3. Liga

Was macht eigentlich... Ex-Duisburger Peter Schyrba?

RevierSport
18. Oktober 2020, 10:19 Uhr
Peter Schyrba (Mitte) arbeitet heute bei der Deutschen Bahn. Foto: Deutsche Bahn/Laura Reich

Peter Schyrba (Mitte) arbeitet heute bei der Deutschen Bahn. Foto: Deutsche Bahn/Laura Reich

Als junges Talent schnupperte Peter Schyrba beim MSV Duisburg mal drei Minuten Bundesligaluft. Später war der Verteidiger Führungsspieler bei Vereinen wie Holstein Kiel, Preußen Münster und Hansa Rostock. Heute arbeitet er in einem komplett anderen Berufsfeld.

Peter Schyrba war fast fünfzehn Jahre lang Profi, spielte als Verteidiger unter anderem für Preußen Münster, Holstein Kiel, Hansa Rostock und den MSV Duisburg. Sein neuer Beruf spielt sich meist auf den Bahngleisen und nicht auf dem Rasen ab. Und wenn er Fans trifft, dann skandieren sie nicht seinen Namen, sondern fragen den gebürtigen Mülheimer nach der richtigen Zugverbindung. Seit vier Jahren arbeitet Schyrba nun am Standort Düsseldorf als Kundenbetreuer bei der Deutschen Bahn.

„Wir sind Anlaufstelle für Bahnkunden, die mit Fragen zu uns kommen“, erzählt der 40-Jährige im Gespräch mit RS. Als Teamleiter des Prüfdienstes ist Schyrba hauptsächlich im Büro tätig und koordiniert die Abläufe. Zudem schaut er regelmäßig zusammen mit seinen Kollegen in den Zügen nach dem Rechten. Haupteinsatzgebiet ist der S1-Abschnitt von Dortmund bis Solingen.

Einen Unterschied zu seiner Zeit als Sportler hat er bereits ausgemacht: „Fußballspiele sind sehr emotional. Hier ist es umgekehrt. Wir suchen immer den sachlichen und freundlichen Dialog.“ Zum Beispiel, wenn er die Gäste darum bittet, ihre Fahrkarten vorzuzeigen oder die Maskenpflicht einzuhalten. „Die allermeisten Reisenden sind sehr diszipliniert“, findet Schyrba, der in Mülheim-Styrum aufwuchs mittlerweile mit seiner Frau in Düsseldorf-Derendorf wohnt.

Schyrbas Onkel arbeitet bei der Bahn

Früher wollte der ehemalige Münsteraner eigentlich Sportjournalist werden, absolvierte ein Schülerpraktikum bei der NRZ und bildete sich am IST-Studieninstitut in Düsseldorf weiter. „Journalismus hätte mich sehr gereizt. Aber ich wollte nach dem Karriereende unbedingt einen Abschluss Tasche haben“, erinnert er sich. Daher begann er eine Ausbildung.

Auch als er diese erfolgreich abgeschlossen hatte, war der Weg zunächst nicht einfach. Ohne Berufserfahrung musste Schyrba sich als Ex-Profi urplötzlich auf den Arbeitsmarkt zurechtfinden. Da war es eine glückliche Fügung, dass sein Onkel als Lokführer bei der Deutschen Bahn arbeitet. Schyrba ließ sich über drei Monate zum Kundenbetreuer umschulen: „Die Trainer leisten hier in den Schulungen sehr gute Arbeit.“ Daher sei die DB vor allem bei Quereinsteigern eine beliebte Anlaufstelle.

Die Führungsaufgaben und der tägliche Kontakt mit den Reisenden liegen ihm. „Man muss eine gewisse Begeisterung für Kunden haben und kommunikativ sein“, findet Schyrba. Da kommt es ihm zugute, dass er in seinen früheren Vereinen meist zweiter Kapitän war oder im Mannschaftsrat saß. Sogar Bundesligaspieler darf er sich nennen. 1999 wechselte ihn der damalige MSV-Trainer beim 3:1-Auswärtssieg bei Hertha BSC Berlin für drei Minuten ein.

„Das war ein gigantisches Erlebnis“, erinnert er sich. Wermutstropfen: „Kurz danach musste ich eine Klassenarbeit schreiben und habe diese dann auch noch komplett verhauen.“ Wenn Schyrba über die Anfänge seiner Laufbahn redet, dann merkt man, wie sich der Fußball verändert hat: „Früher war man erst mit 29 ein gestandener Spieler. Heute beendet man in dem Alter die Laufbahn.“ Statt in der MSV-Kabine habe er bei Platzmangel mitunter draußen auf einer Bierbank gesessen.

„Hajto, Salou und Töfting? Richtig gute Typen!“

Der Durchbruch wollte bei den „Zebras“ zwar nicht gelingen, doch er blickt gerne zurück: „Spieler wie Tomasz Hajto, Bachirou Salou und Stig Töfting waren richtig gute Typen. Von allen habe ich viel gelernt.“ Erst mit 25, nach einem Abstecher Richtung Griechenland zum FC Panserraikos, habe er realisiert, wie sie das Leben als Profi vorgelebt hätten. Ein Jahr lang einsam und von der Familie getrennt gewesen zu sein, sei eine prägende Erfahrung gewesen. Am Ende brachte er es dann auf immerhin 400 Spiele auf nationaler Ebene: „Ich gehöre zu den wenigen Fußballern, die von der Bundesliga bis zur Kreisliga in allen Ligen Deutschlands aktiv waren.“

Autor: Jörn Duddeck

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