08.09.2018

Ticket-Chaos

Schalke ruft die Polizei wegen Gala-Fans

Foto: Thomas Tartemann

Auf Schalke tobt der Ticket-Wahnsinn: Wegen des freien Karten-Vorverkaufs für das Champions-League-Spiel gegen Galatasaray Istanbul kam es am Freitag auf dem S04-Gelände zu Tumulten.

Dieses Los wäre dem einen oder anderen Mitarbeiter des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 wohl gerne erspart geblieben. Die Königsblauen treffen in der Gruppenphase der Champions League auf den türkischen Meister Galatasaray Istanbul. Ein prestigeträchtiges Duell, das den Schalker Ticket-Shop vor Probleme stellt.


Am Mittwoch war der Andrang auf den Kartenvorverkauf für Champions-League-Tickets des FC Schalke 04 so groß, dass das System fast zusammenbrach. Am Nachmittag befanden sich Interessenten in einer virtuellen Menschenschlange mit bis zu 80.000 anderen Mitgliedern. Obwohl die Hinweise, dass ausschließlich S04-Vereinsmitglieder am Mittwoch Tickets erwerben konnten, sogar auf Türkisch zu lesen waren, wird vermutet, dass Fans von Galatasaray Istanbul schon am Mittwoch an die begehrten Tickets für das Spiel am 6. November kommen wollten und den Server quasi lahm gelegt hatten.

Nur 2700 Tickets für Auswärtsfans

Am Freitag ging das Chaos auf dem Schalker Vereinsgelände weiter. Rund 1700 Fans von Galatasaray versuchten am Freitagvormittag im freien Vorverkauf, der nicht für Gästefans vorgesehen ist, Tickets für das Spiel zu kaufen. Die Karten für die Auswärtsfans werden über den Verein Galatasaray Istanbul vertrieben. Nur 2700 Tickets stehen den Anhängern der anderen Klubs in der Champions League auf Schalke zu. Das sind fünf Prozent von der erlaubten Gesamtkapazität in der Arena, die bei internationalen Spielen 54 442 Zuschauer beträgt.  

Am Freitagmorgen drohte die Lage auf Schalke zu eskalieren. Nachdem es aus dem Gala-Fanlager zu Drängeleien und Beschimpfungen kam, riefen Schalke-Mitarbeiter die Polizei, die mit 13 Einsatzwagen anrückte. "Wir waren mit einem ungewöhnlich großen Aufgebot vor Ort", erklärte ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen auf Nachfrage dieser Redaktion.

"Es wurde geschubst und gepöbelt"

Einige Gala-Fans hatten in Zelten vor dem Vereinsgelände übernachtet, um frühzeitig an die Ticket-Schalter zu gelangen. Am frühen Morgen waren rund 300 Anhänger vor Ort. Dann stieg die Zahl an und es wurde unruhig. "Morgens war alles gesittet. Später haben sich einige Fans vorgedrängelt. Es wurde geschubst und gepöbelt. Schlägereien gab es aber nicht", erklärte ein Fan des türkischen Klubs.

Für Unmut auf Seiten der Istanbul-Anhänger sorgte auch eine von Schalke veranlasste Verkaufs-Reduzierung. So wurde pro Person nur noch ein Ticket ausgehändigt. Das brachte den Gala-Anhang auf die Palme. Ein weiterer Auslöser für den Polizeieinsatz. "Die Organisation von Schalke ist eine Katastrophe", schimpfte ein Fan. Chaotisch wurde es auch im Straßenverkehr. Mehrere Autos parkten mitten auf der Straße oder auf dem Bürgersteig.

Schalke-Mitglieder bedrängt

Obwohl Schalke 04 am Freitag bereits um 09.45 Uhr vermeldete, dass die Begegnung ausverkauft sei, ließen Gala-Fans nichts unversucht, um trotzdem an Tickets zu kommen. So wurden auch Schalker Mitglieder bedrängt, ihnen beim Kauf behilflich zu sein.

Das Ende des Tickets-Wahnsinns dürfte aber noch nicht erreicht sein. Schon zwei Tage nach dem Startschuss des Kartenverkaufs geht es auf dem Schwarzmarkt hoch her. Bis zu 300 Euro pro Karte verlangen Ebay-Nutzer für gekaufte Tickets. Zudem bietet die umstrittene Ticket-Plattform Viagogo die normalen Sitzplatzkarten für 208 bis 484 Euro an.

Schalkes Marketing-Vorstand Alexander Jobst erklärte gegenüber RevierSport auf Nachfrage: „Grundsätzlich gehen wir gegen jeglichen E-Bay Wiederverkauf von Tickets vor.“

Autoren: Thomas Tartemann, Martin Herms


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