Kreisliga B

RSV Holthausen geht neue Wege

18. Dezember 2018, 18:19 Uhr

Foto: Bastian Haumann

Herner Fußballverein kann K.o. im Sommer abwenden und erblüht gerade zu neuem Leben. Der neue Vorstand setzt dabei auf kickende Flüchtlinge. Sportlicher Erfolg stellt sich bereits ein.

Auf der einen Seite ein dahinsiechender Fußballverein ohne Spieler. Auf der anderen Seite zahlreiche sportliche Jungs, die gelangweilt in einer Gemeinschaftsunterkunft ihre Zeit vertrödeln. Beim RSV Holthausen hat man sich in ärgster Krise dieser einfachen mathematischen Aufgabe gewidmet und Eins und Eins zusammengezählt. Mehr als drei Hände voll Flüchtlinge tragen inzwischen das Trikot des B-Ligisten und lassen geradezu eine Renaissance des Krisenklubs erhoffen. An der Bladenhorster Straße ergibt sich aktuell auf jeden Fall eine ganz wunderbare Win-win-Situation.


Beim RSV Holthausen hieß es im Sommer eigentlich sicher „game over“. Kein Vorstand, kein Trainer, ein einzig verbliebener Spieler. Ende der Fahnenstange. Doch ein kleines Grüppchen Ur-Holthauser ergriff die wohl letzte Chance, ließ sich in den Vorstand wählen und baute auf ein Pflänzchen, das in der Vorsaison gesetzt worden war. Der Kontakt zu Flüchtlingen war bereits hergestellt worden. Von den damals drei Neuen ist Jim Petga erhalten geblieben. Um den Kameruner Kapitän wuchs eine neue Mannschaft.

Um einen Kern aus Guinea haben sich weitere afrikanische Kicker aus Angola und Marokko geschart, zudem ein Armenier. Und als Sabo Salih sich bereit erklärte, das spannende Projekt an der Bladenhorster Straße als Trainer zu führen, da interessierte dieser auch eine Reihe Kosovo-stämmiger Spieler für den RSV.

Die Mannschaft wächst derweil immer weiter. Das erste Spiel der neuen Saison musste Holthausen noch nach einer Halbzeit abbrechen - wegen zu großer Überlegenheit des Gegners. Es setzte weitere zweistellige Schlappen. Doch in den Bus, der regelmäßig von der Flüchtlings-Unterkunft an der Ackerstraße Jungs abholte, stiegen immer mehr ein. Deutlich mehr als 20 Spieler scharen sich inzwischen beim Training, selbst bei Regen oder Schnee. So stellte sich auch der Erfolg auf dem Liga-Spielfeld ein. Inzwischen hat Holthausen neun Punkte auf der Habenseite. Einen erneuten Abstieg fürchtet inzwischen niemand mehr wirklich.

„Ich habe lange überlegt, ob ich das Risiko eingehe und mich wählen lasse“, gesteht Thomas Rist, neuer Vorsitzender des RSV. „Immerhin bestand ja die Gefahr, als letzter Vorsitzender in die Geschichte einzugehen und damit als Totengräber meines Vereins.“ Inzwischen aber sind Rist und auch seine Vorstandskollegen begeistert über die Entwicklung. Nebenbei lässt man sich vom SSB beraten. Rist: „Wir wollten alles vom Kopf her neu aufbauen.“

Dass die Jungs zuverlässig sind, beweisen sie bislang erfolgreich. „Außerdem ist es echt interessant mit so unterschiedlichen Menschen zusammen zu kommen“, so Rist. Mit der Pünktlichkeit habe es mancher vielleicht noch nicht ganz so, dafür aber herrsche ausgesprochene Herzlichkeit im Team. Autor: Mike Lautenschläger

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