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Videobeweis
Konfusion auf dem Höhepunkt

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Streich, Streich
Foto: Screenshot

Der denkwürdige Elfmeter in Mainz war unglücklich – aber regelkonform.

Am Tag nach dem denkwürdigen Elfmeter-Pfiff war der Spott noch immer groß. Entscheidet der Videoassistent, wann ein Spiel zu Ende ist? Müssen demnächst Spieler wieder aufs Feld, wenn sie längst im Bus sitzen? So extrem wie die Reaktionen im Internet war es nicht beim Bundesliga-Spiel zwischen Mainz 05 und dem SC Freiburg (2:0). Doch die Tatsache, dass Schiedsrichter Guido Winkmann die Spieler aufs Feld zurückholte, weil in Köln Video-Assistentin Bibiana Steinhaus ein Handspiel bemerkt hatte, machte den Videobeweis um ein Kuriosum reicher. Wir beantworten wichtige Fragen.

Warum dauerte das so lange? 17 Sekunden, nachdem Marc-Oliver Kempf die Hereingabe des Mainzers Daniel Brosinski mit der Hand abgefälscht hatte, pfiff der Kerkener Winkmann zur Halbzeit. Während sich die Spieler bereits in die Kabinen begaben, bekam der Schiedsrichter das Signal aus Köln. Steinhaus meldete sich etwa eine Minute nach der fragwürdigen Szene. Die Dauer war oft Diskussionsthema, aber die Fifa-Regelhüter IFAB vertreten einen klaren Standpunkt: „Die Genauigkeit ist wichtiger als Schnelligkeit“, heißt es in den Grundsätzen. Winkmann selbst brauchte nur fünf Sekunden, um die Szene zu prüfen. „Zeitlich ist es sehr unglücklich, aber grundsätzlich sehr richtig gelaufen“, sagt Lukas Brud, Geschäftsführer des International Football-Association Board (IFAB), dieser Zeitung.

Wäre ein Nachschuss erlaubt gewesen? Nein. „Ich habe die Spieler darauf hingewiesen, dass die Zeit abgelaufen ist und ich keinen Nachschuss zugelassen hätte“, sagte Winkmann. Trotzdem mussten alle Spieler zurück aufs Feld. Das schreibt das Regelwerk so vor, da es sich um eine Spielfortsetzung handelt.

Wie fallen die Reaktionen aus? Freiburgs Trainer Christian Streich wollte den Vorfall erst unkommentiert lassen, sagte dann aber doch: „Sollen sie machen, was sie machen wollen. Deshalb heißen sie Schieds-R i c h t e r.“ Der DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich fand deutliche Worte: „Das sind Szenen, die will keiner haben. Das ist nicht schön, das ist keine Werbung für den Ablauf, aber es war nicht anders möglich.“

Durfte der Schiedsrichter in der Pause seine Entscheidung ändern? Winkmann erklärte, eine Halbzeit unterbreche ein Spiel nur. Nach Schlusspfiff wäre das nicht mehr möglich. Aber laut IFAB ist auch das möglich. Begründung für die Irritation: Die ursprünglichen Regeln der IFAB sind auf Englisch verfasst. Die deutsche, vom DFB abgesegnete Version weicht von den Vorgaben ab. Da heißt es, ein Schiedsrichter dürfe seine Entscheidung nicht mehr ändern, wenn er das Spiel beendet hat.

Muss sich der Schiedsrichter auf dem Spielfeld befinden? Ein Spielfeld ist durch die Seitenlinien definiert. Hat Winkmann dies also verlassen und danach den Hinweis von Steinhaus bekommen? Die IFAB schreibt in ihren Grundregeln vor, dass der Schiedsrichter sichtbar sein sollte. Lukas Brud gibt Gesprächsbedarf zu: „So einen Fall gab es bislang noch nicht. Das ist ein Präzedenzfall, über den wir diskutieren müssen.“

Könnte es ein Wiederholungsspiel geben? Eher nicht. Der Videobeweis befindet sich noch in der Testphase. Fehler des Videobeweises sollen nach Auffassung des IFAB keine Konsequenzen nach sich ziehen.

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