Oguzhan Can, der Aufsichtsratsvorsitzende der SG Wattenscheid 09, wollte Christof Wieschemann und Lukas Bennemann zum Rücktritt drängen.

RL West

Schlammschlacht in der Wattenscheider Vereinsführung

Dominik Hamers
28. September 2018, 09:22 Uhr
Foto: Haumann

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Oguzhan Can, der Aufsichtsratsvorsitzende der SG Wattenscheid 09, wollte Christof Wieschemann und Lukas Bennemann zum Rücktritt drängen.

Am Tag nach der niederschmetternden Nachricht aus Hamburg verformte sich das, was zunächst zwischen den Zeilen nur spekulativ anzunehmen war, zu deutlich lesbaren Lettern. Den in der Gesamtheit ihrer Bedeutung höchst dramatischen Rücktritten zweier Aufsichtsrats-Mitglieder der SG Wattenscheid 09 sowie dem Rückzug des Hamburger Technologie-Startups Haalo aus der vereinbarten Kooperation ist offensichtlich ein massiver Streit in der Vereinsführung vorausgegangen.

Das belegen unter anderem interne Mails und Kommunikations-Mitschnitte, die dieser Redaktion vorliegen. Daraus ist zu lesen, dass Oguzhan Can, der Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins, Christof Wieschemann zum Rücktritt aus dem Gremium drängen wollte. Später soll er auch Lukas Bennemann, der gleichzeitig mit Wieschemann die SGW verlassen hat, in diese Forderung eingeschlossen haben.


Peter Jaeger fällt ein vernichtendes Urteil

Am Mittwoch hatte sich Haalo-Geschäftsführer Peter Jaeger in einer Pressemitteilung zitieren lassen. Die Grundlagen der Kooperation mit der SG Wattenscheid seien irreversibel erschüttert – zu dieser Erkenntnis sei der ehemalige Microsoft-Manager nach gründlicher Recherche der Gründe für die Rücktritte gekommen. Etwas mehr als zwei Monate nach der feierlichen Bekanntgabe einer mit ambitionierten Zielen gestarteten Zusammenarbeit fällte Jaeger damit ein ganz und gar vernichtendes Urteil für die Verantwortlichen des Regionalligisten.

Das Chaos, das seine Worte stark verklausuliert andeuten, hat den Geschäftsführer des Startups zu einem drastischen Schritt gezwungen. Schließlich waren die Rücktritte für die Kooperation maßgeblich: Wieschemann und Haalo-Gesellschafter Bennemann waren maßgeblich an dem Zusammenschluss beteiligt.

Verbindlichkeiten plagen den Club

Rechtsanwalt Wieschemann bedauert den Rückzug des Unternehmens, mit dessen Hilfe die SGW eigentlich zu einem finanzstarken Club werden sollte. „Ich war von der Zusammenarbeit überzeugt, weil sie dem Verein große Möglichkeiten geboten hat“, erklärt der Jurist im Gespräch mit dieser Redaktion und betont zusätzlich: „Die Verantwortlichen des Unternehmens haben keinen beherrschenden Ansatz verfolgt.“ Genau darauf habe er Wert gelegt. Ein Verein, so Wieschemann, sei nur dann ordentlich zu führen, wenn er „strukturell und finanziell unabhängig“ ist. Mit diesem Anspruch begründet er auch seinen Rücktritt: „Ich habe erkennen müssen, dass es mir nicht mehr möglich war, diesem Ziel im Aufsichtsrat Geltung zu verschaffen.“

Das kann nur heißen: Wegen der nach dem Haalo-Rückzug verhinderten großen Einnahmequelle ist der Verein nun finanziell wieder von Oguzhan Can abhängig. Das soll sich ändern. „Derzeit eruieren wir andere Finanzierungsmöglichkeiten“, erklärt der SGW-Boss und bittet um Geduld: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir dazu noch keine Angaben machen.“

Verein zweifelt Kündigung des Vertrages durch Haalo an

Am Abend eskalierte der Verein den Disput dann aber nocheinmal und teilte in einer Pressemitteilung mit, dass der Vertrag mit Haalo aus Wattenscheider Sicht weiter Bestand habe. " Es besteht ein rechtsgültiger Gesellschaftervertrag, dessen einseitige Kündigung nicht möglich ist." Der Verein prüfe den Sachverhalt, heißt es wolkig weiter und sei an einer "einvernehmlichen Lösung" interessiert.

Offenbar drängt die Zeit: Wie aus dem internen Schriftverkehr hervorgeht, plagen den Regionalligisten fällige Verbindlichkeiten. Can beschwichtigt: „Es sieht zwar nicht so aus, aber ich habe alles im Griff.“

Autor: Dominik Hamers

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28.09.2018 - 18:02 - Reviermainzel

Dass sich Haalo nie richtig mit 09 befasst hat, wurde doch gleich in der Ankündigung zum Bau eines Jugendnachwuchszentrums deutlich. Für was ein solches Zentrum, wenn die Jugend nur in den unteren Ligen spielt? Um gegen Höntrop und Leithe zu spielen? Von der ganzen Geldbettelmasche ganz zu schweigen. Die ganze Sache hat eher was vom Enkeltrick. Traurig nur, dass die 09-Verantwortlichen aus sowas reinfallen.

28.09.2018 - 14:15 - sy36

traurig traurig einfach nur traurig:

dank Herr Can existiert seit einem Jahr 09.
wir hätten eigentich dieses Jahr in der Kreisliga gespielt.
der Mann hat Geld reingepumpt damit der Verein nicht Insolvenz geht.
Was hat der ,,Staranwalt´´ Wieschemann und Herr Bennemann ( den ich bis jetzt nur 2mal in Wattenscheid gesehen habe) gemacht ? Haalo Gmbh hin oder her.

Tatsache: Can hat mehr als ne Million reingesteckt und den Verein gerettet und falls er die beiden Pappnase rausgeeckelt hat, hat es bestimmt seine Gründe. Ende.

Ich kann nur eins sagen ! geht der Can .. geht 09 für immer und ewig unter !

28.09.2018 - 11:43 - WAT auch immer geschieht!

Eine haalo GmbH, die die Presse mit internen Informationen über den Verein füttert ... um dann später ganz überrascht zu tun ... von der Niederlegung des AR-Amtes eines eigenen Gründungsmitgliedes ... und sich dann in der Presse aufspielen "von wegen unseriös" .... also wusste diese Person vom eigenen Rücktritt nichts!?

Gut initiiertes und vorab kalkuliertes Szenario um den Verein zu übernehmen!!

Mal schauen, ob das Spielchen für haalo aufgeht!?

Bleibt zu hoffen, das der AR-Vorsitzende jetzt ruhig bliebt und nicht auf das gleiche Niveau abrutscht "wie die ach so doch seriösen Unternehmer aus Hamburg, denen ja der Verein am Herzen liegt".

Man hat das Gefühl, da spielen Kleinkinder im Sandkasten und klauen sich gegenseitig die Förmchen!!!

Kaum zu glauben mit welchen Leuten man es zu tun hat....

Aber auch das wird WAT überleben!!!!

28.09.2018 - 10:48 - 09-Onkel

09 hat immer Verbindlichkeiten die drücken. Und die 3 Mio die wir hätten bekommen, waren noch nicht eingeplant, weil dafür hätte Haalo ja erst einmal 25 Mio einsammeln müssen, was Sie ja auch schon seit 1 -2 Monaten machen wollten. Passiert ist nix bis jetzt. Bis jetzt 09 wegen der Beteiligung an der haalo GmbH selber 50.000 € gezahlt und das Geld fehlt bestimmt gerade. Kann es zwar nicht verstehen was da vorgefallen ist, aber Herr Can war selber Feuer und Flame für die Haalo Geschichte. Denn so wie er sich äußerte hatten Sie sogar schon ein Grundstück für den Campus im Auge etc. Bin mal gespannt was die Mitgliederversammlung ergibt. Denn Herr Jaeger ist ja selber 09 Mitglied und will vor Ort sein. Dann ist man evtl. schlauer.

28.09.2018 - 10:12 - Bahnschranke

Vor 2 Monaten dachte ich noch, stark das ein Verein wie Wattenscheid digital als Vorreiter fungiert. Nach wie vor glaube ich auch, dass es eine Riesenchance ist, wenn man die digitalen Möglichkeiten mit einem Fußballverein auf die Straße bringt. Ich kenne natürlich keine Einzelheiten, aber m.M. wird ein Verein, der aus dem Mix eine Synthese hin bekommt, zukünftig profitieren wird. Hier ist es wie in vielen anderen Dingen, die Ersten die es hinbekommen das Potenzial auszuschöpfen, werden erfolgreich sein.
Also Haalo, kommt zu uns nach Essen ... unseren Schlipsträgern traue ich hier einiges zu.

28.09.2018 - 10:11 - van melk

Selbst die Fans kaufen die ehemals beste Stadionwurst Deutschlands nicht mehr beim Verein, sondern bringen ihre Grillsachen gleich selber mit, wie ich Mittwoch selbst erleben durfte.
Da gibt es anscheinend gehörige Entfremdung.

28.09.2018 - 09:36 - Langner

Da ist ja selbst dieser Uerdinger noch sympathischer. Armes Wattenscheid - und der Boss dreht sich im Grab um.