Fortuna Köln steht nach einer dramatischen Schlussphase im Halbfinale des Mittelrheinpokals. Im Stadtderby beim FC Viktoria feierte der Drittligist einen 3:2 (2:1)-Sieg.

Im Derby

Viktoria Köln fliegt aus dem Pokal

Tizian Canizales
26. März 2019, 21:37 Uhr

Foto: RS

Fortuna Köln steht nach einer dramatischen Schlussphase im Halbfinale des Mittelrheinpokals. Im Stadtderby beim FC Viktoria feierte der Drittligist einen 3:2 (2:1)-Sieg.

Als Boné Uaffero den Ball zum 3:2 im Tor unterbrachte, gab es auf Fortuna-Seite kein Halten mehr. Spieler und Trainer fluteten den Platz regelrecht und auch die Fans drehten völlig frei. Das Tor markierte den Schlusspunkt eines höchst interessanten, emotionalen Stadtderbys, in dem der Regionalligist Viktoria am Ende den Kürzeren zog.


Viktoria macht das Spiel, Fortuna trifft zur richtigen Zeit 

„Das war eine tolle Werbung für den Kölner Fußball. Viktoria hat einen riesen Fight geliefert und uns alles abverlangt“, sagte Fortuna-Trainer Tomasz Kaczmarek, der in der Vergangenheit auch schon die Viktoria trainierte.

Sein Team traf auf einen ebenbürtigen Gegner, setzte aber zu den richtigen Zeitpunkten immer wieder empfindliche Nadelstiche. Sowohl das Eigentor von Viktorias Stürmer Sven Kreyer (45.+1) als auch der Siegtreffer von Uaffero (90.+3) fielen in der Nachspielzeit, sodass die Viktoria kaum reagieren konnte. „Zu solchen Zeitpunkten Gegentore zu bekommen, ist natürlich immer heftig. Daran kann eine Mannschaft zerbrechen. Das ist bei uns aber nicht der Fall, weil wir gefestigt genug sind, um dieses Spiel einordnen zu können. Obwohl wir verloren haben, war das vielleicht unser bestes Saisonspiel“, erklärte Viktoria-Trainer Patrick Glöckner.

In der Tat spielte der Regionalliga-West-Tabellenführer engagiert auf, ein Klassenunterschied war kaum zu erkennen. „Ich habe nur eine Mannschaft spielen gesehen. Das waren wir. Fortuna hatte in 90 Minuten keine Chance aus dem Spiel heraus“, sagte Glöckner. „Wir hatten viel Ballbesitz, haben gut umgeschaltet und uns so Torchancen herausgespielt“, erklärte er zum Prinzip des Viktoria-Spiels.

Nach zwölf Minuten ging es im Spiel nach vorne allerdings etwas zu schnell, sodass Hamza Saghiri einen unnötig riskanten Pass im Mittelfeld spielte. Die Fortuna übernahm den Ball und überbrückte ihrerseits das Mittelfeld mit zwei, drei schnellen Pässen. Am Ende stand Hamdi Dahmani frei vor Viktoria-Keeper Sebastian Patzler und schob zur frühen Führung ein (12.)

Der Regionalligist ließ sich aber nicht beeindrucken und übernahm in der Folge die Kontrolle. Am Ende waren die Tore von Kreyer (39.) und Mike Wunderlich (85.) aber einfach zu wenig. Uaferro schockte die Viktoria mit der letzten Szene der Partie.

Kaczmarek freute sich indes schon auf ein mögliches Wiedersehen in der Dritten Liga. „Es wäre toll, wenn wir diese Derbys regelmäßig hätten. Dafür müssen Viktoria und wir unsere Hausaufgaben machen“, sagte er mit Blick auf den Aufstiegskampf in der Regionalliga West und die eigenen Abstiegssorgen in Liga drei.

Fans fallen negativ auf

Leider fielen einige Fortuna- Fans noch negativ auf, als sie gegen Ende der Partie zunächst unter einer großen Fahne vermummten und dann Pyrotechnik zündeten. Der Verein wird dafür eine Geldstrafe bezahlen müssen.

Autor: Tizian Canizales 

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28.03.2019 - 11:29 - neigefraiche

Danke für die Likes ;-)

@simsalabim: Genau, wir treffen die Nägel auf den Kopf – ich mit dem Schonhammer und du mit dem 20-kg-Vorschlaghammer ;-) Uns unterscheidet die Differenzierung, denn längst nicht alles im Verein läuft schlecht. Im Gegenteil, ob professionell oder noch professioneller, was zählt ist die Entwicklung, die ein Verein nimmt, und die Fähigkeit (aus eigenen Fehlern oder Best Practices der Konkurrenz) zu lernen. Letzteres ist nicht zu unterschätzen, denn wer Lernfähigkeit im Verein versammelt hat, ist per se schon professionell aufgestellt. Gegenbeispiel HSV (bis die Uhr abgelaufen ist und darüber hinaus) oder der große FC (Lernfähigkeit begann erst mit Daum-/Overath-Ära). Viktoria hat Strukturen, die durchaus Lernfähigkeit aufweisen. Daher halte ich die Vereinsführung für professionell und kompetent. Allein schon die Vorgänger haben mit der Einbindung von FJW bewiesen, dass sie Viktoria ins ruhige Fahrwasser steuern können, und die heutige hat sicher Fehler gemacht (ist menschlich, sollte man jedem zugestehen, auch sich selbst), aber auch hinzugelernt. Zu erwähnen hier die Wende von Transferpolitik vor 2014/15 (Staffeldt, Glasner, Federico, Streit, Nsereko, ..), seit 2014/15 (Klingenburg, Dej, Koronkiewicz, Schwadorf, Reimerink, Kreyer) und im besonderen seit 2016/17 (Holzweiler, Golley, Eichmeier, Backszat; Derflinger, Hebisch). Es gibt sicher Fehleinschätzungen, die gilt es zukünftig weiter zu minimieren. Hängt aber auch vom Trainer ab, inwiefern er Neuverpflichtungen einbinden und den Kader insgesamt weiterentwickeln kann. Die letzten solchen Trainer hatte Viktoria mit Antwerpen und Kaczmarek.

Spieler zu kritisieren ist einfach, aber ihre Verantwortlichkeit für Fehlentwicklungen zuzuordnen ist schwierig, könnte ich nicht. Der einst größte Hockey-Nationaltrainer unseres Landes, Bernhard Peters, hat sich bei bspw. Berufungen von Spielern nicht von ihren technischen Fähigkeiten oder Erfolgen im Verein blenden lassen, sondern ihre Nominierung davon abhängig gemacht, ob der (zukünftige National-) Spieler in der Lage ist sich 50 Spielzüge zu merken, diese auf Zuruf abzurufen und im Mannschaftsgefüge umzusetzen. Welche Viktorianer ein solches analog vergleichbare Maß an Lernfähigkei besitzt, mag ich nicht beurteilen. Aber dies ist absolute Voraussetzung für Erfolg, wie auch einen Trainer zu verpflichten, der mit diesem Potenzial arbeiten kann. Es ist schon auffällig, wie starr Viktorias Spielweise, wie langsam das Umschaltspiel (defensiv wie offensiv) und wie anfällig sie geworden ist für Konter bzw. Fehler im Aufbauspiel. Fehlentwicklungen gab es unter Antwerpen auch, insbesondere die Disbalance zwischen Abwehr- und Angriffsverhalten zu Saisonbeginn, aber solche Dinge konnten binnen zwei Spieltagen durch treffende Gegenmaßnahmen gelöst werden. Fußballlehrer halt. Ich hege so meine Zweifel daran, dass Trainer Glöckner ein solches Potenzial (falls im Kader ausreichend vorhanden) zu nutzen und zu entwickeln imstande ist. Zumindest sehe ich davon nur wenig auf dem Platz, allenfalls gute Ansätze, die der Gegner aber offensichtlich einfach zu lesen imstande ist. Auffällig auch, wie wenig Laufwege unter den Spielern bekannt sind. Unabhängig von einer wechselnden Startelf, es gibt doch ausreichend Training unter der Woche, ein Mindestmaß muss doch erlernt werden können. Ein Muss für alle (!) im Kader sollte es sein, die Laufwege des besten RL-Spielers aller Zeiten, ihres Kapitäns, Spielmachers, Leitwolfs, Abwehrkettenbrechers und seine Passwege zu kennen, oder die ihres jeweils auf der Seite oder Achse befindlichen Partners, und diese Beziehung zu einer kongenialen Partnerschaft zu entwickeln. Sehe ich aber nicht viel von, in Ansätzen ja, aber (noch) nicht effektiv genug.

Es fehlt also nicht viel, daher ist ein Rundumschlagmit dem Vorschlaghammer m.E. nicht gerechtfertigt.

@stehplatzmitte: Jetzt holt aber auch den Pott (gegen sehr clevere Aachener!) und vertretet die kölschen Farben im DFB-Pokal würdig wie euer Vorgänger (gegen RBL, FCN und Union) einst in der neueren Geschichte. Viel Erfolg dafür!

@Abpraller: Möglicherweise kann der eine oder andere Neuzugang finanziert werden, aber das entscheidende Ding ist doch: wann sollen diee sich denn einspielen (Thema Pass- und Laufwege, Spielsysteme)? Während der Saison? Das ist zu spät. Die Sommerpause abzüglich Transferfensteröffnung und Transfervollzug ist zu kurz. Sie müssen sich JETZT einspielen, hier in der RL-West! Der Mannschaftskern muss HIER und JETZT aufgebaut werden und sollte nur marginal durch Transfers auf Schlüsselpositionen verbessert werden. Nichts anderes macht Viktoria seit 2016/17: Den Kern (Schlüsselspieler) behalten und sukzessive Qualität ergänzen. Doch mir kommt es so vor als könnte der Trainer das schlummernde Potenzial nicht voll abrufen ....

@Hotte: Genau, die Taktik. Hier liegt das Problem wohl in der Disbalance zwischen Abwehr- und Angriffsverhalten. Viktoria wird um so anfälliger in der Umschalte je offensiver sie mit ihrer geballten Power agieren wollen. Antwerpen hatte Lösungen dafür. Solche erwarte ich auch von Glöckner, oder vom Mannschaftsrat, der sich vehement für diesen Trainer ausgesprochen hat! Und dreckige Siege müssen her: Standards müssen eine Waffe werden, insbesondere Eckbälle – Wunderlich-Löhden-Tor hieß es mal. Geniale Einzelleistungen fehlen heute – wohl dem, der einen Schwadorf in seinen Reihen hat (mit Wunderlich congenial!). Vor diesem Hintergrund, was macht Golley?

@asaph: Chaoten gab es nur in der Minderheit. Die, die die Ordnerkette durchbrochen haben, waren laut RS-Bericht "mindestens 2" :-) Zuschauer mehr als 4.000 – beachtlich für einen abartigen Termin unter der Arbeitswoche ....

28.03.2019 - 08:46 - asaph

Waren auch Zuschauer da - oder nur Chaoten? Und Wieviele?

27.03.2019 - 20:50 - Abpraller

@Hotteköln
Was mich wundert, die Fortuna schießt in 30. Spielen / 3.Liga gerade mal 30 Tore.
Und gestern Abend auswärts direkt 3 Dinger, davon 2 aus Eckbällen.
Da träumen die sonst von.

27.03.2019 - 20:14 - Hotteköln

Sollten wir wirklich aufsteigen, wovon wir im Moment noch weit weg sind, werden wir uns mit diesem Team bzw. mit der momentanen taktischen Ausrichtung wohl nicht halten können.
Das Team hat hat sicherlich Potential aber die Taktik ist mir seit einigen Wochen ein Rätsel. Wo ist der Drang nach Vorne der uns den erfolgreichsten Sturm der Hinrunde bescherte? Warum spielen wir nur noch auf Ballbesitz? Mit Wunderlich, Bunjaku, Golley, Musculus und Kreyer wohl die beste geballte Offensivpower der Liga. Aber der Trainer lässt sie nicht :(

27.03.2019 - 18:18 - Abpraller

Das ist gestern Abend wirklich für die Viktoria dumm gelaufen.
Eine Ecke Eigentor und die Ecke in der Nachspielzeit wieder drin.
Da nützt der gesamte Ballbesitz im Spielverlauf wenig.
Mit dieser Mannschaft sollte die Viktoria, wenn sie aufsteigt, einen schweren Stand in der 3. Liga haben.
Naja, das Geld ist ja vorhanden um im Aufstiegsfall Verstärkungen zu holen.

27.03.2019 - 15:47 - stehplatzmitte

Gute Einschätzung, neigefraiche. Danke für die Gratulation. Der Sieg hat nach 4x Demütigung auch mal wieder gut getan. In der Verlängerung wären wir wahrscheinlich untergegangen und hätten jede Menge Körner für das schwere Spiel in Cottbus gelassen. Pokal ist mir eigentlich egal, das nehme ich jetzt mit. Aber in der Liga will ich unbedingt bleiben.

27.03.2019 - 14:25 - simsalabim

@neigefraiche, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn du meine Kommentare zwischen den Zeilen liest, solltest du erkennen, dass ich genau diese Thematik schon angesprochen habe. Viktoria ist in diesem Zustand keine Mannschaft für die 3. Liga. Das fängt bei den Spielern an und hört bei den Verantwortlichen auf. Da ist keiner in den Führungspositionen, der professionell arbeitet. So eine Saison ist sehr kurz und da muss man, wenn man aufsteigen will, schon weit vorher seine Hausaufgaben machen. Die Mannschaft muss da vom Gerippe schon zusammen spielen und punktuell verstärkt werden. Die Mannschaft von Viktoria hat dieses Niveau nicht. Wie man gestern gesehen hat schießt Geld doch keine Tore, FJW !!!

27.03.2019 - 12:54 - Schäl Sick

Super Spiel, super Stimmung, leider mit dem glücklichen Ende für Fortuna. Jetzt gehts volle Pulle Richtung Meisterschaft.

27.03.2019 - 04:21 - JeffdS

Moin .. da muss aber jemand früh arbeiten ;-) Guter Kommentar .. auch bezogen auf den Fahnenklau .. allen einen guten Tag ..

27.03.2019 - 03:48 - neigefraiche

4x in Folge hat Viktoria die Fortuna aus diesem Wettbewerb kicken können, gestern ist mal Fortuna dran gewesen, ob verdient oder unverdient, man muss auch gönnen können. Gratulation.

Fortuna ist gestern einfach die clevere Mannschaft gewesen – Kaczmarek kann halt Pokal, wie bereits für Viktoria bewiesen. Man erkennt es an der Spielweise (Pressing von der ersten Minute an), den Zeitpunkten der Tore (2x Nachspielzeit, 1x kurz nach Anpfiff) und an der Art (1x Standard, 1x Eigentor, 1x Defensivpatzer).

Und das ist der Unterschied zu Viktoria. Viktoria dominiert durch ergebnislosen Ballbesitzfußball das Spiel in der Liga, oft gegen Mannschaften, die nur hinten drin stehen. Wenn sonst nichts läuft, dann laufen Standards, aber nicht für Viktoria, nur für den Gegner. Der Gegner ist stets cleverer, lernfähiger, anpassungsfähiger, flexibel, nicht Viktoria. Gestern hat man's gesehen, die Defensive wackelt, der Gegner ist zur Stelle und erzwingt (!) die Tore, muss nicht Ballbesitzfußballl spielen. Schmutziger, cleverer Fußball muss auch (!) beherrscht werden.

Tore waren es drei, die Fortuna in dieser Saison in Liga 3 lediglich 1x für einen Sieg erzielen konnte. Viktoria unterliegt in einem Spiel nur (!) auf Augenhöhe, gegen einen Gegner, der in Liga 3 gegen den Abstieg spielt, heimwärts, und das mit 3 Gegentoren – heisst: Viktoria ist unter den derzeitigen Bedingungen von einer Drittligatauglichkeit weit entfernt. An dieser Lage kann man schon jetzt etwas tun .... In der nächsten Saison erst die Weichen zu stellen, das ist viel zu spät ....

Zu den Fans: wer sich im Stadion und drum herum nicht benehmen kann, sollte lückenlos identifiziert werden und mit harten Strafen rechnen. Anders geht es nicht.

Zum Fahnenspektakel: Wer sich seine Fahne klauen lässt und die Gruppierung aus verletzter Ehre daraufhin auflöst, dem geht es nur um sich, niemals um den Verein, der ist nicht Fan und sollte die Viktoria-Farben nicht vertreten dürfen. Tschüss! "Normales" Verhalten wäre "neue malen, in Auftrag geben, Rechnung an Fortuna weiterleiten, Mundabputzen, neue Fahne im nächsten Spiel mit gleichem Stolz ausrollen".

HSH ist nicht normal: Wem es nicht genügt sich als Fanclub zu registrieren, sondern danach strebt sich aus der Menge hervorheben zu müssen und Ultra zu nennen, und wer sich über die Sache stellt, und sich dieser mit gemeinsamem Ziel nicht unterordnen will, den bruche mer nit, fott domet! So ein pseudo-preußisches Plustern geht mir auf den Keks, hat in der heutigen Zeit nichts verloren, und mit Fußball nichts zu tun.

Und wenn es tatsächlich so einfach ist diese Ultras loszuwerden ....

Habe fertig :-)

26.03.2019 - 22:02 - RWEshooter

Naja,
ganz unverdient war der Sieg nicht.
Fortuna war schlichtweg gut organisiert.
Offensiv ist die Fortuna sehr dünn, das ist allerdings seit Jahren so.
Dieses Spiel war ein typisches Fortuna Köln Spiel...

Chancen hatte die Viktoria in Halbzeit 2 auch nicht...