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Bryan Estefano Urbegozo Chang Kau
Farfans Verwandter will durchstarten

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SV Zweckel: Farfans Verwandter will durchstarten

Dieser Weg wird kein leichter sein. Aber Bryan Estefano Orbegozo Chang Kau ist bereit, ihn zu gehen.

Der schmächtige und eher unauffällige 19-Jährige mit dem unaussprechlichen Namen hat ein großes Ziel und den unbedingten Willen, es zu erreichen. Und er hat ein großes Vorbild, das ihn dabei unterstützt. Wenn das nicht klappt, hat er einen Plan B für seinen Traum vom Leben in Alemannia.

Orbegozo Chang Kau hat Glück. Schalkes momentan verletzter Starspieler Jefferson Farfan ist um eine Ecke mit ihm verwandt: Jeffs Frau Melissa ist Bryans Cousin. Das macht vieles leichter. Farfan hat ihm vorgeschwärmt, vom süßen und unbeschwerten Leben im kalten Westeuropa. Jetzt will Orbegozo Chang Kau seinem großen Idol nacheifern. Denn Fußballprofi, das war auch immer sein Traumberuf.

Sein berühmter Verwandter, der voraussichtlich im Januar bei den Königsblauen wieder ins Training einsteigt, soll ihm bei der Realisierung helfen. Vitamin B. Dass er vielleicht nicht ganz so mit Talent gesegnet ist, wie der der Schalker Rechtsaußen, weiß Orbegozo Chang Kau. Doch das will er mit Einsatz ausgleichen. „Jefferson ist natürlich ein Ausnahmespieler. So gut wie er bin ich nicht“, gibt er zu. „Aber in der deutschen 2. oder 3. Liga Fuß zu fassen, das traue ich mir mittelfristig zu.“

Bereits mit elf Jahren zog er aus Lima, wo er für den Club Sport Boyz (Callao) kickte, nach Madrid. Seit einem guten Jahr wohnt er in Deutschland. „Jefferson hat mich bei sich zu Hause in Gladbeck aufgenommen. Er gibt mir ein Dach über dem Kopf und Essen und unterstützt mich wirklich sehr“, sagt der freundliche Peruaner mit spanischer Staatsbürgerschaft. Und lobt gleich mal seine neue Heimat: „In Spanien ist das Leben auch schön, aber in Deutschland ist alles viel geordneter.“


Noch antwortet er auf Fragen in Englisch. Aber schon in Kürze möchte er sich auch in der Sprache seiner neuen Nachbarn verständigen können. Deswegen besucht er seit wenigen Wochen viermal wöchentlich einen Deutschsprachkurs. „Das ist für mich ganz wichtig“, betont er. Auf seinen Cousin kann er zumindest in dieser Hinsicht eher wenig zählen. Der gibt bis heute kaum Interviews auf Deutsch, obwohl er bereits seit 2008 für die Knappen in der Bundesliga kickt.

Via YouTube beworben

Dafür war „La Foquita“, wie Farfan in Peru heißt, jahrelang für viele Schlagzeilen in der Boulevardpresse gut. Dass er nach vielen Irrungen und Wirrungen seine Freundin Melissa Klug geheiratet hat, war Orbegozo Chang Kaus Glück.

Auf YouTube hat er ein 5:46 Minuten langes Bewerbungsvideo von sich eingestellt. Das zeigt den technisch beschlagenen Linksaußen bei einigen Kabinettstückchen in seinen bisherigen Vereinen in Spanien. Vor seinem Wechsel nach Deutschland hat er mit eher mittelmäßigem Erfolg für die U19 des spanischen Drittligisten CF Fuenlabrada SAD aus der Segunda División B gespielt. „Aber mit Perspektive nach oben“, wie er betont.

Doch in seiner neuen Heimat sind andere Tugenden gefragt. Allem Anfang wohnt zwar gewöhnlich ein neuer Zauber inne, aber er ist eben auch schwer. Da muss man auch schon mal einen Schritt zurückgehen können. Zum Beispiel zum VfB Hüls. „Bryan bringt viel Tempo und Kreativität nach vorne. Außerdem kommt eine gewisse Unberechenbarkeit in unser Spiel“, schwärmte der Coach des U19-Landesligisten, Werner Platzer, nach Orbegozo Chang Kaus Debut im November letzten Jahres in der „WAZ“.

„Schnulleralarm Light“ in der Oberiiga Westfalen

Seit diesem Sommer gibt es den „Schnulleralarm light“ auf den Plätzen der Oberliga Westfalen. In seinem ersten Jahr als Senior geht Orbegozo Chang Kau inzwischen für den Gladbecker Oberligisten SV Zweckel auf Torejagd. Wenn er denn darf. Denn bislang konnte auch Farfan seinen Neffen selten von der Seitenlinie aus anfeuern. Derzeit gehört der noch überwiegend zur Reserve und bekam erst wenige Minuten die Möglichkeit, sich in seiner neuen Umgebung zu zeigen. Doch das sei normal, meint der gebürtige Peruaner. Und will die Ruhe bewahren. „Das Spiel hier ist wesentlich athletischer. Daran muss ich mich noch gewöhnen“, gibt er zu. Auch körperlich muss er sicher dafür noch zulegen. Die schmächtige Statur erinnert nur wenig an seinen berühmten Cousin.


Doch auch das werde er schaffen. Genauso wie die Integration in Deutschland. Dabei hat er einen unschätzbaren Vorteil. Sein bescheidenes Auftreten entspricht so gar nicht dem gängigen Klischee des unsteten Südamerikaners.

Beeindruckend ist vor allem sein Realitätssinn, falls der ganz große Plan scheitern sollte. „Jefferson unterstützt mich wirklich gut und sagt mir immer was ich an meinem Spiel noch verbessern kann. Ich werde wirklich alles geben, um in einigen Jahren auch einmal vom Fußball leben zu können“, verdeutlicht Orbegozo Chang Kau. „Aber wenn es nicht klappt, möchte ich trotzdem auf jeden Fall hier bleiben. Und einen ganz normalen Beruf erlernen und damit mein Geld verdienen.“

Und dann sagt er zwei Sätze, in denen so viel gesellschaftspolitische Wahrheit stecken. In denen er aber auch seine ganze Wertschätzung und seinen Respekt für das Land ausdrückt, in dem vermeintlich Milch und Honig fließen und das für so viele Menschen die Endstation Sehnsucht ist. „In Deutschland geht das. Das ist der größte Unterschied zu Spanien.“ Was er nicht sagt, aber meint: „Auch deshalb bin ich hier“. Orbegozo Chang Kau weiß: Nicht nur gute Fußballprofis, auch gute Fachkräfte sind in Deutschland immer willkommen. Und damit hat er wahrlich schon viel gewonnen.

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