Schalke in Istanbul

Lincoln fällt eine Prognose schwer

Foto: firo

Schalke trifft in der Champions League am Mittwoch auf Galatasaray. Mittelfeldspieler Lincoln war für beide Klubs aktiv. Ein Interview.

Wenn der FC Schalke 04 an diesem Mittwoch (21 Uhr/DAZN) in der Champions League bei Galatasaray Istanbul antritt, wird es ein „großes Spiel“. Das sagt zumindest Lincoln. Der Brasilianer hat für beide Fußballklubs gespielt, 2007 wechselte er von Schalke an den Bosporus und wurde mit Galatasaray türkischer Meister. Heute sichtet der 39-Jährige Fußball-Talente in Brasilien und ganz Lateinamerika – für RB Leipzig, Schalkes nächsten Gegner in der Bundesliga am Sonntag. Im Interview spricht der frühere Spielmacher über Galatasaray und über seine besondere Beziehung zu den Königsblauen, denn: „Ich bin ein brasilianischer Schalker.“

Lincoln, heute spielt Schalke in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul. Wie ist Ihr Tipp?

Lincoln: Ich denke, es wird ein sehr großes Spiel werden. Sehr umkämpft. Es ist schwer, ein Ergebnis vorherzusagen. Beide Mannschaften sind auf dem gleichen Niveau.

Auf welchen Spieler muss Schalke besonders aufpassen?
Lincoln: Gala hat sehr starke Fußballer in seinen Reihen, die hat Schalke aber auch. Entscheidend wird sein, welches Team am besten funktioniert. Nicht die Mannschaft mit dem besten Einzelspieler wird gewinnen.

Welcher Verein hat denn die besseren Fans?
Lincoln:
Beide Fanlager sind fantastisch. Ich liebe sowohl die Schalker Fans als auch die Gala-Fans. Die türkischen Fans sind sehr emotional, bei Auswärtsspielen waren fast immer mehr Gala-Fans im Stadion als Fans der gegnerischen Mannschaft. Bei Schalke ist es diese über Generationen bekannte Treue, die überragend ist. Einmal Schalker, immer Schalker. Das stimmt schon. Ich bin sehr stolz darauf, für beide Vereine gespielt zu haben.

Verfolgen Sie das Geschehen auf Schalke noch?
Lincoln:
Schalke ist immer noch in meinem Herzen, ich werde immer ein brasilianischer Schalker sein. Vom schwachen Saisonstart war ich ein wenig überrascht, allerdings ist es völlig normal, dass man auch mal schwächere Phasen hat. Wichtig ist es, die Ruhe zu bewahren. Mit Herrn Heidel hat Schalke einen Top-Sportvorstand. Er hat sich schon bei Mainz 05 durch seine ruhige Arbeitsweise ausgezeichnet. Das tut auch Schalke gut.

Wie denken Sie über die aktuelle Schalker Mannschaft?
Lincoln
: Eine sehr gute Mannschaft mit einer sehr guten Mentalität. Schalke wird dieses Jahr bei der Vergabe der Champions-League-Plätze ein Wort mitreden. Außerdem bin ich Fan von Ralf Fährmann.

Gefällt Ihnen die Arbeit von Trainer Domenico Tedesco?
Lincoln
: Ich kenne ihn nicht persönlich. Aber er passt zu Schalke. Er leistet eine hervorragende Arbeit und gehört zu den talentiertesten Trainern in Deutschland. Er wirkt in sich gekehrt und sehr ruhig. Das gefällt mir. Die Mannschaft hört auf ihn, deshalb wird Schalke sehr schnell wieder auf die Spur kommen. Man muss Trainern Zeit geben. Sir Alex Ferguson hat Jahrzehnte bei Manchester United gearbeitet, er wurde auch bei Misserfolg nicht in Frage gestellt. Das ist der richtige Weg.

Sie waren ein klassischer Zehner, ein kreativer Spielmacher. Fehlt Schalke in der aktuellen Mannschaft vielleicht genau so ein Spielertyp?
Lincoln:
Zehner sind spektakuläre Spieler, die fehlen mir heute generell im modernen Fußball. Das liegt auch an den Trainern, die andere Systeme spielen lassen wollen. Ein Zehner tut jeder Mannschaft gut. Am Ende geht es ja auch darum, den Zuschauern ein Spektakel zu präsentieren.

Vermissen Sie eigentlich Schalke manchmal?
Lincoln:
Ja sehr. Wenn man jung ist, trifft man viele Entscheidungen, die man mit einer gewissen Lebenserfahrung nicht treffen würde. Ich hätte länger bei Schalke bleiben sollen, aber der Verein bleibt in meinem Herzen, weil ich dort eine wunderbare Zeit hatte. Wir waren damals eine große Familie und ein großes Team. Ich hatte vor jedem Heimspiel Gänsehaut. Die Arena ist ein fantastisches Stadion mit den besten Fans in Deutschland. Auch die Menschen aus Gelsenkirchen sind besondere Menschen.

Autor: Christoph Winkel

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