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Frauen geben sich nicht geschlagen

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VfL Bochum: Frauen geben sich nicht geschlagen

Eine Woche ist es jetzt her, dass die Frauen des VfL Bochum von ihrem Rausschmiss erfahren haben. Verdaut haben sie die Nachricht immer noch nicht.

Das war ein Nackenschlag für die Frauen des VfL Bochum. Ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit erfuhren sie vom Vereinsvorstand, dass die Frauen- und Mädchenmannschaften zum Ende der Saison 2014/15 aus dem Verein ausgeschlossen werden. Doch die Spielerinnen und Verantwortlichen geben sich kämpferisch.

So richtig fassen kann es Sabrina Gesell auch eine knappe Woche nach bekanntwerden der Neuigkeiten noch nicht. Der Schock sitzt bei der Trainerin der ersten Frauenmannschaft noch immer richtig tief. „Je länger ich drüber nachdenke“, erklärt sie enttäuscht, „je weniger kann ich glauben, dass ein Traditionsverein wie der VfL Bochum so eine Entscheidung getroffen hat.“

Es geht um 150.000 Euro

Doch was genau hat der Verein entschieden? Der VfL Bochum muss sparen. Deshalb wird an allen Ecken und Enden das Geld gekürzt. Sogar der Lizenzspieler-Etat wurde vor der Saison noch einmal gesenkt. Jetzt geht es auch den Frauen, die nach Beginn der Kooperation im Jahr 2008 erst 2010 in den Verein eingegliedert wurden, an den Kragen. 150.000 Euro muss der VfL im Jahr für diese sechs Mannschaften (drei Frauen-, drei Mädchenteams) berappen. Zu viel, wie Finanzvorstand Wilken Engelbracht befindet.

Seit er zu Beginn der Saison das Zepter der Bochumer Finanzen übernommen hat, wird knallhart der Rotstift angesetzt. Doch statt bei den Damen zu überlegen, wie man den Betrag möglicherweise noch ein wenig senken kann, werden die Spielerinnen direkt aus dem Verein geworfen. „Es stimmt mich traurig, wie der Verein mit uns umgeht“ Sabrina Gesell, Trainerin der VfL-Frauen


Mehr noch, als über die Tatsache, dass man sich von den Frauen- und Mädchenmannschaften trennen will, ärgert Gesell das Vorgehen des Vereins. „Nachdem wir Trainer und Betreuer informiert wurden, stand auch schon direkt eine Meldung auf der Homepage des Vereins. Wir hatten gar keine Möglichkeit, es unseren Spielerinnen zu sagen. Die haben die Nachricht fast alle aus der Presse und dem Internet erfahren.“

Kommentar Der Frauenfußball ist beim VfL Bochum ganz sicher nicht das Aushängeschild, das wissen auch die Verantwortlichen. Trotzdem haben die Mädchen und Frauen mit guten Leistungen in den letzten Jahren mit dazu beigetragen, dass der Verein ein gutes Image genießt. Nicht zu vergessen die Modernisierung des Stadions, die in großen Teilen mit der Fußball-WM der Frauen 2011 einherging. Der VfL kann nicht nur die Rosinen picken. Wenn er sich an die Leitlinien der Vereinssatzung hält, dann muss er auch etwas zurückgeben. Es gab schon einmal einen Verein, der mit dem Rausschmiss der Frauenfußballerinnen Geld einsparen wollte, damit es den Herren besser geht: der Hamburger SV. Was es gebracht hat? Nichts – überhaupt nichts!

Und so knapp, wie sich der Finanzvorstand in der rausgegebenen Pressemitteilung zu dem Sachverhalt geäußert hat – „Vor dem Hintergrund der finanziellen Belastung aus diesem Bereich und den von uns angestrebten Einsparungen, sehen wir keine andere Möglichkeit, als diesen Schritt zu vollziehen“ –, so knapp fiel auch das Gespräch mit den Betroffenen aus. Gesell und Co. hatten überhaupt keine Möglichkeit, sich zu der Entscheidung zu äußern, geschweige denn, dass im Vorfeld einmal über Sparmaßnahmen gesprochen wurde. „Wir sind doch die Letzten, die dabei nicht helfen würden“, sagt sie fassungslos. „Wenn es darum gegangen wäre, dass wir selbst ein paar finanzielle Mittel auftreiben, dann hätten wir uns doch gekümmert. Es ist wirklich schade, dass wir so vor den Kopf gestoßen wurden. Es stimmt mich richtig traurig, wie der Verein mit uns umgeht.“

Es gibt keine Alternativen

Zumal die sportlichen Bedingungen bei den Frauen stimmen. Die erste Mannschaft ist vor zwei Jahren in die zweite Bundesliga aufgestiegen, die Zweite spielt nur eine Klasse tiefer in der Regionalliga, die U17-Mädels mischen sogar im Zirkus der ganz Großen mit: In der B-Juniorinnen-Bundesliga. „Wir sind Leistungssportler“, weiß Gesell. Und vielleicht sogar noch mehr, als es ihre männlichen Pendants. Vier Mal in der Woche Training, daneben Schule, Arbeit, nicht zu vergessen die Spiele am Wochenende, die durchaus auch zwei Tage in Anspruch nehmen. „Und das alles für quasi gar nichts“, erklärt die Trainerin. „Wir kosten nicht die Welt, es geht nicht um Millionenbeträge.“

Und genau deshalb wollen die Spielerinnen und Verantwortliche sich nicht so leicht geschlagen geben. Gesell gibt dem Klub zu verstehen, dass sie „in der nächsten Zeit noch einige Gespräche führen“ werde. Gesell appelliert an die soziale Verantwortung, die der Verein den Mädchen und Frauen gegenüber hat. „Wenn es beim VfL nicht klappt, eine leistungsorientierte Abteilung zu führen, dann sehe ich keine Alternativen.“ Schließlich fehlt bei den umliegenden Amateurklubs noch viel mehr Geld, als beim VfL Bochum. Für sie wäre es noch schwerer, Frauen-Zweitligafußball zu stemmen.

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