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S04 II in Herne - Qualität trifft Mentalität

Foto: Rainer Raffalski

Westfalia-Trainer Christian Knappmann verspricht für heute „Ruhrpottfußball“. Auch Schalkes Torsten Fröhling ist sich sicher: „Es wird nicht langweilig“

Christian Knappmann trägt Trainingsjacke, der Reißverschluss ist weit heruntergezogen, während Torsten Fröhling auf ein modisch geschnittenes T-Shirt im Used Look setzt. Welcher Trainer hier der Punktsieger ist, sollte jeder selbst entscheiden. Am Samstag liegt die Wahrheit auf dem Platz. In der Fußball-Oberliga wird wieder um Punkte gespielt und das Eröffnungsspiel bestreiten Westfalia Herne und die U23 des FC Schalke 04. Anstoß im Stadion am Schloß Strünkede ist um 15 Uhr. Die WAZ hat den Herner Trainer Christian Knappmann und Schalkes Torsten Fröhling zum Doppelinterview eingeladen.

Was wissen Sie eigentlich über Ihren jeweiligen Trainerkollegen? Knappmann: Ich habe Torsten schon zu seiner Zeit als Fußballer im Auge gehabt, aber auch als Trainer, als es für ihn bei 1860 II steil nach oben ging zum Profi-Kader der Sechziger. Da habe ich mir gedacht: Guck mal, da ist einer, der schafft’s nach oben. Fröhling: Ich kenne Knappi vom Hörensagen... Knappmann: Oh nein! Fröhling: Meine Kompagnons Manni Dubski und Tomasz Waldoch haben mich schon gewarnt (lacht). Nein, ich muss mich erst mal einleben und will mir ein eigenes Bild von den Leuten machen. Auch von Knappi. Knappmann: Ich hoffe, ihr nehmt mir es nicht übel, dass ich am Samstag bei unserem letzten Testspiel Manni Dubski rausgeworfen habe, als er mit der Kamera kam. Ich mag ihn wirklich sehr, aber manchmal darf eben keiner rein. Fröhling: Ja Knappi, sonst ist alles gut (lacht).

Seit wann sind Ihre Blicke allein auf das Auftaktspiel gerichtet? Fröhling: Unsere Vorbereitung war mit fünf Wochen recht kurz. Deshalb haben wir den Blick auf die ganze Saison gerichtet. Aber natürlich ist es wichtig, gut aus den Startlöchern zu kommen und deshalb sind wir gut auf das Spiel gegen Herne vorbereitet. Ich bin froh, dass einige Jungs aus der vergangenen Saison noch dabei sind. Sie wissen, was uns gegen Herne erwartet. Knappmann: Torsten hat recht. In der Vorbereitung legst du den Grundstein für die ganze Saison. Bei uns liegt der Fokus auf dem Schalke-Spiel aber deutlich stärker als auf dem Eröffnungsspiel der vergangenen Saison. Uns ist bewusst, dass alle auf Schalke gucken. Außerdem haben wir unsere Heimstätte wieder, so dass es sowieso ein besonderes Spiel für uns wird. Für uns geht’s schon um viel.

Ist es ein Duell zweier Aufstiegskandidaten? Knappmann: Auf jeden Fall. Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir in die Top sechs wollen. Und Schalke, da müssen wir uns nichts vormachen, ist auf der Trainerposition top besetzt und hat auch eine brutale Qualität im Kader. Von daher ist Schalke, übrigens anders als in der vergangenen Saison, der Topfavorit für mich. Ich weiß aber auch, wie stark die Liga ist. Sechs bis acht Mannschaften haben das Potenzial, um die ersten beiden Plätze zu spielen. Fröhling: Die Oberliga Westfalen ist vielleicht keine normale Oberliga. Da ist schon richtig Qualität drin. Es wäre Quatsch, wenn ich sagen würde, dass wir nur mitspielen wollen. Es bleibt aber dabei, dass bei unseren U-Mannschaften die Ausbildung im Vordergrund steht. Wenn wir die Spieler so entwickeln, dass sie höheren Ansprüchen genügen, werden wir automatisch auf einem guten Weg sein.

Inwieweit sind beide Kader miteinander vergleichbar? Fröhling: Herne hat auch viele Spieler im Kader, die in der letzten Saison in der U19 eines Bundesliga-Klubs gespielt haben. Diese Jungs sind alle sehr gut ausgebildet und meistens sehr belastbar. Außerdem hören sie ihrem Trainer zu, so dass man bei ihnen noch viel bewegen kann. Knappmann: Wir haben uns von der Kaderstruktur in Herne ein wenig angenähert. Das ist aber der Tatsache geschuldet, dass ich unfassbar viel Aufwand betreibe und diesen Aufwand auch von meinen Spielern einfordere. Mehr Aufwand bedeutet nämlich auch mehr Ertrag. Die Jungs, die in den Nachwuchsleistungszentren gespielt haben, haben den Wunsch, Profifußballer zu werden. Die kannst du leichter anzünden als Spieler, die mit 27 oder 28 Jahren ihre Euros bekommen wollen. Wenn du denen sagst, dass fünf bis sechs Mal pro Woche trainiert wird, zeigen die dir den Vogel.

Wie beurteilen Sie den Gegner? Worin liegen die Stärken und die Schwächen? Knappmann: Was die Schalker in der Vorbereitung gespielt haben, hat nichts mehr dem Jugendstil der letzten Saison zu tun. Ich denke, dass der Fußball unter Torsten ergebnisorientierter ist – und das meine ich absolut positiv. Es kommt eine Menge Wucht auf uns zu. Fröhling: Ich kann gar nicht so viel über Herne sagen. Sie haben sich aber in der vergangenen Saison definitiv großen Respekt in der Liga verschafft. Ich habe die Mannschaft gleich zu Beginn gesehen, als sie den Willen hatte, ein Testspiel nach 0:2-Rückstand zu biegen und 2:2 gespielt hat. Das ist in der Vorbereitung nicht nur einmal passiert und sagt einiges über den Charakter der Spieler aus.

Wie groß ist die Erwartungshaltung im jeweiligen Vereinsumfeld? Fröhling: Für Schalkes U23 kann die Oberliga nicht der Anspruch sein. Nach der letzten Saison tun wir aber einen Teufel, große Sprüche zu reißen. Wir gehen die Saison mit großem Respekt an und arbeiten darauf hin, unsere Vorstellungen nach und nach umzusetzen. Knappmann: Bei uns ist das mit der Erwartungshaltung so eine Sache...

Fröhling: Du hast doch schon gesagt, dass ihr aufsteigen wollt.

Knappmann: Klar, sportlich wollen wir es schaffen! Nichtsdestotrotz wissen wir natürlich, wie schwer die Regionalliga für einen Verein wie Westfalia Herne zu stemmen wäre. Es ist nicht mal eine Selbstverständlichkeit, dass wir Oberliga spielen. Als ich hier vor dreieinhalb Jahren begonnen habe, hatten wir einen Punkt Vorsprung vor einem Abstiegsplatz in die Landesliga. Deshalb müssen wir unterscheiden, was das Umfeld möchte und was realistisch ist.

Vorausgesetzt, Sie dürften sich einen Spieler der anderen Mannschaft für das Spiel am Samstag ausleihen. Welcher wäre das? Knappmann: Ich könnte alle gebrauchen. Das sind alles überragende Oberliga-Kicker. Aber ich möchte keinen meiner Jungs missen. Fröhling: Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich tue mich schon schwer, die 18 Spieler für den Kader am Samstag auszuwählen. Das bereitet mir schlaflose Nächte, weil sich alle aufdrängen.

Warum lohnt es sich, den Samstagnachmittag im Stadion am Schloß Strünkede zu verbringen? Knappmann: Wer unsere Spiele im letzten Jahr gesehen hat, weiß, dass es sich meistens lohnt, zu uns zu kommen. Bei uns ist immer Trubel. Wir spielen keinen Beamtenfußball, sondern Ruhrpottfußball. Unsere Mentalität und die Qualität von Schalke gepaart ist für jeden Amateurfußball-Fan Grund genug, um am Samstag zu kommen. Fröhling: Das Spiel wird mit Sicherheit nicht langweilig. Dazu gibt es zwei sicherlich ganz gelassene und besonnene Trainer am Rand zu sehen, das lohnt sich doch bestimmt. Stimmt’s, Knappi? Knappmann: Du wurdest aber von deinen Jungs schon so bisschen in eine Richtung gelenkt, was du über mich denkst, oder? Fröhling: Wieso? Wir kommen doch bestens miteinander aus (lacht).

Interview: Christoph Winkel und Stephan Falk

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