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Start der 2. Liga

So viel David vs. Goliath wie noch nie

David gegen Goliath, Arm gegen Reich, Großstadt gegen Dorfklub: Selten war das Gefälle zwischen den Klubs in der 2. Bundesliga so groß wie in der neuen Saison.


Die fünf größten Städte Deutschlands sind in der 2. Fußball-Bundesliga vertreten. Doch auch kleine Gemeinden gehen ab Freitag auf Punktejagd und sorgen für einen reizvollen Kontrast.

Großvereine wie Hertha BSC oder der 1. FC Köln treffen ab Freitag auf Provinzklubs wie Erzgebirge Aue, VfR Aalen oder SV Sandhausen. Das Unterhaus wird mehr und mehr zur Zweiklassengesellschaft.


Bei Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln strömten allein 25.000 Besucher zur Saisoneröffnungsfeier ins RheinEnergieStadion. Aue und Sandhausen können nicht einmal so viele Einwohner aufweisen. "Die Symbiose zwischen Stadt und Klub ist gigantisch", schwärmte FC-Coach Holger Stanislawski und weiß: Die Verwurzelung des Klubs in der Millionenmetrople ist ein wichtiges Pfund, mit dem es sich bestens wuchern lässt.

Auch bei Hertha lebt man weiterhin in Bundesliga-Dimensionen. Der Gesamtetat liegt bei rund 30 Millionen Euro, die Mitgliederzahl stößt an die die 30.000-er Marke. Bereits 15.000 Tickets wurden für die neue Saison verkauft. Rasch will man den finanziell wenig lukrativen Niederungen des Unterhauses wieder entkommen. "Der Abstieg war für uns ein Betriebsunfall, den wir so schnell wie möglich reparieren wollen", sagte Trainer Jos Luhukay.


Neben Köln und Hertha sind weitere frühere deutsche Meister wie der 1. FC Kaiserslautern, 1860 München und Eintracht Braunschweig sowie der achtmalige DDR-Meister Dynamo Dresden mit viel Tradition und großer Fangemeinde vertreten. Demgegenüber stehen Klubs aus der Fußball-Diaspora wie der VFR Aalen oder Jahn Regensburg, für die es vor dem ersten Spieltag allein ums Überleben geht.

Einige der Underdogs haben aus der Not eine Tugend gemacht und sind stolz auf ihren Außenseiter-Status. "Wir bleiben authentisch, glaubwürdig und echt, 100 Prozent Sandhausen", behauptete Klubchef Jürgen Machmeier, der mit der Bezeichnung Dorfklub gut leben kann. Der Aufsteiger aus dem Rhein-Neckar-Raum, acht Kilometer von Heidelberg entfernt gelegen, weist gerade mal einen Etat von neun Millionen Euro auf. Man plant in kleinen Schritten. Im Falle des Klassenerhalt soll das Stadion auf 15.000 Plätze ausgebaut werden - dann passt die komplette Einwohnerschaft hinein.

Auch bei Herthas kleineren Stadtnachbarn Union Berlin bleibt man bescheiden. Die "Eisernen" haben sich in den letzten Jahren in der 2. Liga etabliert und sehen die große Kluft zwischen Arm und Reich eher gelassen. "Natürlich spielt man lieber in großen schönen Stadien wie Köln als dass man nach Sandhausen fährt. Aber wir müssen es nehmen wie es kommt. Für uns hängen die Trauben überall gleich hoch", sagte Unions Trainer Uwe Neuhaus.

Der Kampf David gegen Goliath ist seit Jahren fester Bestandteil im deutschen Profifußball und würzt vor allen die ersten Runden im DFB-Pokal. Insbesondere für die kleinen Klubs kann eine solche Konstellation zur besonderen Motivation werden, vor allem dann, wenn die vermeintlich Großen überheblich werden.

Sandhausens Trainer Gerd Dais hat registriert die überheblichen Äußerungen ganz genau registriert und kann oft nur mit dem Kopf schütteln: "Ich habe gelesen, dass eine Berliner Zeitung drohte: Wenn ihr absteigt, müsst ihr nach Sandhausen. Es ist schon sehr bemerkenswert, wie wir wahrgenommen werden."

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