Sportfreunde Wanne

Von der Euphorie in die Depression

Foto: Elmar Redemann

Nur ein Jahr dauerte der Höhenflug der Sportfreunde Wanne. Der Aufsteiger muss die Bezirksliga gleich wieder verlassen. Auch die Winterzugänge schlagen nicht ein. Neustart in der Kreisliga.

Mehr als ein Jahrzehnt hatte es gebraucht, bis die Sportfreunde Wanne den Schritt zurück in den überkreislichen Fußball geschafft hatten. Doch die abgelaufene Bezirksliga-Saison verlief meteorologisch betrachtet für die Rückkehrer eher wolkig als heiter. Am Ende konnte man dem Tiefdruckgebiet nicht mehr entkommen. Die Euphorie aus 2016 war einer Depression 2017 gewichen. Dem Aufstieg folgte der sofortige Wiederabstieg, eine ernüchternde Bilanz.

Nach einer rauschenden Feier und einer folgenden guten Vorbereitung misslang bereits der erste Schritt in der neuen Liga gründlich. Mit 1:6 wurde man von Lokalrivale BV Herne-Süd vorgeführt - auf eigenem Kunstrasen. In der Folge wurden die Auftritte der Mannschaft von Aufstiegstrainer Sebastian Saitner zwar besser, aber kaum erfolgreicher. Nach Abschluss der Hinrunde belegten die Wanner einen Abstiegsplatz. Schon zur Winterpause wurde deutlich, dass es trotz gutem Kader offenbar schwierig werden könnte. Dabei lieferten die Sportfreunde immer wieder richtig gute Leistungen ab. Neben knappen Niederlagen beim späteren Meister in Horsthausen (0:1) und gegen Herbede (2:3) gelangen ein 2:1-Sieg über Weitmar sowie beachtliche Punkteteilungen in Hattingen und gegen Wanne 11. Aber zum Beispiel eben auch am Ende wohl unentschuldbare Unentschieden in Kornharpen und Rotthausen - den abgeschlagenen Punktelieferanten der Liga.

Im Winter dachte man, die Stellschrauben ausgemacht zu haben, um endlich Schwung aufzunehmen. Auf dem Papier hatte man mit fünf Neuen - wenn nicht schon längst zuvor - so doch spätestens jetzt eine Mannschaft fürs vordere Tabellendrittel denn fürs hintere beisammen. In der Realität jedoch brachten weder Atmaci, Pflüger oder Ataman, und erst recht nicht Baum oder Pollok die Mannschaft nach vorn. Sie blieb im Tabellenkeller kleben und konnte die Abstiegszone nur sporadisch zwischenzeitlich mal verlassen.

Torsten Jäger, Wannes sportlicher Leiter und damit hauptverantwortlich für die Neuzugänge, zermarterte sich das Hirn. „Es ist schon unerklärlich, so oft so sehr danebengelegen zu haben. Aber den Schuh zieh ich mir natürlich an“, so SFW-Urgestein Jäger. „Es wollte einfach nicht ins Rollen kommen.“ Einzig Ufuk Ataman schien der Mannschaft noch zu helfen. Wojciech Pollok, mit der Empfehlung von 16 Hinrunden-Toren für Herne-Süd an die Wilhelmstraße gewechselt, traf hingegen gerade noch einmal - gegen Schlusslicht Kornharpen. Eine von vielen Enttäuschungen. Viele Punkte wurden noch in den Schlussminuten der Spiele hergegeben. Und auch die „Notbremse“ Trainerwechsel wirkte nicht mehr. Mark Lipok blieb in den letzten 13 Partien so glücklos wie Saitner zuvor. Wanne stieg als 15. ab.

Die Spielzeit, die als eine „Saison der Missverständnisse“ bei den Sportfreunden Wanne in die Annalen eingehen dürfte, ist nun aufgearbeitet. Mit einem Trainer, der nicht im Wanne-Eickeler Umfeld auf- und mitgewachsen ist, will man den A-Liga-Kampf wieder aufnehmen. „Wir wollten mit Dino Degenhard für frischen Wind sorgen, der alles wesentlich neutraler bewerten kann“, erklärt Torsten Jäger die Entscheidung. Und so will man direkt auch wieder oben mitspielen.

Verlassen haben das Team die einstigen Aufsteiger Tlatlik, Wronowski, Intschin, Stark und Eßer (Arminia Holsterhausen), sowie Jantowski (Wanne 11), Pollok (Weitmar 45) und Baum. Neu hinzugestoßen sind Noah Hübner, Marvin Fray und Andre Ujma, die mit Trainer Dino Degenhard vom FC Neuruhrort kommen, sowie Mike Mitulla (BV Herne-Süd) und Bernd Paul (DJK TuS Hordel). Vervollständigen werden den Kader Devin Rode aus der eigenen Jugend sowie Sven Nispel und Ayoub Bentaj, die aus der zweiten Mannschaft ins erste Glied zurückkehren. Am 2. Juli starten die Sportfreunde in ihr Trainingsprogramm. Und sie hoffen auf schönes Wetter - in jeder Hinsicht.

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