Kommentar

Revierderby: Wunder gibt’s immer wieder

26. April 2019, 10:49 Uhr

Foto: firo

Man verfolgt das Derby-Geschehen mittlerweile ja einige Jahrzehnte. Aber so ein groteskes Ungleichgewicht hat es vielleicht gegeben, als die beiden Revier-Giganten wechselweise eine Klasse tiefer als der Gegner kickte (BVB in den Siebzigern, S04 in den Achtzigern), aber sonst nie wieder.

Dabei liefern die Klubs in ihrer aktuellen Entwicklung vortreffliche Werbung für die Schnelllebigkeit des Profifußballs. Borussia machte alles richtig, Schalke alles falsch. So einfach erklärt sich die Gemeingelage vor dem Derby am Samstag – Dortmund vor dem Titel, Schalke vor dem Abstieg.


Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Von den sattsam bekannten Kommentatoren, die im TV ihr Unwesen treiben, hat es sich niemand entgehen lassen, Schalke in den letzten Wochen in Grund und Boden zu stampfen. Wie blöd der Vorstand, wie ahnungslos der Trainer, wie grottig das Team. Wer sich das von Lothar Matthäus und Stefan Effenberg sagen lassen muss, der ist notwendigerweise ziemlich am Ende.

Da drängt es einen ja geradezu nach positiven Aspekten. Weiß ja jeder, dass alles nur Kopfsache ist und in der neuen Saison – sofern die Laufende irgendwie als Erstligist überstanden wird – alles wieder bei null anfängt. Aber dann gestärkt vom Fegefeuer, durch das die Mannschaft gerade geht. So schlecht kann jeder einzelne Akteur für sich und als Mannschaft gar nicht sein, wie es sich derzeit darstellt. Wie es zu dieser bodenlosen Verkorkstheit dieser Spielzeit kommen konnte, dazu wird es vielleicht Fingerzeige geben, wenn sie denn in die Vereinschroniken ganz tief vergraben werden kann. Aktuell, und schon gar nicht vor dem Derby, würde es noch fehlen, wenn sie sich gegenseitig zerfleischen. Zumal der Hauptverantwortliche ja verschwunden ist wie eine Glocke im Meer.

Wie geht das Spiel am Samstag aus? Vor dem Hintergrund, das Schalke Woche für Woche nach dem ersten Gegentor zusammenbricht wie eine E-Jugendtruppe, dessen beste Spieler auf Klassenfahrt sind, ist aus blau-weißer Sicht das Schlimmste zu befürchten. Laufduelle sollten auf den Außenpositionen, wenn möglich, vermieden werden. Aber wie? Mascarell gegen Reus – nun, ja. Es muss eine Menge Unmögliches zusammen kommen, um nach 90 Minuten texten zu können: „Wunder gibt es immer wieder.“ Aber diese Überschrift machte schon was her.

Autor: Ulrich Homann

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26.04.2019 - 15:18 - Fan04

@ Kuk

Kompliment,
ihre Kommentare sind immer Objektiv und fair, da können sich die Kommentatoren im RV eine Scheibe von abschneiden.
Mach weiter so und das ist Ehrlich gemeint.

Schöne Grüße aus dem Pott

26.04.2019 - 14:49 - Kuk

@Ulrich Homann
Auf diese Meinung"Borussia machte alles richtig, Schalke alles falsch." haben Sie wahrscheinlich exclusiv für Sich alleine - wahr ist jedoch nicht !

26.04.2019 - 14:42 - Kuk

@Ulrich Homann:
"Borussia machte alles richtig, Schalke alles falsch."
Es scheint, als gäbe es auch in diesem Portal "...Kommentatoren, die .. ihr Unwesen treiben." um es mit ihren Worten zu formulieren.

26.04.2019 - 14:35 - easybyter

Ich denke, dass weder Dortmund alles richtig noch Schalke alles falsch gemacht hat. In Dortmund hat man auch etwas Glück gehabt neben dem hart Erarbeiteten und in Schalke ist zu den Fehlern, die sicherlich gemacht worden sind auch viel Pech gekommen. Ich erinnere nur an die Zeit, in der man fast ohne einen echten Stürmer spielen musste. Was Leute wie Effenberg oder Mattäus so von sich geben, nimmt doch eh niemend mehr ernst und dass Schalke bei vielen TV-Kommentatoren schlecht wegkommt ist auch hinlänglich bekannt. Sachliche und einigermaßen neutrale Berichterstattung sieht und liest man nur noch sehr selten. Es wird alles gerne auf Sensation getrimmt und Schalke war immer schon ein dankbares Objekt für Häme. Und nach den einigermaßen sachlichen Worten von Herrn Homann, kann es es sich dann doch nicht verkneifen, Schalke mit einer E-Jugendmannschaft zu vergleichen, bei der die besten Spieler auf Klassenfahrt sind. Das liest sich locker flockig, ist aber nicht besser als das, was die o.g. Herren so von sich gegeben haben. Es wird leider auch nicht zu der Überschrift kommen "Wunder gibt es immer wieder", denn Dortmund wird das Spiel gewinnen, wenn da nicht ganz außergewöhnliche Dinge passieren. Schalke ist zur Zeit einfach zu schwach für eine Überraschung. Wenig durchschlagskräftig vorne und zu fehlerhaft hinten. Es gibt immer wieder gute Phasen, aber dann folgt meist eine katastrophale und das Spiel ist dann entschieden. Manchmal gibt es noch in der 95. Minute einen fragwürdigen Elfmeter gegen Schalke, wenn man sich einen Punkt gegen einen guten Gegner erkämpft zu haben glaubt.

26.04.2019 - 12:34 - Fan04

Borussia machte alles richtig und Schalke alles falsch.
Was für ein Quatsch wird hier wieder geschrieben.
Im Champions League Achtelfinale waren beide Mannschaften chancenlos und im DFB Pokal war für die gelben schon vorher Schluss.
Davor sind sie sang und klanglos in der Champions League gescheitert siehe Nikosia.
Gegen einen drittklassiger Gegner gab's nur zwei Unentschieden.

Das wir nach der Vize Meisterschaft jetzt so abgestürzt sind hat andere Gründe und wird sich in der nächsten Saison in der ersten Liga nicht wiederholen.

Dafür hat Schalke ein zu gutes Wirtschaftliches Konstrukt und bis Ende 2021 entsteht auf und am Berger Feld ein Projekt, das in Europa einzigartig ist: Zwei Stadien, (fast) zehn Trainingsplätze, Gastronomie, Fan-Shop, Geschäftsstelle, diverse Sport-Abteilungen sowie die Profi- und Jugend-Abteilung der Fußballer alles zusammenhängend auf einem Gelände. Das gibt es nirgendwo!

Und das ihr die Schalker jetzt mit den insolventen Verein der 80 Jahre vergleicht ist lächerlich wie der gesamte Artikel.

26.04.2019 - 12:30 - yayabinx

Der beste Kommentar in RS den ich je gelesen habe. Chapeau Herr Homann.
Das Wunder wird nicht kommen. Aber vielleicht haben wir ja ein wenig mehr Glück wie in der letzten Zeit und es wird ein Unentschieden.

26.04.2019 - 12:23 - Schalker1965

"Die Hoffnung stirbt zuletzt" dürfte der einzige Strohhalm sein, an den man sich im Augenblick als Schalker klammern kann. Wenn eine historisches Debakel abgewendet werden soll, muss jeder Schalker mindestens 120% seines Leistungsvermögens rauskitzeln. Dann muss versucht werden, die keineswegs sattelfeste BVB-Defensive zu beschäftigen und auf diese Weise die starke Dortmunder Offensive vom eigenen Tor fernzuhalten. Dies setzt aber voraus, dass ein Sturm und Mittelfeld auf dem Platz steht, was diese Bezeichnung verdient. Im Sturm würde ich gern Kutu und Teuchert sehen, die sich hoffentlich in der U23 ein wenig Selbstvertrauen erspielt haben. Und im Mittelfeld muss neben den "Zerstörungsqualitäten" endlich ein wenig Kreativität auf den Platz, um die Spitzen einmal torgefährlich einzusetzen, und nicht nur bei Standards. Da hilft vielleicht das Video von Hoffenheim aus der letzten Woche. Die haben uns gezeigt, wie einfach Fußball eigentlich sein kann. Und vielleicht hilft hinten der liebe Gott, in dem er Nübel einen Sahnetag schenkt. Also Daumen drücken und eine Kerze aufstellen für das Wunder von Dortmund. Glück auf!