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WM 2018
So viel Bundesliga steckt im Finale

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Foto: firo

Die prägenden Figuren dieses WM-Turniers spielen nicht in Deutschland. Das verrät auch etwas über den internationalen Status des FC Bayern München.

Mario Mandzukic (32) sieht meistens schon aus, als sollte man ihm lieber glauben, was er sagt. Der Stürmer misst 1,90 Meter, sein Körper ist so drahtig, kantig, spitzknochig, dass sich erahnen lässt, wie es sich anfühlt, gegen ihn zu spielen. Er steht für die Unbeugsamkeit und den unbedingten Siegeswillen dieser kroatischen Mannschaft, die sich bislang bei dieser Weltmeisterschaft gegen alle Widerstände durchgesetzt hat. „Wir fürchten uns nicht“, sagte der Mann, als das Turnier in die entscheidende Phase einbog. Ein Satz, der auch vor dem Finale am Sonntag (17 Uhr/ZDF) in Moskau gegen den nächsten Favoriten Frankreich gilt.

Aber Mandzukic steht für etwas, das sich eigentlich ausschließt und doch vereinbar ist: für den Bundesliga-Faktor in diesem Endspiel, der erstaunlich hoch und zugleich erschreckend gering ist. Und das erzählt vor allem etwas über den nationalen Marktführer, den FC Bayern. Immerhin: Eine beeindruckende Serie setzt das Flaggschiff des deutschen Fußballs fort. Seit 1982 stand immer mindestens ein Münchener Profi im WM-Finale.

In den Jahren ohne deutsche Endspiel-Beteiligung waren dies Jorginho (Brasilien/1994), Bixente Lizarazu (Frankreich/1998), Willy Sagnol (2006) sowie Mark van Bommel und Arjen Robben (Niederlande/2010). Neben Bayern kann nur der italienische Traditionsklub Inter Mailand auf eine solche Serie verweisen.

Hoffnungen ruhen auf Tolisso

Der dieses Mal aus München Entsandte ist Corentin Tolisso, Mittelfeldspieler, der im Kader Frankreichs aber nur eine Nebenrolle spielt – vermutlich auch im Finale. Nur ein Bayern-Spieler im WM-Finale – 2014 waren es sieben. Darunter: Siegtorschütze Mario Götze. An Tolisso hängen die Münchener Hoffnungen, dass eine andere Serie doch noch ihr Ende nimmt. Denn beim Turnier in Russland hat noch kein Profi des FC Bayern ein Tor erzielt. Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es 18 Bayern-Treffer. Mit Abstand Bestwert.

Im deutschen WM-Kader standen dieses Mal sieben München-Profis, allerdings mit Thomas Müller nur ein Offensivmann. Kein Treffer, Vorrunden-Aus. Der kolumbianische Angreifer James Rodriguez traf ebenso wenig wie der spanische Mittelfeldmann Thiago. Für beide war im Achtelfinale Schluss. Noch ärger: Stürmer Robert Lewandowski, derzeit offenkundig an einer Schaffenskrise leidend, verabschiedete sich mit Polen schon in der Vorrunde – ohne Tor. Kein Bayern-Treffer bei einer WM? Das gab es zuletzt 1990 – erstaunlicherweise trotz Titelgewinns. Jener Lewandowski wechselte im Jahr 2014 übrigens von Borussia Dortmund zum FC Bayern.

Einen anderen Stürmer schickten die Münchener in jenem Sommer fort: Mario Mandzukic. Im Halbfinale gegen England, als Kroatien zum dritten Mal in Serie in eine Verlängerung musste, schoss der Profi von Juventus Turin den Treffer zum 2:1. Die Vorlage kam von Ivan Perisic, der den Ausgleich erzwungen hatte. Der Offensivspieler kickte früher bei Borussia Dortmund, danach – wie auch Mandzukic – beim VfL Wolfsburg.

Und dann wäre da noch Ivan Rakitic, der in Schalke den Durchbruch nicht schaffte, seit 2014 aber unverzichtbare Größe des FC Barcelona ist. Die Bundesliga als Ausbildungsliga für die Stars von heute und morgen? Zumindest ist aus der Weltmeisterliga eine geworden, die überholt zu werden droht.

Fünf Bundesligisten haben Spieler im Finale

Fünf Bundesligisten haben einen Spieler im WM-Finale: Die Bayern (Tolisso) und der VfB Stuttgart (Pavard) sind auf französischer Seite vertreten, Eintracht Frankfurt (Ante Rebic), Bayer Leverkusen (Tin Jedvaj) und die TSG Hoffenheim (Andrej Kramaric) auf kroatischer. Wohlwollend kommt der FC Schalke 04 als sechster Klub hinzu: Kroatiens Marko Pjaca von Juventus Turin war bis zum 30. Juni noch nach Gelsenkirchen verliehen. Damit liegt die deutsche Liga gleichauf mit der englischen Premier League, aber hinter der französischen, spanischen (jeweils 10) und italienischen (7). Doch die prägenden Figuren dieser WM spielen nicht vor deutschem Publikum.

Und selbst jene, die gerade groß werden, könnte es wieder wegziehen. Außenverteidiger Pavard hat sich ins Notizbüchlein der europäischen Topklubs gespielt, Rebic stürmte schon im DFB-Pokalfinale dem FC Bayern davon. Beiden Spielern wird ein Münchener Interesse nachgesagt. Derweil hat sich Juventus Turin gerade Cristiano Ronaldo von Real Madrid angeschafft. 117 Millionen Euro, die internationale Aufmerksamkeit und sportliche Leistungsfähigkeit steigern. Von beidem könnte auch die Bundesliga mehr vertragen.

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