Einst Oberligist, dann der freiwillige Rückzug und der Neustart in der Fußball-Bezirksliga. Der SC Hassel hat ein schwieriges Unterfangen gewagt. Inzwischen hat sich der Traditionsverein in der achthöchsten deutschen Spielklasse etabliert - im Sommer kommt Verstärkung.

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Vergessene Vereine: Wie der SC Hassel den Neustart wagte

Dominik Hamers
04. Mai 2020, 09:00 Uhr
Derbys statt lange Fahrten ins Sauerland: Der SC Hassel wagte vor rund zwei Jahren den Neustart. Foto: Olaf Fuhrmann

Derbys statt lange Fahrten ins Sauerland: Der SC Hassel wagte vor rund zwei Jahren den Neustart. Foto: Olaf Fuhrmann

Einst Oberligist, dann der freiwillige Rückzug und der Neustart in der Fußball-Bezirksliga. Der SC Hassel hat ein schwieriges Unterfangen gewagt. Inzwischen hat sich der Traditionsverein in der achthöchsten deutschen Spielklasse etabliert - im Sommer kommt Verstärkung.

Ein Fan nahm die für manche seiner Leidensgenossen schmerzhafte Veränderung pragmatisch. Für ihn fuhr der Bus zum Auswärtsspiel statt um 12 erst um 14.30 Uhr ab. Dennoch sei man „immer noch pünktlich zum Anstoß am Platz“, betonte er. Kürzere Wege, geringere Kosten, mehr Aussicht auf Erfolg: Als der SC Hassel 2018 den Neustart in der Fußball-Bezirksliga wagte, sah das nicht jeder im Gelsenkirchener Stadtteil negativ. Auch wenn die glorreiche Zeit des hochklassigen Amateurfußballs vorerst vorbei war.

Im November 2017 hatten die Verantwortlichen des Oberligisten eine drastische Entscheidung treffen müssen. Weil der Etat nicht mehr ausreichte, um in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen, und weil es in dem Traditionsklub bereits viel Chaos gegeben hatte, zog sich der Klub zurück. Bezirks- statt Ober- oder Westfalenliga, Spieler aus der Region und ein im Vergleich deutlich geringerer Aufwand. Und noch dazu: „Die Stimmung beim Trainingsauftakt war sehr gut. Das war schon das vergangene halbe Jahr zu spüren. Sonntags fehlten einfach die 15-Uhr-Spiele“, erzählte Abteilungsleiter Tim Böving im Juni 2018.

SC Hassel hat sich in der Bezirksliga etabliert

Den SC Hassel zu den vergessenen Vereinen zu zählen, mag gewagt sein. Der Verein existiert schließlich weiterhin, hat Erstaunliches geleistet - aber er mischt eben nicht mehr in den höheren Amateurligen mit. Etwas, das die Verantwortlichen gern in Kauf nahmen. Böving damals: „Wir wollen nicht, dass die Leute den SC Hassel nur als eine Oberligamannschaft sehen, die alle 14 Tage ins Sauerland fährt.“

Stattdessen stellte sich das neue Team zu einem großen Teil von allein zusammen. Gleich zwölf Spieler folgten Trainer Tim Kochanetzki, der von der Reserve der SSV Buer zum Lüttinghof gekommen war. „Als wir im Januar 2018 mit einer leeren Kabine angefangen haben, wusste keiner, wohin die Reise geht“, erinnerte sich der Trainer 2019 im WAZ-Gespräch.

Mittlerweile ist klar: Der SC Hassel hat sich in der Bezirksliga etabliert. In der anspruchsvoll besetzten Staffel 9 belegt der Klub Rang elf, hat ausreichend Vorsprung auf die Abstiegszone. Im Sommer wird sich das Team verstärken: Vom Landesligisten Viktoria Resse kommen Moritz Eckstein, Tobias Leufke und Lukas Tomanek an den Lüttinghof.

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