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So denkt Franz Wunderlich über den Lucas-Rückzug

11. Februar 2019, 17:40 Uhr

Foto: Thorsten Tillmann

Der erste Regionalliga-West-Spieltag des neuen Pflichtspiel-Jahres hat sofort einen Kracher parat. Am Sonntag empfängt Viktoria Köln ab 14 Uhr (live im RS-Ticker) Rot-Weiß Oberhausen.

Wir haben vor dem RWO-Spiel mit Viktorias Sportvorstand Franz Wunderlich (56) über die Begegnung gegen RWO, Viktorias Winterzugang Lucas Musculus und die turbulenten Wochen beim Wuppertaler SV, der SG Wattenscheid 09 sowie die jüngste Rücktritts-Ankündigung von Rot-Weiss Essens Sportlichem Leiter Jürgen Lucas gesprochen.


Franz Wunderlich über...

...Viktoria Kölns Wintervorbereitung: "Es gab gute und weniger gute Tage. Das war auch bei den Testspielen der Fall. Letztendlich kannst du den Wettkampf, bei dem es um Punkte geht, nicht simulieren. Am Sonntag gegen Oberhausen werden wir sehen, wie gut unsere Vorbereitung gelaufen ist."

...den kommenden Gegner Rot-Weiß Oberhausen: "Vorweg: Das, was Rot-Weiß Oberhausen mit den geringen Mitteln Jahr für Jahr leistet, ist bärenstark. Hut ab vor der Leistung der Verantwortlichen. Wir sind jetzt neun Punkte vor RWO. Da ist es ja klar, dass das Spiel gegen uns für Oberhausen eine Art letzte Chance ist. Sie müssen eigentlich hier in Köln gewinnen, um noch eine realistische Chance auf die Meisterschaft zu haben. Wir haben noch 13 schwere Spiele vor uns - Oberhausen ist eine von diesen Partien."

...die Tabellenkonstellation in der Regionalliga West: "Wir dürfen uns nicht auf den sechs Punkten Vorsprung ausruhen. Das tun wir auch nicht! Wir gesagt: Wir haben noch 13 verdammt harte Spiele vor uns. Rödinghausen, Oberhausen, Dortmund - alle Mannschaften sind noch hoch motiviert und heiß darauf uns zu ärgern. Wir sind gewappnet und vorbereitet."

...den ärgsten Verfolger SV Rödinghausen: "Dass der SV Rödinghausen Zweiter ist, überrascht mich keinesfalls. Die haben eine richtig gute Mannschaft. Der kleine Durchhänger in der Hinrunde hatte mit Sicherheit auch etwas mit dem DFB-Pokal und Gegner FC Bayern München zu tun. Wenn du weißt, dass es in ein paar Wochen gegen die großen Bayern geht, dann kannst du tun und machen, was du willst. Aber aus dem Kopf bekommst du dieses Karriere-Highlight nicht. Nach dem Bayern-Spiel läuft es für Rödinghausen wieder wie geschmiert. Der SVR ist sehr stark und gefährlich."

... Winterzugang Lucas Musculus - Viktoria Köln wollte eigentlich keine Verstärkung für die Offensive verpflichten: "Das war ja wirklich nicht geplant. Wir waren mit unserem Kader sehr zufrieden. Aber wenn ein Lucas Musculus auf dem Markt ist, dann muss man sich mit dieser Personalie beschäftigen. Lucas hat schon in der Vergangenheit bei uns gespielt und wohnt nur wenige Minuten von der Platzanlage entfernt. Er hat den KFC Uerdingen in die 3. Liga geschossen, weiß wo das Tor steht und ist extrem heiß. Wir haben uns bis zum Saisonende geeinigt und werden dann sehen, wie es weitergeht. Es ist für beide Seiten eine gute Sache."

...über die finanziellen Probleme in der Winterpause in Wuppertal und Wattenscheid: "Aus Respekt vor diesenTraditionsklubs möchte ich gar nicht so viele Worte darüber verlieren. Ich bin da einfach zu weit weg. Jeder sollte vor seiner eigenen Haustür kehren. Aber eins kann ich sagen: Ich habe schon in der Vergangenheit betont, dass es die Regionalliga West in dieser Konstellation in vier, fünf Jahren nicht mehr geben wird. Vereine wie zum Beispiel Wattenscheid werden es sich nicht leisten können, Voll-Profitum anzubieten. Deshalb sollte man auf Mäzen wie Franz-Josef Wernze, Friedhelm Runge, oder Jean Löring, der einst bei Fortuna Köln investierte, nicht spucken sondern ihnen Respekt zeigen. Diese Leute sind alle fußballverrückt und stecken enorm viel Geld aus dem privaten und geschäftlichen Bereich in die Vereine. Wir sind heilfroh, dass wir einen Mann wie Franz-Josef Wernze an unserer Seite haben."

...über Jürgen Lucas' angekündigten Rücktritt bei Rot-Weiss Essen: "Das, was bei Rot-Weiss Essen passiert, ist schon fast tragisch. Dieser Verein, diese Stadt, das Stadion, die Fans - das ist alles, aber nicht Regionalliga. Dieser Verein gehört nach oben. Aber ich habe damals schon zu Michael Welling gesagt, dass diese "Hoch3-Aktion" sehr gefährlich ist. In diesem fanatischen Fan-Umfeld muss man mit solchen Plänen, Parolen sehr vorsichtig sein. Ich finde, dass Jürgen Lucas trotzdem eine tolle Arbeit in Essen geleistet hat. Ich schätze ihn sehr und habe ihn als einen sehr angenehmen Zeitgenossen kennengelernt. Ich kann mich sehr gut in seine Lage hineinversetzen, weil ich auch einen anderen Hauptjob als den des Sportchefs habe und mein Sohn Mike, genauso wie Nico Lucas bei Jürgen, zu meinem Kader gehört. Die Konstellation ist mit Sicherheit nicht einfach. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich zolle Jürgen für diese Entscheidung großen Respekt. Es war für ihn, als echten Rot-Weissen, mit Sicherheit keine einfach Entscheidung."

...seine Zukunft bei Viktoria Köln: "Ich mache das schon einige Jahre und es ist schon sehr zeitintensiv und manchmal auch hart. Ich leite ja auch noch einen Betrieb mit 200 Angestellten. Aber das alles macht mir auch sehr viel Spaß. Aktuell brauche ich das alles einfach. Wie lange ich das alles brauche, wird man sehen. Ich bin 56 Jahre alt und werde auch nicht jünger. Irgendwann wird der Moment kommen, an dem ich sage, dass es Schluss ist. Aber das hat noch Zeit."

Autor: Krystian Wozniak

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11.02.2019 - 23:33 - Frankiboy51

Kann ich gut nachvollziehen, das man über eine ähnliche Situation nachdenkt, wenn der Sohn das "Überleben" sichert und es dann nicht mehr so gut läuft.