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Stimmen zur Reform
"Man macht den Fußball kaputt"

WFLV: Die Stimmen zur Regionalliga-Reform

Was halten die Beteiligten davon, wenn die Regionalliga-West zur NRW-Liga wird und direkt danach die Landesklassen Westfalen, Nieder- und Mittelrhein kommen?

Ligasprecher Oliver Kuhn ist nicht zufrieden.

Oliver Kuhn („Boss“ der SSVg. Velbert und Ligasprecher): „Wenn es in der kommenden Saison einen erhöhten Aufstieg in die Regionalliga geben sollte und gleichzeitig die Oberliga wegfällt, wäre es für die unteren Spielklassen fatal. Außerdem sollen die Regionalliga-Bestimmungen ja auch etwas gedrosselt werden. Die Gehälter machen den größten Batzen des Etats aus. Wenn die Verbandsligen direkt unter den Regionalligen wären, sind die Spieler froh, nach oben zu kommen. So kann man ja vielleicht auch die Kosten im Zaun halten und mit einem ähnlichen Etat wie in der NRW-Liga auskommen. Doch eins ist klar: Der neue Kurs soll jetzt aber auch langfristig Bestand haben und nicht nach drei Jahren wieder umgeworfen werden. Dass dabei die Oberliga abgeschafft werden würde, finde ich nicht gut, denn alle Vereine würden dann drastisch abgestuft. Mir graut es jedenfalls vor der nächsten Saison, denn dann heißt es: Friss oder stirb! Wenn man nicht dabei ist, kann man den Laden auch gleich dicht machen.“

Horst Darmstädter hat schon viele Kämpfe gegen den Verband ausgetragen.

Horst Darmstädter (Chef des VfB Hüls): „Die ganze Geschichte ist nicht begrüßenswert, weil es eine Reform der Reform ist. Jetzt, wo es anfängt, dass sich die NRW-Liga langsam etabliert, soll sie wieder abgeschafft werden. Das ist schade. Ja, ich weiß, dass ich immer gegen diese Klasse war, allerdings muss ging es mir hauptsächlich gegen die Aufnahme der insolventen Klubs. Die Jauchegrube Deutschlands war auf die ganzen Zweitvertretungen gemünzt, die es aber gar nicht gibt. Deswegen ist es schade. Klar ist aber auch, dass es zukünftig schwer wird, den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Ich weiß nicht, was ich von den Brüdern beim Verband halten soll. Einmal so, dann wieder so. So macht man den Fußball kaputt.“

Michael Lusch (Trainer Westfalia Rhynern): „Für viele Vereine in der NRW-Liga ist es ohnehin schwierig, wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Das betrifft auch uns. Aus sportlichen Gründen sind wir natürlich froh, uns als Aufsteiger mit Traditionsvereinen wie Rot-Weiss Essen, Westfalia Herne oder Fortuna Köln messen zu dürfen. Doch leider herrscht in der Liga ein großes Ungleichgewicht zwischen den Klubs, die sich diese Spielklasse leisten können und dem Rest. Manche arbeiten fast unter Profibedingungen, wir hingegen sind eben nur Amateurfußballer.“

Markus Reiter sieht es als Amateur-Trainer etwas anders.

Markus Reiter (Coach des MSV Duisburg II): „Wenn man dann die Flaggschiffe wie RWE oder Siegen herausnimmt, wird die NRW-Liga noch unattraktiver. Doch wenn man sie nun gänzlich abschafft, tut man dem Land und den Vereinen nichts Gutes. Man versucht zwar, den Bundesligisten entgegenzukommen, doch es ist unheimlich schwierig, allen gerecht zu werden. Für das einzelne Talent in der A-Jugend wird der Sprung in den Seniorenfußball so viel schwieriger. Die NRW-Liga ist für einen Niederrheinliga-Spieler ein gutes Sprungbrett, aber das Niveau wird verflachen, wenn man die Topklubs wieder herausnimmt. Da könnten einige Talente verschwinden. Außerdem ist die Informationspolitik des Verbandes diesbezüglich nicht glücklich.“

Damian Jamro möchte wieder die Oberliga Nordrhein und Westfalen.

Damian Jamro (Teammanager RW Essen): „Im Westen würde das Pyramidensystem oberhalb der Verbandsliga ganz wegbrechen und nach oben hin alles nur noch eingleisig verlaufen. Die alte Regelung mit der Oberliga Niederrhein und Westfalen wäre glücklicher. Im Prinzip ist man dann aber wieder bei der alten Regelung angekommen, da fragt man sich: wozu eigentlich die ganzen Reformen?“ Heinz Schneider („Boss“ TuRU Düsseldorf): „Wenn es in der kommenden Saison keinen Aufsteiger geben würde, fände ich es nicht in Ordnung. Dann würde man ein Jahr verlieren. Ich finde es besser, wenn man den Meister direkt in die Regionalliga aufsteigen lassen würde. Wir werden trotz der ganzen Reformen versuchen, schon in diesem Jahr aufzusteigen. Was danach kommt, müssen wir abwarten, denn auf die Entscheidungen haben wir ja ohnehin keinen Einfluss.“

Didi Schacht (Trainer und Sportlicher Leiter 1. FC Kaan-Marienborn): „Gäbe es wirklich keinen Aufsteiger, ginge es ja ein Jahr lang nur um die ‚goldene Ananas‘. Da wäre ja eine Saison lang jeglicher sportliche Reiz weg, welchen Anreiz soll ich da als Spieler oder Trainer noch haben? Dann brauche ich mich nicht mehr über Siege zu freuen und über Niederlagen zu ärgern, aber das kann ich auch mit dem VfB Bierbrunnen haben. Oder denken sie mal an die Sponsoren, das Hauptargument denen gegenüber ist ja wohl immer noch der sportliche Erfolg. Dann kann der Verband ja mal 50 Prozent der Kosten übernehmen. Das Modell ist für mich unmöglich, wenn es wirklich so kommt ist das für mich nur noch lachhaft. Da wurde mal wieder nicht richtig nachgedacht und man sieht, dass auf die unteren Klassen anscheinend gar keine Rücksicht genommen wird.“

Jörg Kowalski sieht eine immer größer werdende Kluft.

Jörg Kowalski (Sportlicher Leiter DSC Wanne-Eickel): „Ich habe das Gefühl, dass die Kluft nach einer Neuordnung zwischen Regionalliga und Verbandsligen noch größer wird. Wir in Wanne-Eickel gehören vielleicht zu den wenigen Vereinen, die zum Beispiel ein Stadion haben, dass den hohen Anforderungen der Verbände gerecht wird. Aber wenn ich von einer 18er-Verbandsliga ausgehe, schätze ich, dass davon höchsten fünf Vereine überhaupt noch realistisch den Aufstieg in die Regionalliga anpeilen können.“ Norbert Lewandowski (Fußball-Abteilungsleiter TuS Ennepetal): „Das klingt für uns als sei das nächstes Jahr dann ein verlorenes, ein verschenktes Jahr. Gerade für uns als aufstrebender Verein ist das natürlich überhaupt nicht zufriedenstellend. Das alles ist natürlich ein ganz komplexes Thema, was mich aber stört ist der Entscheidungsprozess. Da wird man als Verein eingeladen und dann heißt es bei der Abstimmung im Prinzip: ‚Seid ihr einverstanden? Denn nein sagen könnt ihr eh nicht!‘“

Lakis Kourkoudialos sieht in der Reform eine Chance.Kourkoudialos

„Lakis“ (Präsident KFC Uerdingen): „Fakt ist, dass die Regionalligen so nicht funktionieren können. Es sind viele Zweitvertretungen dabei, die wenig Zuschauer mitbringen. Vor allem die Traditionsverein leiden darunter. Man darf bei allen Planungen als Verbund den wirtschaftlichen Faktor nicht aus den Augen verlieren, weil es immer schwieriger wird, Sponsoren zu finden. Es gibt immer weniger Gönner. Die Planungen könnten uns entgegen kommen. Wenn wir es schaffen sollten, in dieser Saison aufzusteigen, hätten wir in der nächsten Spielzeit die große Chance auf den Sprung in die Regionalliga. Außerdem wäre auch der doppelte Abstieg durch die Einführung der 3. Liga wieder ein wenig zurecht gerückt. Ich bin sehr gespannt, wie am Ende die Lösung ausschauen wird.“

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