-Flasche in die Zuschauermenge geworfen hat. Allerdings wurde mir zugetragen, dass dieser von unseren Leuten rassistisch beleidigt wurde. Das Wort 'Neger' soll dabei auch gefallen sein. Nach dem Flaschenwurf gab es ein Handgemenge, da dem Torhüter einige seiner Teamkollegen zu Hilfe geeilt sind. Meine Mannschaft hatte damit jedenfalls nichts zu tun. Von dem Verhalten unserer Zuschauer distanziere ich mich in aller Form. Falls es stimmt, dass der Spieler auf dem Platz als 'Neger' bezeichnet wurde, ist das unterste Schublade. Leider ist es nicht das erste Mal, dass so etwas im Umfeld dieses Vereins passiert. Der Vorstand ist sehr bemüht und mittlerweile habe ich mir auch eine charakterstarke Mannschaft aufgebaut. Doch diese Unverbesserlichen machen die gesamte Arbeit kaputt. Das ist traurig für mein Team und die Verantwortlichen. Ich persönlich werde daraus im Sommer meine Konsequenzen ziehen. Darauf habe ich keine Lust mehr.

Rauf Alkurt (Trainer SC Hertha Hamborn):

Den Ausführungen meines Trainerkollegen kann ich nur zustimmen. Allerdings muss ich hinzufügen, dass unser Torwart zuerst von den Zuschauern mit der Flasche beworfen wurde. Er hat sie dann vor Wut zurückgeworfen. Während der zweiten Halbzeit wurde er in einer Tour von diesen Leuten beschimpft. Wir haben den Schiedsrichter darauf hingewiesen, doch er hatte nicht die Courage, etwas dagegen zu unternehmen. Er fühlte sich durch Zuschauer ebenfalls bedroht, das hatte er in der Halbzeit mitgeteilt. Ich kann die Reaktion unseres Torhüters absolut verstehen, denn so geht man nicht mit einem Menschen um. Ikenna war nach dem Spiel völlig fertig und fragte mich, warum er so behandelt wird. 'Ich bin doch nur ein Mensch', sagte er immer wieder. Das ist beschämend und eine Schande für den Fußball. Ich bin gespannt, wie das Urteil der daraus resultierenden Verhandlung ausfallen wird.

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Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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