Der FC Viktoria Köln steht zum ersten Mal in dieser Drittliga-Saison auf einem Abstiegsplatz. Sportvorstand Franz Wunderlich findet nach dem 2:4 gegen die Bayern-Reserve und dem Sturz in die rote Zone klare Worte.

Abstiegsplatz

Viktoria Kölns Wunderlich: "Dürfen uns nicht bekloppt machen"

10. Februar 2020, 09:54 Uhr

Foto: Thorsten Tillmann

Der FC Viktoria Köln steht zum ersten Mal in dieser Drittliga-Saison auf einem Abstiegsplatz. Sportvorstand Franz Wunderlich findet nach dem 2:4 gegen die Bayern-Reserve und dem Sturz in die rote Zone klare Worte.

Mit 13 Spielen ohne Sieg ging die Viktoria in die Winterpause der 3. Liga. Nach einem erfolgreichen Trainingslager starteten die Kölner mit einem 2:2-Remis in Chemnitz in die Rückrunde. Es folgte der ersehnte Sieg: Am 31. Januar 2020 zeigte der Aufsteiger große Moral und siegte in den Schlussminuten beim Halleschen FC mit 4:3. 

Manch ein Viktorianer hatte die Hoffnung, dass es nun nur noch aufwärts mit der Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev gehen würde. Dass der Bock aber nicht gänzlich umgestoßen wurde, zeigte einmal mehr das 2:4 am vergangenen Spieltag gegen die U23 des FC Bayern München. Wieder wurde die Viktoria ihrem Ruf als "Schießbude der Liga" gerecht und kassierte nach nur 23 Spielen die Gegentore 48 bis 51. Bei der Anzahl der Gegentreffer ist Viktoria Köln Spitzenreiter der 3. Liga.

Im RevierSport-Gespräch findet Franz Wunderlich deutliche Worte zu der Anzahl an Gegentoren sowie der aktuellen Situation rund um Höhenberg.

Franz Wunderlich, was geht in Ihnen vor, wenn Sie auf die Tabelle blicken?
Das ist keine schöne Ansicht. Wir sind alle unzufrieden. Wir sind mit vier Punkten aus zwei Spielen gut in die Rückrunde gestartet. Vor allem der Sieg in Halle zeigte, dass die Mannschaft Qualität besitzt und eine große Moral hat. Aber das Bayern-Spiel war ein Rückschlag.

Inwiefern?
Wir fressen einfach zu viele Gegentore. Wenn wir nicht schleunigst Stabilität reinbekommen, dann wird es verdammt schwer. Ich will keine einzelnen Spieler angreifen, muss es aber auch mal in aller Deutlichkeit sagen, dass unser Abwehrverhalten drittliga-unwürdig ist. Immer wieder haben wir individuelle Böcke drin, die uns um den Ertrag der Arbeit bringen. Das muss ein Ende haben. Jeder muss in den Spiegel schauen und selbstkritisch sein. 

Vor der Winterpause haben Sie betont, dass Trainer Pavel Dotchev zu tausend Prozent der richtige Mann ist. Stehen Sie noch zu diesen Worten?
Mal vorweg: Wir dürfen uns jetzt nicht bekloppt machen. Das wäre ein klassisches Eigentor. Wir sprechen viel, analysieren die Dinge und Pavel weiß auch, woran es liegt, dass es nicht so läuft wie wir es uns alle wünschen. Wir beschäftigen uns keinesfalls mit der Trainerfrage. Jetzt schauen alle gemeinsam, dass wir am Samstag in Unterhaching ein gutes Spiel machen und punkten.

Sieben Jahre haben Sie für den ersehnten Drittliga-Aufstieg mit der Viktoria hart gearbeitet. Was würde passieren, wenn die Viktoria nach nur einer Saison wieder in die Regionalliga West absteigt?
Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Wir haben noch 15 Spiele vor der Brust und alles in der eigenen Hand. 15 Spiele sind verdammt viel. Ich bin von der Mannschaft überzeugt. Sie hat genügend Qualität, um mindestens vier Mannschaften in dieser Liga hinter sich zu lassen. Wir müssen nur die krassen individuellen Fehler abstellen. 

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16.02.2020 - 08:51 - neigefraiche

Diese Ansicht kann ich unter keinen Umständen teilen. Wunderlich und Bunjaku sind nicht für die Gegentore verantwortlich. Je offensiver ein Spieler ausgerichtet ist, desto mehr Risiko muss er in seinem Spiel gehen. Sollten daraus Ballverluste entstehen, obliegt es ihm nicht den Konter bis zum eigenen Strafraum zu verfolgen, allenfalls den Ballbesitz auf den ersten Metern zurückzuerhalten. Alles andere wäre taktisch unklug. Das ist im wesentlichen alleinige Aufgabe der Defensive, und bei überdurchschnittlichen Spielern wie Wunderlich und Bunjaku, gerade in ihrem Alter, insbesondere die ihrer Wasserträger.

An der Spielweise von Wunderlich und Bunjaku gibt es NICHTS auszusetzen. Ein Blick auf die Statistik genügt um einen Beleg dafür zu finden. Der Erfolg gibt den beiden recht. Kein Verein hat zwei Spieler in den Top-10 der Torschützen- und Scorerliste zu vermelden, Viktoria hat! Und der Überbeleg kommt noch: Beide sind an 31 Toren der Viktoria beteiligt, das macht 74%! Wer an ihrer Spielweise etwas ändern will, der beraubt sich ihrer Stärken. Man kann keine Schwächen ausbügeln, indem man an seinen Stärken herumschraubt. Das geht schief. Die Balance muss im Mittelfeld gefunden werden, und zwar im zentralen und defensiven. Dort werden die meisten Abspielfehler gemacht, im Aufbau, nicht im Angriff. Dort müssen Passgenauigkeit, Kreativität, Spielintelligenz, Laufwege, Risikoverhalten, Pressing, Umschaltgeschwindigkeit u.s.w. hinterfragt und Probleme (personell, kommunikativ) gelöst werden. Finger weg also von in Bombenform, gar in bester Form jemals befindlichen Wunderlich und Bunjaku – beide sind Garant für die anhaltende Chance die Klasse noch halten zu können. Ohne ihre Torbeteiligungen wäre Viktoria bereits chancenlos abgeschlagen und müsste für die 4. Liga beginnen zu planen ....

12.02.2020 - 13:01 - simsalabim

Da hat der Sportvorstand recht, das Devensivverhalten der Viktoria ist eine Katastrophe. In meinen Augen fängt es aber schon vorne an. Da muss viel mehr gegen den Ball gearbeitet werden. Wenn ich die Offensivspieler von Viktoria sehe, die traben nur über den Platz. Da müssen Spieler wie Mike und Albert sich auch mal im Zweikampf zeigen und sich mal den ..... aufreißen. Die Trainerfrage stellt sich spätestens nach den nächsten 2 Niederlagen, wenn sie nicht schon jetzt ein Thema ist.

12.02.2020 - 09:35 - neigefraiche

Man macht sich dort schon "bekloppt". Die Unruhe, die von der Niederlagenserie ausgeht, breitet sich insbesondere in der Defensiven aus, macht sich durch individuelle Fehler bemerkbar. Und was macht man da? Jedenfalls nicht Kompetenz anzweifeln! Sowas ist zu einfach, braucht kein Gewissen, ist stillos, lenkt von eigener Inkompetenz ab. Ruhe reinbringen ist angesagt, individuelle Gespräche führen, Stärken wieder hervorkehren und nicht stets Schwächen aufzeigen. Stabile Spieler auf den Platz bringen, die dem Druck gewachsen sind. Das müssen nicht immer die erfahrenen, das können auch Jungspunde sein, die sich als mental unverwüstlich zeigen. Man darf auch mal Risiko gehen. Und so weit weg ist Viktoria nun auch nicht vom Dreier gewesen. Sie ist nah dran, auch gegen den FCB. Lediglich zwei konstante Halbzeiten und ausreichend Puste auf der Zielgeraden des Spiels fehlen .... Daran kann man arbeiten. Zur Not für einige wenige Tage in Hennef .... Ggf. mit Fachpersonal auf psychologischer Ebene .... Das funzt schon. Bin mir dahingehend nicht bange ....

10.02.2020 - 11:45 - Wunderhase

Das was sich da sportliche Leitung nennt ist in der 3.BL mal komplett überfordert. Das hat schon für die RL nicht gelangt. Der beste Beleg, wenn man mit diesen finanziellen Mitteln sieben Jahre zum Aufstieg braucht.