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HöNie: Mewes' Kontrolle
Wenn die Stechuhr lustvoll stöhnt...

Wer kann den Liedauszug „Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt“ sofort weiterführen und mitsingen?

Wohl jeder. Mit dem Song „Bruttosozialprodukt“ landete die Band „Geiersturzflug“ 1983 einen Megahit, der sich auch 30 Jahre später noch großer Beliebtheit bei Partys erfreut.

1983 war Georg Mewes zarte 34 Jahre jung, ein Musikfan und natürlich textsicher. Deshalb hatte er bei seinem Amtsantritt in Hönnepel-Niedermörmter im Januar 2010 auch kein Problem, sich an die besagte Zeile zu erinnern. Grund genug dazu hatte er, denn die Spieler kamen, wann sie wollten. Die Trainingsbeteiligung war im Keller.

Wer nicht zwölf Mal trainiert, dem wird Kohle abgezogen

„Einmal hatte die Oma Geburtstag, dann musste der Opa zum Flughafen gebracht werden etc. Die Jungs haben also ihr Geld bekommen, auch wenn sie nicht trainiert haben. Das habe ich mir ein halbes Jahr angeschaut und reagiert“, berichtet Mewes.

Kurzerhand hat Mewes die Stechuhr beim Dorfklub eingeführt. Jeder hat einen personalisierten Chip, mit dem er sich wie ein Beamter an- und abmelden muss. „Die Kontrolluhr hat ihren Sinn und Zweck voll erfüllt, denn die Trainingsbeteiligung liegt jetzt bei 99 Prozent“, lacht Mewes.

Bereits im Jahr 1784 schrieb Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, in seinem Werk „Ratschläge für junge Kaufleute“, dass Zeit Geld sei. Eine Feststellung, die Mewes in die Realität umsetzt, denn wer nicht mindestens zwölf Mal im Monat stempelt, dem wird Kohle von seinem Salär abgezogen. „Natürlich anteilsmäßig, aber es zahlt sich aus“, betont Mewes: „Das Geld bekommt der Verein und auf diese Weise sparen wird rund zehn Prozent des Etats ein.“

Nur Mewes muss nicht stempeln

Stempeln müssen alle, die beim SV Geld verdienen. Also nicht nur die Spieler der Ersten, sondern auch die Kicker der Reserve, die Trainer oder Physiotherapeuten. „Nur ich nicht“, grinst Mewes. Was sich im ersten Moment nach reiner Schikane anhört, kann der Trainer aber erklären: „Ich bin ja gleichzeitig auch Sportlicher Leiter und viel unterwegs. Wenn ich beispielsweise Verhandlungen führe, kann ich nicht stempeln, arbeite aber. Deshalb bin ich raus.“

In den Gesprächen mit den potenziellen Neuzugängen weist Mewes diese aber auch sofort auf seine Errungenschaft hin. So auch den Ex-Schalker Christian Mikolajczak. „Er hat mich angeschaut wie ein Pferd, aber wir reisen ja auch nicht mit einer Postkutsche zum Auswärtsspiel“, meint Mewes. „Also hat er es wie alle anderen auch akzeptiert.“

Während andere Trainer Listen führen, hängt beim SV der 20 Zentimeter große Kasten im Eingangsbereich zu den Kabinen. Für Mewes normal: „Listen hatte ich auch, aber so ist es einfacher. Unser Kassierer bekommt am Ende des Monats automatisch die Übersicht und gibt sie an den Steuerberater weiter. Wenn wir am 15. unsere Kohle bekommen, sind die Abzüge schon weg.“

Nur Krankschreibungen werden akzeptiert

Optimal für den Gerechtigkeitsfanatiker. „Wir sind auf dem Land und verarschen uns auch selbst viel“, kennt Mewes seine Pappenheimer. „Das ist durch die Stechuhr nun schwieriger, denn es werden nur Krankschreibungen akzeptiert.“ Ist ein Akteur privat verhindert und versäumt eine Einheit, hat er die Möglichkeit, sie bei der „Zwoten“ nachzuholen.

Doch was passiert, wenn jemand arbeiten muss? „Dann verdient er Geld und kann mit ein paar Abzügen leben“, ist Mewes unnachgiebig. „Aber alle haben das System akzeptiert. Was will man mehr?“

Punkte, denn sportlich hat sich die Stechuhr in dieser Saison noch nicht ausgezahlt. Physisch sind die Spieler nachweislich anwesend, Leistung haben sie aber nur selten abgerufen. Bleibt abzuwarten, ob in der Rückrunde nicht nur die Stechuhr, sondern vielleicht auch Mewes mal lustvoll vor Freude stöhnen darf...

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Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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