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DFB
Hummels beleidigt: "Werden auf die Fresse kriegen"

Foto: dpa

Der Abwehrchef betreibt nach dem DFB-Debakel Medienkritik und redet das Spiel schön. Dabei bräuchte die Nationalelf eine gesunde Selbstanalyse.

Wenn Mats Hummels weiß, dass er gleich etwas sagen wird, was Widerstand erzeugt, dann spielt er im Mund mit der Zunge. Ein kurzer Moment Innehalten, als würde die Zunge die Worte noch einmal umkreisen und abwiegen, ob der Schwere ihres Gewichts. Aber dann ist dieser Mats Hummels eben meist doch sehr von Mats Hummels und seiner Zunge überzeugt. Der Widerstand darf dann gern kommen.

Eine Stunde nach dem 0:3 gegen die Niederlande am Sonnabend, ein Spiel, das sich am Ende zu einem Debakel für den deutschen Fußball auswachsen sollte, ließ der Abwehrspieler vom FC Bayern also kurz die Zunge kreisen. Dann sagte Hummels: „Es wird ja momentan auf alles und jeden draufgeschossen. Ich finde das respektlos vor dem, was die Spieler immer noch zeigen.“ Angesprochen wurde Hummels da auf seine unmittelbar nach der Partie verweigerte Selbstkritik: „Jetzt stehen wir hier mit einem 0:3 und werden auf die Fresse kriegen. Aber so viel können wir uns heute nicht vorwerfen. Wir haben in Holland ein Spiel gemacht, in dem wir mindestens zwei, eher drei Tore schießen müssen. Am Ende werden wir zweimal ausgekontert“, hatte der 29-Jährige im TV gesagt. Weil er mit diesen Worten auch noch schriftlich wiedergegeben wurde, beschwerte sich Hummels später via Twitter: „Kritisiert ruhig liebe „Journalisten“ , aber zitiert wenigstens richtig @ZDFsport und @SkySportDE . So hat das mit Seriosität nichts zu tun“, schrieb er.

Hummels fühlt sich ungerecht behandelt

Es ist jetzt also schon soweit gekommen, dass ein Spieler bereits empört ist über Kritik, bevor sie überhaupt erhoben wurde. Und dass er sich dann noch darüber echauffiert, dass man diese Empörung transportiert.

Nun ist es so: Direkt nach einer intensiven Partie sollte man nicht jede Aussage in voller Schwere abwiegen. Doch Hummels fand auch eine Stunde später noch, als er längst abgekühlt und geduscht zu weitere Interviews erschien, ungerecht behandelt zu werden. „Es ist ja nicht so, dass wir in der Vergangenheit leben, sondern dass wir eine wirklich gute Mannschaft haben und dass wir mit die Besten sind, in dem, was wir machen. Wir haben viele Topspieler. Aber wir werden teilweise behandelt wie Vollamateure“, sagte der Innenverteidiger. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich Hummels der Mechanismen in seiner Branche durchaus bewusst ist. „Wir müssen damit leben. Das wird im Fußball immer so bleiben“, sagte er. Hummels fand deshalb, einen einst von Mario Basler erhobener Vergleich, wonach das hohe Gehalt von Fußballprofis eine Art Schmerzensgeld für die viele kritischen Stimmen sei, „sehr gut nachvollziehbar“.

Chefmedienkritiker Kroos

Nun ist Mats Hummels eigentlich einer der klügsten Köpfe im DFB-Team. Dass sich ausgerechnet ihm der Blick für den Ernst der Lage verstellt, ist daher das eigentlich alarmierende Signal. Denn nach dem desaströsen WM-Sommer und dem neuerlichen Tiefschlag jetzt bräuchte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw eine gesunde Selbstanalyse, um wieder den Weg aus der Dunkelheit der eigenen Unzulänglichkeiten herauszufinden. Aber auch Toni Kroos tat sich eher mit Schönreden hervor. „Ich fand das Spiel heute fußballerisch besser als das 0:0 gegen Frankreich. Da haben wir auf viele Dinge geachtet, aber der Fußball hat ein wenig gelitten. Das haben wir diesmal viel besser gemacht. Dass das so nicht analysiert wird, ist mir aber auch klar“, sagte Kroos. Der 28-Jährige hatte sich während der WM noch als Chefmedienkritiker hervorgetan, als er sagte, in Deutschland gebe es einige Leute, die sich ein frühes Aus wünschen würden. „Aber so einfach machen wir es denen nicht.“ Nun gehen ihm allerdings langsam die Argumente aus.

Zumindest Löw wollte es sich nicht ganz so einfach machen. Die fehlende Effizienz vor dem Tor, die Hummels noch als ein Hauptproblem ausgemacht hatte, ordnete der Bundestrainer anders ein: „Es war natürlich nicht alleine die mangelnde Chancenverwertung“, sagte der 58-Jährige. Dass es am Ende eine hohe Niederlage wurde, die die Ausgangslage in der Nations-League-Gruppe A1 noch schlechter werden ließ, daran gab Löw dann auch seinen Führungsspielern wie Hummels und Kroos eine Mitschuld: „In den letzten zehn Minuten müssen Spieler die Verantwortung übernehmen und nicht vogelwild irgendwo rumlaufen. Diese herbe Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben“, sagte er. Es war wenigstens eine selbstkritische Stimme. Autor: Jörn Meyn

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