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Schalke nach Tönnies-Rücktritt: Hajto knöpft sich die Mannschaft vor

01. Juli 2020, 15:00 Uhr
Tomasz Hajto und Rudi Assauer hatten eine sehr enge Bindung zueinander. Foto: firo

Tomasz Hajto und Rudi Assauer hatten eine sehr enge Bindung zueinander. Foto: firo

Clemens Tönnies ist beim FC Schalke 04 nach 19 Jahren als Aufsichtsratschef zurückgetreten. Tönnies ist auf Schalke nun Geschichte. Tomasz Hajto, einst zwischen 2000 und 2004 ein eisenharter Verteidiger und Publikumsliebling auf Schalke, äußert sich zum Tönnies-Rücktritt.

Tomasz Hajto (47) hat 201 Bundesligaspiele bestritten und zwischen 2000 und 2004 auf Schalke gespielt. Der Pole gewann mit den Königsblauen zudem den DFB-Pokal und war mit Schalke 2001 auch "Meister der Herzen". "Gianni", wie er gerufen wird, erlebte in den vier Jahren sehr viel auf Schalke. Der polnische TV-Experte ist heute noch emotional mit dem Verein verbunden.

RevierSport sprach mit dem ehemaligen Bundesloiga-Profi und polnischen Nationalspieler über die Geschehnisse auf Schalke.

Tomasz Hajto, wie haben Sie die Nachricht vom Tönnies-Rücktritt vernommen?
Ich muss sagen, dass ich letztendlich nicht überrascht bin. Es war am Ende eine Frage der Zeit. Tönnies hat sich einfach zu viele Fehltritte in kürzester Zeit geleistet. Es fing mit dem Rassismus-Spruch an, dann kam die sportliche Krise hinzu, das unrühmliche Schreiben an die Dauerkarten-Inhaber, sein Kampf, Schalke auszugliedern und am Ende noch der Corona-Skandal in seinem Fleisch-Unternehmen. Er war nicht mehr haltbar. Man kann sagen, dass Clemens Tönnies auf Schalke gefallen ist.

Wie gut kennen Sie Tönnies?

Ich habe ihn Anfang der 2000er kennengelernt, als Rudi Assauer noch Manager war. Tönnies hat sich damals im Hintergrund zurückgehalten und nicht ins Sportliche eingegriffen. Rudi war da einfach zu stark. Er hätte ihn wohl an den Ohren gezogen (lacht). Nein, im Ernst: Tönnies hat unter Assauer gelernt. Und er hatte natürlich kein einfaches Erbe nach Rudi Assauer, dem wohl letzten Macho im deutschen Fußball, den Laden zu übernehmen. Rudi konnte man ja nicht nachahmen. Er war einzigartig. Aber ich habe Tönnies als einen sehr charismatischen, ambitionierten und sehr intelligenten Menschen kennengelernt. Er war schon immer ein Geschäftsmann. Immerhin wird ja sein Vermögen auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Das zeigt, dass er auch ein erfolgreicher Mensch ist. Aber im Fußball gehört noch mehr dazu, als nur gute mathematische Künste zu besitzen.

Warum ist Tönnies gescheitert?
Das ist die Konsequenz der letzten vier, fünf Jahre. In den letzten vier Jahren war Schalke nur einmal international vertreten. Das ist eine Katastrophe für diesen tollen Klub. Tönnies war immer involviert, was Trainer- und Manager-Posten angehen. Er hat da zuletzt leider oft kein glückliches Händchen mehr gehabt. Roberto Di Matteo, Markus Weinzierl, Domenico Tedesco oder Christian Heidel als Manager - das alles hat nicht sonderlich funktioniert. Auch David Wagner und Jochen Schneider stehen in der Kritik. Bei den Spielertransfers lag Schalke zuletzt auch nicht richtig. Wenn schon Marcelo Bordon, der eigentlich ein ruhiger Kerl ist, sagt, dass in Brasilien auf der Straße bessere Fußballer als bei Schalker herumlaufen, dann sollte das doch einigen zu denken geben. Marcelo hat den Finger in die Wunder gelegt. Tönnies ist in den letzten Jahren auch sportlich gescheitert. Er war mittendrin und wollte mitbestimmen - lag am Ende zu oft daneben.

Machen Sie sich Sorgen um Schalke?
Nein. Der Verein ist zu groß. Die Fans lieben Schalke. Ganz Gelsenkirchen und Umgebung sind verrückt nach diesem Klub. Schalke wird nie untergehen. Nur es müssen wieder klare Regeln her. Auch eine klare Strategie. Ich hatte zuletzt das Gefühl, dass sich die Spieler zu viel erlauben. Sie haben immer irgendwelche Ausreden. Egal, wie viele Verletzte du hast, egal mit welcher Mannschaft du spielst: Dass Schalke 16 Bundesligaspiele in Serie nicht gewinnt, ist ein Skandal. Dafür sollten sich alle Spieler schämen. Da muss man sich mal in zwei, drei Spielen zusammenreißen und diese ekelige Serie beenden - für den Verein, für die Fans. So hat man Königsblau einfach nur zum Gespött, lächerlich gemacht. 

Was muss sich ändern, dass es wieder besser wird?

Schalke ist kein normaler Profiverein. Es ist ein besonderer Klub. Wenn Spieler hierhin kommen, müssen sie das wissen. Sie müssen sich mit den Menschen, mit der Historie des Klubs beschäftigen. Hier würde ich mir wünschen, dass Schalke einfach im Trainerteam, im Vorstand von Personen geleitet oder zumindest beraten wird, die echte Schalker sind. Jungs, die einfach wissen, was Schalke heißt und bedeutet. Da fallen mir spontan Namen wir Marc Wilmots, Olaf Thon, Jiri Nemec, Marcelo Bordon, Tomasz Waldoch oder Tomasz Hajto ein. Wir haben für den Verein gelebt und sind auf dem Platz für Schalke gestorben. Wenn diese Denke, diese Tugenden zurückkehren, dann werden die Schalke-Fans auch wieder jubeln. Ich wünsche dem Verein von Herzen ein schnelles Ende der Krise und eine bessere Zukunft.

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02.07.2020 - 08:44 - goli60

Ist nicht Filip Tapalovic TW Trainer bei Bayern ?

01.07.2020 - 22:00 - Hüller

Höwedes auch??

01.07.2020 - 20:18 - Schalker1965

Schalke braucht "Schalker Gesichter" in der Führungsetage, die Tacheles reden können, andererseits aber den Draht zur Kabine nicht verlieren. So einen Typ wie Assauer halt. Ich denke, da wären Schalker Idole wie Marc Wilmots, Frank Rost, Marcelo Bordon, Mladen Krstajic, Ebbe Sand oder Ingo Anderbrügge geeignete Kandidaten.

01.07.2020 - 18:48 - Gemare

Egbert04
Den Vollpfosten kannst du dir schenke !!!.
Willst du jemanden wie Olaf Thon in verantwortlicher Stellung bei Schalke haben ?

01.07.2020 - 18:00 - Ruhrperle

Schalke hat schon immer Typen gehabt , die den Verein "gelebt" haben ...
Aber die Schalker sollten auch mal ehrlich sein und mit sich selbst ins Gericht gehen :
Schalke 04 war schon immer DIE Skandalnudel im deutschen Fußball - angefangen von Verstössen gegen Amateurstatutem , über die30/40er Jahre bis heute...
Auf Schalke blieb kein Auge trocken ! Wodran lag und liegt es ? Keine Fachleute ? Zu viele Fachleute ? Jeder weiß es besser und muss seinen Senf dazu geben ?
Jedenfalls gibt es im Umfeld schon seit mehreren Jahrzehnten nur Unruhen und Querelen ! Schalkes Umfeld - ein tosendes Chaos trotz Europaleague oder CL-Teinahme !
Immer wieder die riesengrosse Erwartungshaltung - allen Realitäten zum Trotz !
Und aus diesem Umfeld heraus entsteht die explosive Stimmung auf Schalke !
Ist doch ein Stück aus dem Tollhaus ,dass voriges Jahr Stambouli seine Binde an die Ultras abgeben musste...
Dieses Beispiel zeigt doch ganz klar , was für klägliche und kümmerliche Figuren "offiziell" Schalkes Geschicke leiten !

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01.07.2020 - 17:24 - Egbert04

Da geht es schon wieder los! ...bitte nicht Thon" Was soll das denn Du Vollpfosten?

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion überprüft und nicht als Verstoß eingestuft.

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01.07.2020 - 16:52 - Gemare

Vielleicht sind nach Tönnies Ausscheiden mehr EHEMALIGE bereit Verantwortung im Verein zu übernehmen.Ich erkenne das was der ungeliebte Nachbar gemacht hat mit Neid an. ! Zorc und Kehl machen gute Arbeit. Ich glaube so Leute würden wir bei uns auch finden.Aber bitte nicht Thon....der soll bei Sport 1 seine Kommentare lassen !!!

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01.07.2020 - 16:44 - Schalker1965

Tomasz Hajto spricht einen ganz wichtigen Aspekt an:

"... Hier würde ich mir wünschen, dass Schalke einfach im Trainerteam, im Vorstand von Personen geleitet oder zumindest beraten wird, die echte Schalker sind. Jungs, die einfach wissen, was Schalke heißt und bedeutet. Da fallen mir spontan Namen wir Marc Wilmots, Olaf Thon, Jiri Nemec, Marcelo Bordon, Tomasz Waldoch oder Tomasz Hajto ein. Wir haben für den Verein gelebt und sind auf dem Platz für Schalke gestorben. …"

Schalke hat anders als Clubs wie Bayern oder Dortmund bisher versäumt, Identifikationsfiguren mit eigener erfolgreichen Schalke-Vergangenheit im Verein und insbesondere in der Führungsetage zu integrieren. Schalke darf nicht nur von den Fans, sondern muss von allen Mitarbeitern, Spielern etc. auf und neben dem Fußballplatz "gelebt" werden.

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