Zwischen Tradition und neuen Chancen

Union Berlin plant Veränderungen für die Bundesliga

29. Mai 2019, 20:33 Uhr

Foto: firo

Union Berlin befindet sich auch zwei Tage nach dem erstmaligen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga noch im Freudentaumel. Die Planungen für die neue Saison sind dennoch längst angelaufen. Der Klub steht vor großen Herausforderungen.

Union Berlin bleibt Union Berlin - auch in der Glitzerwelt der Fußball-Bundesliga. Bayern München und Borussia Dortmund werden im Stadion an der Alten Försterei gastieren, der Fan-Zulauf aus Berliner Szenebezirken wird zwangsläufig steigen, die finanziellen Möglichkeiten sowieso.

Doch die ganz spezielle Identität der "Eisernen", das verspricht Klub-Präsident Dirk Zingler, bleibt erhalten. "Wir werden den Fußball hier an der Alten Försterei in der ersten Liga genauso veranstalten wie in allen anderen Ligen. Es wird sicher größeres Bohei geben und das wird uns Spaß machen, aber wir bleiben, wie wir sind", sagte Zingler dem rbb.

Auch in Zukunft kann Union dabei auf die treue Fanbasis bauen. Für den Ansturm von Event-Zuschauern ist ohnehin kaum Platz. "Wo sollen die denn hin?", fragte Zingler: "Wir haben jetzt knapp 24.000 Mitglieder, 22.000 passen ins Stadion."

Union ist fest verankert in Berlin-Köpenick, der große Stadtrivale Hertha BSC spielt entlang der Wuhlheide kaum eine Rolle. Dieser Trend wird sich durch die entstandene Euphorie eher verstärken. Spurlos wird der erstmalige Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse aber dennoch nicht am Verein vorbeigehen.

Der Klub, der sich gern als Gegenentwurf zum Establishment sieht und einen Kult-Charakter nach außen trägt, ist nun selbst Teil der Bundesliga, dem Hochglanzprodukt der Deutschen Fußball Liga (DFL). Der von Fans viel kritisierte Kommerz öffnet dabei auch Union ganz neue wirtschaftliche Spielräume.


Sportlich steht Union vor einer Herkulesaufgabe. Wie auch für Mitaufsteiger SC Paderborn geht es für Berlin einzig um den Klassenerhalt. "Es wird eine Herausforderung für uns", sagte Trainer Urs Fischer angesichts der budgetären Differenzen zu den etablierten Vereinen: "Diesen Unterschied kannst du aber mit anderen Dingen wie Kompaktheit, Teamgeist und Solidarität kompensieren." Den typischen Union-Tugenden also.

Mit einem Kader von 26 Spielern will Union die Mission Klassenerhalt angehen. Der Großteil soll aus verdienten Aufstiegshelden bestehen. "Diese Mannschaft ist aufgestiegen. Diese Jungs, die das geschafft haben, werden wir nicht komplett austauschen", sagt Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball. Punktuelle Verstärkungen sind trotzdem geplant, die ersten Personalien sollen zeitnah verkündet werden.

Einen entscheidenden Vorteil erwartet Union von seiner Spielstätte. Das enge, zumeist ausverkaufte und laute Stadion an der Alten Försterei soll zur Festung werden. Mittelfristig plant der Klub, die Kapazität der Arena auf 37.000 Zuschauer zu erhöhen. Mit den fälligen Umbaumaßnahmen soll aber nicht in der kommenden Spielzeit begonnen werden. "Es wird für alle ein Brett sein, hierherzukommen, das hat man gegen Stuttgart gesehen", sagte Zingler.

Am Mittwoch war all das noch Zukunftsmusik. Noch einmal wurde der bislang größte Erfolg der Vereinsgeschichte ausgekostet. Nach dem Empfang im Roten Rathaus schipperte die Mannschaft auf der "Viktoria" über die Spree nach Köpenick, wo sie sich im Rathaus ebenfalls ins Goldene Buch eintrug. Im Anschluss ging es im offenen Bus zum Stadion. Mehrere tausend Fans säumten die Straßen, bei Livemusik und reichlich Bier klang der Partymarathon im Stadion an der Alten Försterei aus. sid

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30.05.2019 - 16:16 - lapofgods

Das eine Eliteliga nicht erstrebenswert ist sehe ich auch so. Und das das das Geld besser verteilt werden sollte (als Fan eines Hungerleidervereins) natürlich auch. Trotzdem teile ich ausnahmsweise Oppermanns (und auch Watzkes) Meinung, dass sie kommen wird. Sogar sehr bald. Da ist zu viel Geld für die Beteiligten drin.

Ich glaube allerdings nicht an eine Verkleinerung der nationalen Ligen zu diesem Zwecke sondern eher an sehr große Kader: 40-50 Spieler.

Die einzige Schwierigkeit, die ich sehe, ist, dass man das den Erfolgsfans der Glitzerfußballclubs schonend beibringen muss, dass in einer solchen Liga auch Manchester United, Juventus Turin oder der BVB mal 17. und 18. sein könnten. Irgendwer muss es ja sein. Und Tabellenletzte verlieren in jeder Liga praktisch jedes Spiel. Will das dann ein Juventus-Fan sehen? Passt das zum Anspruchsdenken des ManU- oder BVB-Publikums? Und welchen Reiz hätte das Spiel Bayern gegen Tottenham wenn das das Spiel 6. gegen 9. ist und 15 Punkte hinter der Tabellenspitze stattfindet? Was hat man denn in so einer Liga davon 6. statt 7. zu sein? Mehr Geld, sicher. Aber das macht ja das Spiel nicht attraktiver.

30.05.2019 - 15:10 - goleo

Sehe ich völlig anders. Eine Eliteliga ist nicht erstrebenswert. Das Geld, was da ist, gehört einfach besser verteilt. Auch auf die einzelnen Ligen. Die endlose Kommerzialisierung hat ihre Grenzen und der Fußballfan ist auch nicht endlos diesbezüglich leidensfähig. Wer z.B. mehrer Abos abschließt um Fußball zu schauen, ist selber Schuld an der ganzen Misere. Der Kunde, Fan hat die Macht zu entscheiden und kann somit entscheidend Einfluss zu nehmen. Wer wirklich Fußballfan ist, geht sowieso ins Stadion und schaut nicht nur an der Glotze. Ich denke sehr wohl, das die Fans sehr sensibel sind für die Entwicklung, die stattfindet. Vielleicht wird es wirklich eine Aufspaltung geben, Projekte, Investorenspielzeugvereine und einige gewachsene Top-Clubs, auf der anderen Seite die Vereine, die den Fußball noch als Vereinssport, nachhaltig, bodenständig leben. Was finanzielle Solidität nicht ausschließen muss. Ich würde mich für diese entscheiden. Und Underdogs waren mir sowieso immer sympathisch. Auf der anderen Seite gibt es die Menschen, die immer Fan von „Erfolgsvereinen“ sind. Unabhängig von jeglicher Identifikation. Eine Charakterfrage.

30.05.2019 - 09:51 - Julius.Oppermann

Es ist nach den UEFA-Plänen ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis man die Bundesliga verkleinern muss und wird. In einer echten Europa-Liga mit regulären Spieltagen das ganze Jahr über bleibt kaum noch Zeit für Spiele wie Union Berlin - Bayern München oder SC Freiburg - Borussia Dortmund. Die Nationalstaaten gehen in Europa auf, somit auch die nationalen Ligen in einer Euro-Liga.
Schon Franz Beckenbauer wusste 1972: "Wir wollen nicht ewig gegen Rotweiß Oberhausen spielen" - will heißen: Wir wollen uns mit europäischen Top-Mannschaften messen und nicht mit Underdogs aus der Provinz.

Die Zeiten, als in der 1. Liga jeder jeden schlagen konnte, sind lange vorbei Die Kluft zwischen etwa finanzstarken ca. 6 Vereinen, worunter Bayern München auch noch hervorragt, und dem "Fußvolk", worunter jetzt auch Union Berlin gehört, wird immer größer - und die Bundesliga in der jetzigen Form immer langweiliger.

Man sollte eine 1A und eine 1B-Liga einführen.

30.05.2019 - 01:22 - goleo

Ich mag die „anderen“ Vereine! Eisern Union, Freiburg, St. Pauli war es mal. Bitte bewahrt euch das! Solche Vereine leben Fußball, ihren Verein, Fankultur. Und das nachhaltig. Bitte nicht der Verlockung des Mainstreams, des Kommerzes und somit der Belanglosigkeit erliegen. Rot-Weiße Grüße aus Oberhausen!