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Reaktionen auf den Hasseler Rückzug
"Die Liga wird zur Farce"

(25) Kommentare
SC Hassel, SC Hassel
Foto: Ben Neumann

Der SC Hassel hat am Dienstagabend bekanntgegeben, dass der Verein die Oberligamannschaft mit sofortiger Wirkung zurückziehen wird.

Nach dem TSV Marl-Hüls ist die Hasseler Abmeldung bereits die zweite der laufenden Saison - und das nach erst zwölf Spieltagen. Wir haben uns mal in der Liga umgehört, was die Konkurrenz über solche Rückzüge denkt.

Volker Brehm (Erster Vorsitzender des FC Brünninghausen): "Wir Vereine und Ehrenamtler versuchen den sozialen Frieden der Amateurvereine aufrechtzuerhalten. Leider stoßen wir da an unsere Grenzen. Wer soll sich denn von den Ehrenamtlern im Finanz,- Steuer,- oder Arbeitsrecht auskennen? Das wird aber in der Oberliga zum Teil schon gefordert. Da kommt es eben so, dass sich Vereine verkalkulieren, weil sie sich in der Materie nicht auskennen. Ich würde mir da von der Verbandsseite mehr Unterstützung wünschen. Ein anderes Thema ist natürlich auch akut. Denn die Gier nach Geld wird im Fußball leider immer größer. Das fängt ja bei den astronomischen Ablösesummen und Gehältern im Profibereich an und zieht sich runter bis in die Amateurklassen. Da kann ein Oberligaspieler mit Steuern, Krankenkasse und anderen Abgaben schon 2000 Euro im Monat kosten. Wo sind wir da hingekommen? Das ist eine traurige und dramatische Entwicklung. Ich lege mich fest und muss leider sagen, dass das mit Sicherheit nicht die letzte Abmeldung in der Oberliga war. Viele Vereine stoßen einfach an ihre Grenzen."

Joachim Krug (Manager von Rot Weiss Ahlen): "Die Liga wird langsam zu einer Farce. Jeder Klub hat nun zwei Heimspiele weniger. Diese hatte jeder Verein in seinem Etat eingeplant. In der Oberliga sind solche Einnahmen nicht zu unterschätzen. Und auch sportlich, finde ich, dass die Saison entwertet wird. Jeder stellt sich auf 34 Spieltage ein und plötzlich sind es 30. Da braucht sich beispielsweise auch der SV Lippstadt, der gegen Hassel verloren hat, nicht zu freuen, dass das Ergebnis annulliert wird. Ich finde, dass diese Rückzüge ein Unding sind und der DFB die Oberligisten besser kontrollieren sollte. Jeder Verein sollte dem Verband vor der Saison vorlegen müssen, wie man die Spielzeit durchfinanzieren will - schwarz auf weiß!"

Samir Habibovic (Sportlicher Leiter des ASC Dortmund): "Es ist für beide Vereine sehr schade. Wobei man gar nicht weiß, wie es mit dem TSV Marl-Hüls weiter geht. Ich glaube, dass Hassel nächstes Jahr in der Westfalenliga spielen will. Bei diesem Vorhaben drücke ich dem Verein die Daumen. Ich bin ein bisschen darüber verwundert, wenn sich jetzt Leute melden und sich von diesem Rückzug überrascht zeigen. Denn das war eigentlich schon vor der Saison zu prognostizieren. Vielleicht wäre es im Endeffekt besser gewesen, wenn Hassel noch vor dem Saisonstart zurückgezogen hätte, dann wäre beispielsweise Neuenkirchen dringeblieben. Aber wie es um den Verein stand und steht, weiß niemand, außer die involvierten Personen. Dass wir durch die Rückzüge zwei Heimspiele weniger haben, ist sehr ärgerlich. Wir haben fast immer 400, 500 Zuschauer bei unseren Heimspielen, da geht uns einiges an Geld verloren."

Christian Knappmann (Trainer von Westfalia Herne): "Der TSV Marl-Hüls war sportlich auf einem vorbildlichen Weg. Dass ein Geldgeber nach der Steueraffäre aus der jüngeren Vergangenheit die Lust verliert ist ärgerlich - gleichzeitig aber auch verständlich. Wie bei vielen Vereinen spielen der Idealismus und das Herzblut eines einzigen Gönners eine tragende Rolle. Das birgt aber auch Gefahren. Der Rückzug des SC Hassel kommt für mich nicht überraschend. Alle Anzeichen deuteten zum Ende der vergangenen Saison schon daraufhin, dass es sowohl sportlich als auch finanziell in einem Fiasko endet. Ich wehre mich dagegen, andere für solche Dinge verantwortlich zu machen, sprich Verband, DFB, Profivereine und deren Spielansetzungen. Jeder Verein muss seriös wirtschaften und das Interesse haben sich breit aufzustellen. Aber ich kehre gerne vor der eigenen Haustür. Auch wir müssen uns entwickeln und bei vielen Sponsoren das Interesse wecken, damit wir unseren Etat auf viele Schultern verteilen können. Auch da haben wir Verbesserungspotential. Vorbildlich ist für mich hier TuS Haltern: sportlich ambitioniert und marketing-technisch hoch professionell."

Dirk Brökelmann (Sportlicher Leiter des SV Lippstadt): "Auch wenn wir gemeinsam mit dem TuS Haltern zu den zwei Vereinen gehören, die gegen Hassel Punkte gelassen haben, können wir uns über den Rückzug nicht freuen. Denn ich will gar nicht wissen, was in Marl-Hüls und Hassel schiefgelaufen ist. Das steht mir nicht zu. Vielmehr sollten uns dies Rückzüge zum allgemeinen Nachdenken anregen. Die aktuelle Situation ist alarmierend für den Amteurfußball. Der Profifußball ist eine große Bedrohung für die Amateure. Ich erkläre auch warum: Früher war der Sonntag den Amateuren vorbehalten. Heute mache ich um 13 Uhr den Fernseher an und schon kann ich die Bundesliga und die 2. Bundesliga bis in die Abendstunfen verfolgen. Diese Situation ist für viele Amateure existenzbedrohend. Auch wenn das nur ein Bruchteil des Problems ist, ist es ein gravierender Teil des ganzen Problems."

Derbys statt lange Fahrten ins Sauerland: Der SC Hassel wagte vor rund zwei Jahren den Neustart.
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Oberliga Westfalen

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soso 2017-11-08 22:36:28 Uhr
Mensch Maier, 74er, schöne Milchmädchenrechnung.
Immerhin € 400 T Einnahme. Damit wären selbst die Schwicker noch Oberligist.

BG, Vers., Verband, Fiskus - alle halten die Hand auf.
Zu Recht auch die Kicker in dieser Klasse. Aber 2.000 für jeden ?
Das ist schon starker Tobak. Mit Sicherheit ist es nicht das echte viereckige Geld für die Jungs.

Frag mich wirklich wie lange es einige der "Traditionsvereine" noch durchhalten. Das gilt auch für Herne, Ahlen, Gütersloh etc.
Vielleich spielt die Liga nächstes Jahr dann mit 10 Clubs.
Örly 2017-11-08 23:33:36 Uhr
Söldnertrainer und Söldnerspieler saugen die Vereine aus, weil profilneurotische und unfähige Vorstände auf sie hereinfallen und so die Vereine in den Ruin treiben.
Andere hier genannte Gründe sind sicherlich durchaus zu beachten, aber keinesfalls die Ursache des Problems.
DK 2017-11-09 10:06:03 Uhr
Danke Herr Knappmann für die Antwort an roadrunner74.
Der Kommentar von roadrunner74 zeigt doch wieder einmal, dass viele Zuschauer bis hin zu Vereinsmitgliedern überhaupt keine Ahnung von der Finanzierung einer Fußballabteilung geschweige eines Mehrspartenvereins haben. Diese Aufrechnung ist an Unkenntnis nicht zu übertreffen.
Herrn Volker Brehm (Brünninghausen) gebe Ich vollkommen recht, denn ohne Vereins-/Steuerrecht und Arbeitsrecht kann man einen Verein heut zu Tage nicht führen.
Bis Mitte/Ende 2016 hatte der SC Hassel einen Vereinsmanager (mit Abschluss) der sich im Steuer-/Vereinsrecht auskannte und eine Person die sich im Arbeitsrecht auskannte (Betriebsrat). Bis zu dieser Zeit, lief es auch mit gleichen Schwierigkeiten glatt, sodass aus dieser Zeit keine Schwierigkeiten mit Zahlungen an Spielern, Finanzamt, Knappschaft oder Verband bekannt waren.
Vielleicht haben die jetzigen Verantwortlichen gemerkt (zu spät), dass eine Oberligamannschaft und das ganze Drumherum nicht die Kreisliga ist und haben sich gehörig die Finger verbrannt.
roadrunner74 2017-11-09 16:34:15 Uhr
Vielen Dank für die Aufklärung! Klar ist meine Rechnung eine sogenannte Milchmädchen-Rechnung. Es war auch nicht ernst gemeint sondern sollte dieser Diskussion einen Impuls geben, aber sie zeigt trotzdem wo das Problem liegt:

Bei den Groß-Sponsoren und den damit verbundenen großzügigen Verlockungen monetärer Art!!

Die Schraube wird immer weiter gedreht. Beispiel:
Keiner der Spieler, die vor 2 Jahren von Hordel nach Hassel gewechselt sind, wechselte dorthin weil Hassel so schön ist. Diese Spieler sind Anfang dieser Saison weiter gewandert weil sie auf einen Großteil des Gehalts in Hassel verzichten mussten....Wohin?...z.B. nach Schermbeck...Schermbeck ist jetzt auch nicht viel schöner als Hassel! Aber es wird mehr bezahlt!
Was sagt uns das?

Ein ähnliches Spiel wurde auch bei der TSV Marl-Hüls und beim SV Zweckel veranstaltet....und Jahre zuvor beim VfB Hüls, und eine SpVgg. Marl gab es ja auch einst einmal...

Wenn man sich zum Spielzeug eines Sponsors macht nur um auf Teufel komm raus sportlichen Erfolg zu haben, dann hat man auf langer Sicht schon verloren. Das hat mit Amateursport nichts mehr zu tun!

Auch die Rahmenbedingungen für die Vereine. Wenn man im Ehrenamt einen Verein führen will müsste man eigentlich Voll-Profi im kaufmännischen Bereich bzw. im Management sein! Das ist genauso traurig und ätzend! Da bin ich ganz Ihrer Meinung!
Record 2017-11-09 21:32:48 Uhr
Hey Roadrunner oder lieber Sascha da hast du absolut recht und ich bin voll deiner Meinung und das ein Herr Falkowski sich ein neuen Job sucht bei einem anderen Verein hat doch gezeigt worum es geht...nur Kohle und null Vereinsliebe
DK 2017-11-10 10:51:46 Uhr
An roadrunner74 und Record,

Ihr kennt doch den Begriff "Angebot und Nachfrage". Wenn ein Vorstand/Abteilungsleitung einen Spieler oder Trainer haben möchte, dann verhandelt er mit diesem Spieler/Trainer eine bestimmte Aufwandsentschädigung oder bestenfalls einen Vertrag aus. Wenn dieser Vorstand/Abteilungsleitung diese Vereinbarungen nicht einhält (2x), dann gehen diese Spieler zurecht weg. Die Spieler/Trainer an den Pranger zu stellen finde Ich unerhört. Vorstände/Abteilungsleitungen die diese Vereinbarungen abschließen und nicht einhalten, gehören abgewählt und in die Wüste gejagt. Sie schädigen den Ruf vieler Traditionsvereine.
Denkt einmal darüber nach und schützt diese Amateure nicht noch.
roadrunner74 2017-11-10 16:23:07 Uhr
Ich stelle weder Spieler noch Trainer an den Pranger, sondern die mit Geldscheinen wedelnden Groß-Sponsoren, die sich auf Kosten der Amateurclubs repräsentieren und feiern lassen nur um ihr beschissenes Ego aufzuwerten und sich dann auch noch öffentlich so darstellen, als seien sie die Mutter Theresa des gesponsorten Vereins höchstpersönlich ....zumindest so lange sie Lust haben...und dann den Club fallen lassen wie eine heisse Kartoffel und sich einfach in Luft auflösen!

Gegen einen gesunden Sponsorenmix mit vielen kleinen Investoren habe ich überhaupt nichts, das macht sogar Sinn - aber geht mir bloß weg mit diesen Möchtegern-Abramowitschs! Klar dass dann genügend Amateurkicker den Reiz des Geldes nachgehen .... aber 2000€ oder aber von mir aus auch 1000€ im Monat (ich bin ja lernfähig) an Gehalt für jemanden, der sein Hobby ausübt, ist für einen Verein der im Schnitt 100 bis 200 Zuschauer anlockt mit selbsterwirtschafteten Mitteln nicht finanzierbar! Dafür muss man kein Finanzexperte sein!

Das ist es, was ich in dieser Diskussion sagen wollte, und das ist es was den Amateursport weiter kaputt macht neben den Anstoßzeiten der BL usw...
Örly 2017-11-10 18:56:07 Uhr
Aha, jetzt sind es also die "Groß-Sponsoren". Wenn wir noch etwas warten, schreibt noch einer, dass die Platz- oder Zeugwarte oder vielleicht sogar die Ordner schuld sind.

Ich wiederhole mich:

Söldnertrainer und Söldnerspieler saugen die Vereine aus, weil profilneurotische und unfähige Vorstände auf sie hereinfallen und so die Vereine in den Ruin treiben.
Andere hier genannte Gründe sind sicherlich durchaus zu beachten, aber keinesfalls die Ursache des Problems.
scp 2017-11-11 09:13:31 Uhr
Ich finde den ganzen "Amateursport" ab der Bezirksliga sehr bedenklich.
Denn ja Steuern , BG und auch Verbands-Abgaben sind exorbitant hoch für einen Verein. Und alles muss vor der Saison geklärt sein.
Aber, und da denke ich wird meistens deer größte Fehler gemacht, wenn ich nur auf das "große Geld " aus in und meine Junioren vergesse, geht es so wie in Hassel und in Marl Hüls nach hinten los.

Nur wenn es eine harmonische Steigerung gibt, soll heißen eine starke Nachwuchsabteilung, gleichzeitiger Aufstieg der 1.Mannschaft, wenn dann
einer der Sponsoren ausfällt, kann ich auf die eigene Jugend setzen.
Wenn jetzt das Argument kommt die guten werden ja von Dortmund Schalke usw weg geholt, dann muss ich gerade ab der Oberliga nach Lösungen suchen.
Nur ein starker Unterbau lässt kein Haus einstürzen.
scp 2017-11-11 09:23:43 Uhr
Ich finde den ganzen "Amateursport" ab der Bezirksliga sehr bedenklich.
Denn ja Steuern , BG und auch Verbands-Abgaben sind exorbitant hoch für einen Verein. Und alles muss vor der Saison geklärt sein.

Aber, und da denke ich, wird meistens der größte Fehler gemacht, wenn ich meine Juniorenabteilung vergesse, und keine eigenen Spieler ausbilde, geht es so wie in Hassel und in Marl Hüls nach hinten los.
Man darf nicht nur die Sponsoren umgaren, sondern muss Konzepte überlegen, Wege, wie ich eigene Spieler ausbilde und an mich/Verein binde.
Das große jammern tritt doch erst ein wenn einer der Sponsoren abtritt,
und ich die Spieler nicht mehr bezahlen kann.

Nur wenn es eine harmonische Steigerung gibt, soll heißen eine starke Nachwuchsabteilung, gleichzeitiger Aufstieg der 1.Mannschaft geht die Rechnung auf.


Nur ein starker Unterbau lässt kein Haus einstürzen.

Ps : musste es noch mal schreiben, damit es besser zu verstehen ist.
Örly 2017-11-11 10:33:33 Uhr
@ scp 11.11.2017 09:23 Uhr:

und dann vielleicht noch "11 Freunde müßt ihr sein" ??
Reine Traumtänzerei.
Nennen Sie mir einen Verein unterhalb der 1. und 2. Bundesliga, wo Ihr "System" funktioniert (hat).
scp 2017-11-11 22:20:32 Uhr
@ Örly : Glauben sie wirklich das ich ein Romantiker bin ?
"11 Freunde", das war zu Sepp Herberger Zeiten.
Nehmen wir den Verein von Herrn Knappmann.
Der SC Westfalia Herne,hat die A-Junioren in der Bezirksliga spielen,was meinen Sie wieviel Spieler davon Oberliga tauglich sind ?
Aber es muss das Ziel eines Oberligisten sein, das die U19 in der Westfalenliga spielt. Das kostet erst einmal Geld, aber wenn ich dadurch jedes Jahr 2 Spieler hoch ziehen kann, rechnet sich das über die Jahre.

Nächstes Jahr, wenn alles gut läuft, wird ein Verein namens FC Gievenbeck in die Oberliga aufsteigen, und fast 75 % der Mannschaft, besteht aus eigenen Junioren. Deren A- Junioren spielen in der A-Junioren-Westfalenliga

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