Einst spielte der TSV Marl-Hüls in der Fußball-Oberliga, heute dient eine ehemalige Spaßtruppe als sportliches Aushängeschild des Deutschen Amateurmeisters von 1954.

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TSV Marl-Hüls: Der einstige Amateurmeister kickt in der Kreisliga B

Dominik Hamers
11. Juni 2020, 10:01 Uhr
Ein Traditionsverein: Der TSV Marl-Hüls hat eine lange Vergangenheit. Foto: Mathias Schumacher

Ein Traditionsverein: Der TSV Marl-Hüls hat eine lange Vergangenheit. Foto: Mathias Schumacher

Einst spielte der TSV Marl-Hüls in der Fußball-Oberliga, heute dient eine ehemalige Spaßtruppe als sportliches Aushängeschild des Deutschen Amateurmeisters von 1954.

Für einen kurzen Moment erhielt der TSV Marl-Hüls wieder etwas mehr Aufmerksamkeit. Heinz van Haaren, früher Profi beim MSV Duisburg und beim FC Schalke 04, machte in den 60er Jahren beim einstigen Aushängeschild der Grimme-Stadt seine ersten fußballerischen Schritte. Als er Anfang Juni 80 Jahre alt wurde, da geisterte der Name des Traditionsvereins wieder durch diverse Medien - aber eben nur, weil der Niederländer dort seine Karriere begann.

Um den Klub, der 2017 für unrühmliche Schlagzeilen sorgte, ist es inzwischen sehr ruhig geworden. Das liegt zum einen daran, dass das Tohuwabohu um den Besuch der Steuerfahnung im Verein und bei sämtlichen Spielern und Funktionären in der Vergangenheit liegt. Und zum anderen daran, dass die sportliche Bühne statt Oberliga nun Kreisliga B heißt. Marvin Pulver, Trainer der Mannschaft, sagt dazu nüchtern: „Ich finde es ganz gut, dass es so ist. Man kann sagen, dass jetzt richtiges Vereinsleben herrscht.“

Am Loekamp war es lange Zeit unspektakulär

Um die Aussage einordnen zu können, muss man einen Blick in die jüngere Vergangenheit werfen. Stefan Schwarze, Stefan Schild, Benjamin Hawel und Stefan Seumenicht - sie hatten ihre besten Fußballer-Jahre bereits hinter sich und wollten nur noch zum Spaß kicken - gründeten die dritte Mannschaft des damals aufstrebenden Klubs, der über die Landes- und Westfalenliga den Aufstieg in die höchsten Amateur-Spielklassen anstrebte. Die erste Mannschaft zog sich zurück, dann die zweite.


In der Zwischenzeit tauchte der TSV gar in der RevierSport-Rubrik „Vergessene Vereine“ auf - so unspektakulär war das Treiben am Loekamp geworden. Vergessen hingegen war die Zeit, als der Deutsche Amateurmeister von 1954 nach 2010 den Großangriff auf die ambitionierten Ligen startete und dafür Spieler holte, die bei der Konkurrenz für Zähneklappern sorgten.

Dafür ist kein Geld mehr da. Aber einige aus dem einstigen Team der dritten Mannschaft sind geblieben. Aber inzwischen, so Marvin Pulver, zieht nicht mehr nur das Interesse am zwanglosen Fußballspielen potentielle Neuzugänge an. „Mittlerweile ist der Leistungsgedanke wieder da. Wir haben uns aus der Kreisliga C in die Kreisliga B hochgearbeitet. Das war ein erster Erfolg.“ Trotz gehobener Ansprüche aber wollen Klubführung und Trainer kein konkretes Ziel ausgeben: „Wir sind froh, wenn wir eine Saison durchspielen können, ohne die Zeitung aufzuschlagen und negative Berichte lesen zu müssen“, sagt der Coach.

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11.06.2020 - 13:13 - Ruhrperle

Tja, so ist das nun mal , wenn man in zu großen Schuhen zum Erfolg stolpert....
Schuster , bleib bei deinen Leisten - es reicht eben nicht aus, mal eben ein paar gute (sehr teure!) zu holen !
Gibt genug Vereine,denen der Größenwahn der Verantwortlichen zum Verhängnis wurde und die heute in den unteren Amateurligen spielen !
Deswegen Hut ab vor SV Rödinghausen ! Mancher Spieler und Zuschauer mag vielleicht sauer sein - aber in der 3. Liga wären sie es wahrscheinlich auch....
Siehe auch Paderborn....