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FCN: Ultras im Fokus
Fanprojekt fordert kontrolliertes Abfackeln

Die pyromanen Fans des 1. FC Nürnberg müssen künftig ihre Vorliebe für Freudenfeuer woanders ausleben. Der Club verschärft die Sicherheitsmaßnahmen.

Am vergangenen Samstag wurden beim Abbrennen von bengalischem Feuer und Pyrotechnik durch Anhänger des 1. FC Nürnberg im Bochumer rewirpowerstadion neun Menschen verletzt. Auch in Gelsenkirchen und Hannover wurde durch Gästefans gezündelt.

Das Abbrennen von Leuchtmitteln ist in den Stadien der Bundesliga wieder schwer in Mode gekommen.
Als erste Konsequenz will der Club die Kartenabgabe künftig personalisieren und intensivere Kontrollen von Fan-Bussen schon bei der Anreise durchführen. Ein kontraproduktiver Ansatz, meint Heino Hassler vom Nürnberger Fan-Projekt.

Bereits vor zwei Jahren wurde der Club nach einem Auswärtsspiel in Frankfurt mit einer Geldstrafe belegt, weil Fans Knallkörper gezündet hatten und eine Leuchtfackel auf das Spielfeld geworfen haben. Hat der 1. FC Nürnberg ein Fanproblem?

Nein, sicher nicht. Nach den Ereignissen in Frankfurt war es in den letzten Jahren es eher ruhig um die Fans des 1. FC Nürnberg. Insofern müssen die Ereignisse in Bochum zwar aufgearbeitet werden, waren aber eher eine Ausnahme.

Warum fallen dann die Fans des FCN so häufig aus der Rolle?

Noch einmal. Das ist kein Nürnberger Problem. Der Trend zum Fackeln wird doch momentan überall in Deutschland sichtbar. Von Fans des Hamburger SV werden zum Beispiel permanent Fackeln abgebrannt. Das erzeugt einen gewissen Druck in den Ultrabewegungen der anderen Vereine. Nach dem Motto, wenn die anderen das hinbekommen, dann schaffen wir das auch und setzen noch einen drauf.

Wie erklären Sie sich das neue Phänomen?

Das ist ja auch kein gänzlich neues Phänomen. Für uns als Fan-Projekte ist das seit Jahren unsere alltägliche Arbeit. Es war schon immer ein Bestreben der Ultra-Szenen durch bengalische Fackeln Stimmung zu entfachen. Sie betrachten es als Teil der Fußballkultur, weil es für sie dazu gehört, gerade bei Abendspielen. Sie verstehen nicht, warum das bei Spielen in Italien, Spanien oder der Türkei möglich sein soll, und bei uns nicht.

Ist es nicht auch Aufgabe der Fan-Projekte den Gruppierungen klar zu machen, wie gefährlich das Spiel mit dem Feuer ist?

Das machen wir. Aber vielen Anhängern war dennoch nicht bewusst, wie gefährlich das Zeug ist. Das ist die Reaktion auf die vielen Gespräche, die ich in den vergangenen Tagen geführt habe. Durch neue Materialien wie Magnesiumpulver, das in Bochum benutzt wurde und viel schwerer zu regulieren ist, als herkömmliche Fackeln, ist das Risiko von Verletzungen enorm gestiegen.

Als Konsequenz hat FCN-Sportchef Martin Bader bereits zusätzliche Maßnahmen gegen die Fans und eine Verschärfung der Sicherheitskontrollen angedroht. Der richtige Schritt?

Das kann man natürlich machen. Ich glaube aber nicht. dass das etwas bringt. Man sollte es mit dem Sicherheitsdienst nicht übertreiben. Das wirkt dann eher kontraproduktiv. Diejenigen, die das schaffen wollen, werden auch weiterhin Wege finden, das Zeug ins Stadion zu bringen. Da bin ich mir sicher.

Sind die Ultras also unbelehrbar?

Nein! Ich habe den Eindruck, dass die Ultras gemerkt haben, dass es so nicht weiter gehen kann. Aus Gesprächen habe ich echte Betroffenheit gespürt. Vielleicht auch, weil unter den Opfern von Bochum auch Mitglieder der eigenen Szene sind. Einige Fans sind sogar im Ruhrgebiet geblieben, um die Verletzten nachgehend zu betreuen. Dennoch verfolge ich einen anderen Ansatz.

Was schlagen Sie vor?

Was spricht gegen ein kontrolliertes und angemeldetes Abbrennen von Leuchtmitteln durch den Verein? So haben wir das in Nürnberg und übrigens auch in Bochum in den Anfängen der Ultrabewegung in der Saison 1994/1995 praktiziert. Bis der DFB das nach einem Jahr als illegal unterbunden hat und gesagt hat, wir wollen das nicht, hat das hervorragend
funktioniert. Wir haben die Leuchtmittel in einem Blecheimer gezündet und diesen anschließend zurückgegeben. Ich wäre absolut dafür, so etwas wieder zuzulassen. Ich bin überzeugt davon, dass das Risiko von unkontrolliertem Abbrennen deutlich reduziert würde, wenn der DFB und die DFL von ihrem strengen Verbot abgehen würde.

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