2. Liga

Trotz großem Vorsprung: Frust in Köln

16. April 2019, 09:10 Uhr

Foto: dpa

Der 1. FC Köln steht kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga, doch die Fans pfeifen nach dem 1:1 gegen den HSV. Warum ist das so?

Man konnte meinen, der FC würde in einem Loch stecken, so deutlich waren die Pfiffe, mit denen die Kölner Fans ihre Mannschaft am Montagabend in die Katakomben des Rheinenergiestadions schickten. Dabei liest sich die Wahrheit fünf Spieltage vor Schluss ganz anders: Der Tabellenführer aus der Domstadt hat durch ein 1:1 (1:0) im Zweitliga-Topspiel den Sieben-Punkte-Abstand zum ebenfalls aus der Bundesliga abgestiegenen Verfolger Hamburger SV gewahrt und blieb im achten Spiel in Serie ungeschlagen (davon sechs Siege). Durch das Unentschieden können die „Geißböcke“ nun am Wochenende sogar die Rückkehr ins Oberhaus perfekt machen - doch so fühlte sich das Ergebnis unter dem Flutlicht von Köln-Müngersdorf ganz und gar nicht an.

„Nach dem Abpfiff hab ich gedacht, wir wären Fünfter und sieben Punkte hinter dem Dritten. Wahnsinn, die Pfiffe“, zeigte sich Kölns Verteidiger Rafael Czichos deutlich irritiert von den Reaktionen der eigenen Anhängerschaft. „Wir haben die Konkurrenz auf Abstand gehalten und sind ein Spieltag näher am Ziel.“

Belastung durch die englische Woche


FC-Trainer Markus Anfang erklärte den Leistungsabfall seiner Elf nach der Pause mit den Belastungen der englischen Woche und sprach von einem „Jammern auf hohen Niveau“. Doch Fakt ist, dass mit dem späten Ping-Pong-Tor des eingewechselten Manuel Wintzheimers zum 1:1-Endstand in der 85. Minute sich das Gefühl der Unzufriedenheit in Köln laut zurückmeldete, das bereits seit einer Weile allen Zahlen und Statistiken trotzt.

Der „Effzeh“ mag die Zweitliga-Tabelle klar anführen und dank seiner herausragenden Offensivkräfte eine beeindruckende Tordifferenz von +39 (75:36) vorweisen, doch Anfang und seine Fußballphilosophie haben die Kölner noch immer nicht vollends überzeugt. Dabei hätte man meinen können, nach der enormen und aufrichtigen Anteilnahme am Schicksals seines Vaters, der beim Nachholspiel in Duisburg (4:4) am vergangenen Mittwoch einen Herzinfarkt erlitt und wohl nur aufgrund der schnellen Reaktion der Ersthelfer überlebte, sowie des zum Greifen nahen Aufstiegs mehrere Spieltage vor Saisonschluss, sei der Band zum Trainer inzwischen enger geworden.

Trikots für Anfangs Vater

Tatsächlich spendeten die FC-Fans im Stadion Familie Anfang vor dem Anpfiff gegen den HSV nochmals Genesungsapplaus. „Alles Jode, Dieter“, hatten die Profis auf ihre Aufwärmtrikots drucken lassen. Die berührende Nachricht, dass sich der 69-jährige Vater Anfang auf dem Weg der Besserung befindet und am Montag aus dem künstlichen Koma geholt wurde, setzte jedoch nur eine Halbzeit lang Kräfte frei. Nach dem Treffer durch Dominick Drexler (26.) zum 1:0 verpassten die Rheinländer es, ihre Führung auszubauen.


Stattdessen gewannen die angeschlagenen Hamburger nach Umstellungen in der Pause sofort die Kontrolle über die wegen ihrer Kulisse und Historie nach wie vor erstklassig anmutenden Paarung, obwohl Trainer Hannes Wolf an seinem 38. Geburtstag auf den kreativen Drang von Top-Torjäger Pierre-Michel Lasogga (Adduktoren), Kapitän Aaron Hunt (Rückenschmerzen), Hee-Chan Hwang (Reha) sowie Lewis Holtby (Gelbsperre) verzichten musste und notgedrungen eine Formation ohne klassischen Stürmer aufbot. Diese belohnte sich am Ende mit einem leistungsgerechten Punkt für ihren Kampfgeist in Durchgang zwei. Dabei war mehr drin für die „Rothosen“: Jatta hatte in Minute 53. und 69. äußerst aussichtsreiche Tormöglichkeiten ungenutzt gelassen.

Fans des 1. FC Köln sind skeptisch

Die Kölner Pfiffe nach Abpfiff galten nicht nur der Unzufriedenheit über die wirkungslosen Einwechslungen und ausgebliebenen Antworten des Tabellenführers auf die Hamburger Neuordnung, sondern belegen die anhaltende Skepsis am extrem offenen Visier, mit dem Anfang seine Mannschaft Woche für Woche auflaufen lässt. Mit dieser defensiv instabilen Ausrichtung ist Köln in dieser Saison kein einziger Sieg gegen einen Top-Konkurrenten gelungen: weder gegen den HSV, Union Berlin, noch Paderborn.

Eine warnende Bilanz für die weit anspruchsvolleren Aufgaben der kommenden Saison, auf die sich die „Geißböcke“ trotz - oder gerade wegen - des 1:1 gegen die Wolf-Elf so langsam aber sicher einstellen dürfen. Der FC geht nämlich mit einem stolzen Vorsprung von zehn Zählern auf den Drittplatzierten Union Berlin an die kommende Aufgabe heran. Bei fünf noch ausstehenden Partien wäre Köln am nächsten Spieltag bei einer Niederlage der Hauptstädter in Fürth am Samstag, einem gleichzeitigen Nicht-Sieg Paderborns gegen Kiel sowie einem eigenen Sieg am Ostersonntag in Dresden bereits vorzeitig durch und dürfte für die 1. Liga planen.

Autor: Francois Duchateau

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17.04.2019 - 15:39 - hoelwil

Der Kader ist mit 80 Mio. Marktwert der beste in Liga 2. Da kann man schon mal auf Platz 1 stehen. Die Leistungen sind aber wenig überzeugend. Gegen Heidenheim war man mit 6 zu 24 Torschüssen drückend unterlegen und die hatten in der Woche bei Bayern knallharte 90 Minuten gespielt. Glatzels korrekter Treffer zum 1:1 zählte ebenfalls nicht. Gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten MSV reichte es bei 4 Gegentreffern auch nur zu einem Remis.Und gegen den HSV wurde man in Halbzeit 2 von einem verletzungsgeplagten Rumpfteam an die Wand gespielt. Die Kölner Zuschauer sind mit Anfangs Mauer Fussball einfach nicht zufrieden. Veh wartet jetzt nur noch bis der Aufstieg unter Dach und Fach ist, dann wird die Trennung von Anfang bekannt gegeben. Veh wird sich niemals gegen das Publikum stellen und durch seine grosse Erfahrung weiss er halt ganz genau ,wann sich der Wind dreht.Anfang kanns einfach genauso wenig, wie es Tedesco auf Schalke konnte. Dies ist sicher nur eine Vermutung ,aber ich glaube das es so kommt.

16.04.2019 - 13:39 - gerdstolli

@Julius Oppermann
Da zeigst du wieder deutlich, dass du keine Ahnung vom Fußball hast. Erstens pfiffen die Zuschauer wegen schlechter Spieler - und Schiedsrichterleistung. Zweitens gibt es genug Vereine in der 1. und 2. Bundesliga, die "potente Geldgeber" haben . Auch Köln hat mit REWE, Ford usw. sehr potente Geldgeber, die dem Verein schon über Jahre die Treue halten und hielten, auch in der 2. Liga!

16.04.2019 - 13:03 - Julius.Oppermann

Die Pfiffe sind ein Vorgriff auf die kommende Saison, in der Köln von Anfang an wieder gegen den Abstieg spielen wird. Gegenüber dem örtlichen Rivalen Leverkusen fehlt es einfach an genügend Geld.

Der DFB sollte endlich aus den 36 Mannschaften der 1. und 2. Liga drei kleinere Ligen machen a´ 12 Clubs. Es gibt derzeit Mannschaften wie Hannover, Stuttgart, Köln, Nürnberg etc., die als ewige Fahrstuhlmannschaften für die 1. Liga zu schwach, aber für die derzeitige 2. Liga zu stark sind.
In die 1. Liga gehören nur Clubs, die einen potenten Geldgeber hinter haben wie VW, AUDI, Bayer, SAP, RB etc. Alle anderen Clubs werden in der 1. Liga nur noch gegen den Abstieg kämpfen müssen. Das ist auf Dauer langweilig und frustrierend. Die Kölner Fans wissen das und pfiffen deshalb.